Luterbach
Nach A1-Unfall mit LKW: Im Ausland sind die Leitplanken viel stärker

Ein Lastwagen durchbohrte am Dienstag eine Leitplanke: Es gab zwölf Verletzte und die Autobahn A1 war für Stunden in beide Richtungen gesperrt. Hätte eine stärkere Mittelleitplanke das Unglück verhindert?

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Auslöser des Unfalls war ein Lastwagen, welcher ausser Kontrolle geriet und auf die Gegenfahrbahn kam Dort kollidierte er mit einem weiteren Lastwagen
28 Bilder
Unfall auf der A1 bei Wangen an der Aare führt zu Verkehrschaos
Der Blick von oben auf den Unfallort
Ein Kleinbus raste frontal in den Lastwagen mit Anhänger
Der Anhänger des Lastwagens mit einer Baumaschine kippte beim Unfall.
Der Anhänger des mutmasslichen Unfallfahrzeuges am Boden
Ein im Unfall verwickelter Lastwagen.
Der Unfall lockte viele Schaulustige an
Die Person, die im schwarzen PW sass, wurde ebenfalls verletzt. Hier wird das Auto weggebracht.
Die Aufräumarbeiten sind einige Stunden nach dem Vorfall noch immer in vollem Gange.
Die tonnen schwere Baumaschine, die vom Anhänger gefallen ist, hat tiefe Furchen im Asphalt hinterlassen.
Die schwere Baumaschine fiel beim Unfall vom Anhänger und blieb auf der A1 liegen.
Ein Teil der Baumaschine auf dem Anhänger wurde auf die Böschung der Autobahn geschleudert.
Neben einem Grossaufgebot der Polizei wurden fünf Ambulanzen, ...
... zwei Rega-Helikopter und ...
... die Feuerwehr aufgeboten.
Die Mittelleitplanke wurde auf rund 30 Metern vollkommen zerstört.
Reste der Mittelleitplanke
Feuerwehr und Polizei am Unfallort
Die Feuerwehr, fünf Ambulanzen, zwei Rega-Helikopter und ein Grossaufgebot der Polizei stehen nach dem Unfall im Einsatz.
Kapo-Mediensprecher Andreas Mock gibt den Medienvertretern am Telefon Auskunft
Blick auf die Autobahn kurz vor der Ausfahrt Richtung Solothurn/Biel. Die Autobahn wurde in beide Richtungen gesperrt.
Der Verkehr staute sich bis nach Bern und Oensingen
Die Sperrung dauerte mehrere Stunden
Die Webcam bei der Vogt Schild AG in Derendingen zeigt dieses Bild.
Mit dem nahenden Feierabendverkehr drohte auf der A1 der Verkehrskollaps.
Unfalltrümmer der Baumaschine (Hintergrund) trafen auch die Entfernungstafel an der Böschung der Autobahn A1.

Auslöser des Unfalls war ein Lastwagen, welcher ausser Kontrolle geriet und auf die Gegenfahrbahn kam Dort kollidierte er mit einem weiteren Lastwagen

Lea Durrer

Beim Unfall auf der Autobahn A1 am Dienstag in Luterbach hat der unfallverursachende Lastwagen eine Mittelleitplanke durchbrochen. Die Schäden sind bekannt: 12 zum Teil schwer Verletzte, kilometerlange Staus, grosser Sachschaden an Fahrzeugen und der Autobahn.

Der Verein für Fahrzeug-Rückhaltesysteme aus Beton kritisiert nun die auf Schweizer Autobahnen installierten Leitplanken. Geschäftsführer Jan Kottucz sagt gegenüber «20min.ch»: «Wir kritisieren die Rückhaltestufe, die in der Schweiz gilt – sie ist tiefer als im benachbarten Ausland.» So gelte in der Schweiz eine Stufe von H1, in Deutschland, Österreich und Italien betrage sie H2.

Die in der Schweiz gängige Rückhaltestufe H1 hält einem 10 Tonnen schweren Fahrzeug bei einer Geschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde stand. Dies entspricht einem kleineren LKW. Einen grösseren Lastwagen oder ein Car kann sie nicht stoppen. H2 dagegen vermag 16 Tonnen bei 80 km/h standzuhalten.

Zudem kritisiert der Verein, dass die Leitplanken noch immer aus Stahl statt Beton gebaut würden. Jan Kottucz: «Wenn ein Reisecar oder ein grosser Lastwagen damit kollidiert, besteht die Gefahr eines Durchbruchs nicht.» In Härkingen SO, den am stärksten befahrenen Autobahnabschnitt in der Schweiz, seien die gleichen Leitplanken installiert wie in Luterbach: «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dort ein ähnlicher Unfall wie am Dienstag geschieht», sagt Kottucz zu «20min.ch». Zudem seien Betonelemente günstiger in der Anschaffung und im Unterhalt, würden rund 25 Jahre länger halten und müssten nicht durch aufwendige Grabungsarbeiten im Boden verankert werden, sagt er gegenüber dem Portal «newsnet.ch».

Das Bundesamt für Strassen hält dagegen: «Leitplanken können nicht für jeden denkbaren Fall ausgelegt werden.» Stahlsysteme hätten den Vorteil, dass sie beim Aufprall elastischer reagieren. «Sie sind sicherer für PW-Insassen als Betonelemente», sagt Sprecher Thomas Rohrbach gegenüber «20min.ch». Weil sich Betonleitplanken bei einem Aufprall weniger verformen, steigert dies das Risiko, dass ein aufgepralltes Fahrzeug in den Verkehr zurück geschleudert wird und sich so überschlägt. Rohrbach: «Das Verletzungsrisiko respektive die Schwere der Verletzungen für Fahrzeuginsassen ist dabei wesentlich höher.» (fam)