«Das Resultat ist eine epochale Weichenstellung für die Kundinnen und Kunden.» Ob diese künftig mehr für Billette bezahlen müssen, liess er offen.

«Heute ist nicht der Zeitpunkt, um über Preiserhöhungen zu diskutieren,» sagte Meyer gegenüber dem Schweizer Fernsehen SRF1. «Das deutliche Ja ist vor allem Ansporn, alles für unsere Kunden zu machen.»

Meyer freute sich besonders über die hohe Zustimmung in der Westschweiz, welche auch vom Ausbau profitieren wird. Generell sei das Ja ein Vertrauensbeweis für den öffentlichen Verkehr - «nicht nur für die SBB». Meyer fodert via Twitter aber Geld für die Strassen. «Nun noch die Strasse - für kombinierte Mobiliät».

Gewerkschaften hochzufrieden

Das Ja zur FABI-Vorlage kommt auch den Angestellten im öffentlichen Verkehr entgegen. «FABI bietet eine gesunde Basis für die Arbeitnehmenden», sagte Giorgio Tuti, Präsident der Eisenbahnergewerkschaft SEV. Er begrüsst das «sehr starke Signal» des Stimmvolks.

«Dieses Ergebnis gibt uns die Möglichkeit, den öffentlichen Verkehr weiterzuentwickeln", sagte Tuti zur sda. Dies sei ein Bedürfnis der Stimmberechtigten - die konstant steigende Zahl von Bahnkunden verdeutliche das.

FABI sei «keine Luxuslösung», wie es die Gegner proklamiert hätten: «60 Prozent des Fonds gehen in den Unterhalt.» Der Ausbau des Schienennetzes erfolge nur punktuell - «dort, wo es nötig ist».

«Gegen höhere Preise wehren»

Tuti teilt Befürchtungen nicht, wonach mit der Vorlage auch die Ticketpreise erhöht würden. «Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen FABI und steigenden Kosten für die Konsumenten, weil nicht der Bund die Preise festsetzt.» Trotzdem räumte er ein, dass «bessere Leistungen höhere Preise verlangen».

Der Waadtländer CVP-Nationalrat Roger Nordmann, Präsident des Ja-Komitees, sagte, das es auch über den Abstimmungssonntag hinaus Arbeit für die Befürworter gebe: «Wir werden uns gegen einen übermässigen Anstieg der Ticketpreise wehren.» Wenn das Zugfahren viel teurer würde, «setzen die Leute wieder vermehrt auf den Strassenverkehr», so Nordmann, Vizepräsident des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS) ist.

Was den geplanten Strassenfonds betrifft, werde man die Vorschläge von Verkehrsministerin Doris Leuthard «ohne Vorurteile prüfen», versicherte der VCS-Vizepräsident. «Wir sind nicht grundsätzlich gegen eine Erweiterung des Strassennetzes.» Vor allem in den Agglomerationen müsse ein Ausbau des Strassennetzes diskutiert werden.

TCS und Astag wollen Strassenfonds

Nachdem Volk und Stände mit ihrem Ja zu FABI die Schaffung eines Bahninfrastrukturfonds befürwortet haben, fordern der Schweizerische Nutzfahrzeugverband (ASTAG) und der Touring Club Schweiz (TCS) nun «gleich lange Spiesse» für die Strasse.

«Im Sinne einer gesamtheitlichen Verkehrspolitik» müsse nun analog zum Bahnfonds ein Fonds für die Strassenfinanzierung geschaffen werden, teilte der TCS mit. Konkret solle der Geldtopf für den Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehr (NAF) auf eine gesicherte Grundlage gestellt werden.

Es sei unabdingbar, dass mehr Mittel aus dem Strassenverkehr wieder der Strasse zugeführt werden. Erste Priorität habe dabei die Ausarbeitung eines bedarfsgerechten Ausbauprogramms für das überlastete Nationalstrassennetz, damit der Verkehr in Zukunft wieder besser fliessen könne.

Gleiches fordert auchWalter Wobmann, Präsident des Nein-Komitees. «Auch die Strasse braucht nun einen Fonds», sagte der Solothurner SVP-Nationalrat nach dem deutlichen Ja des Stimmvolks zur FABI-Vorlage. Dies habe Bundesrätin Doris Leuthard auch versprochen. «Der Handlungsbedarf ist im Strassenverkehr gross.»

Astag will Strassenprojekte vorantreiben ...

Der ASTAG, der die FABI-Vorlage vehement bekämpft hatte, verfolgt ähnliche Pläne. Klar sei, dass nach der Bahn nun rasch die Engpassbeseitigung bei den Strassen an die Hand genommen werden müsse, teilte er mit.

Gefordert wird eine umfassende Engpassbeseitigung in allen Landesteilen. Massiver Handlungsbedarf bestehe vor allem auf den Hauptachsen im Mittelland, in Grossräumen wie Genf-Lausanne, Basel, Zürich, Bern und Lugano. Hier müssten die Kapazitäten dringend und zielstrebig erweitert werden.

... und Mass halten

«Der relativ und unerwartet hohe Nein-Stimmenanteil verdeutlicht, dass die Politik bei der Finanzierungsfrage der Bahn gut beraten ist, Mass zu halten», liess sich ASTAG-Direktor Michael Gehrken im Communiqué zitieren. Die Probleme der Bahnfinanzierung seien noch keineswegs gelöst.

Der ASTAG befürchtet, dass der Bahnfonds keine längerfristige finanzielle Sicherheit bringen wird: «Im Gegenteil werden Unterhalt und Betrieb - wie schon bei der NEAT - weit mehr Mittel verschlingen als vorgesehen.» Über kurz oder lang stehe deshalb eine eigentliche Sanierungsvorlage für den Schienenverkehr an.