Irmgard Bayard

«Es war einmalig. Das Positive überwiegt klar.» Mit diesen Worten schloss gestern Martin Lerch (SVP), Regierungsstatthalter des Amtes Aarwangen, seinen Rückblick auf 250 Monate Berufs-tätigkeit. Noch bis Ende Jahr bleibt er im Amt. «Volles Engagement bis am Schluss», nannte er sein Motto bis zum 31. Dezember. Danach übernimmt der bisherige Regierungsstatthalter Wangen, Martin Sommer (SP), das Zepter für den neuen Verwaltungskreis Oberaargau.

Die 21 Jahre seien schön und komplex gewesen. «Der Wandel findet immer statt», betonte er. Man könne sich dagegen wehren oder aber sich aktiv daran beteiligen, wie er es gemacht habe. Speziell gerne erinnere er sich an die Zusammenarbeit mit den Gemeindekader. «Vor allem die Konferenzen und der Dialog mit Ihnen werde ich vermissen», sagte er zu den vollzählig erschienenen Gemeinderatspräsidenten. Diese Plattform nannte er als eines der Highlights während seiner Amtszeit.

Kritisch äusserte sich Lerch zur «überbordenden Zentralverwaltung». Dabei gehe seiner Ansicht nach die Gesamtschau, die Verhältnismässigkeit bei der Beurteilung einzelner Dossiers verloren. Viele Aufgaben seien in den 21 Jahren den Regierungsstatthalterämtern verlustig gegangen oder würden per Ende Jahr wegfallen. Als Beispiele nannte er unter anderen die Erteilung von Waffenerwerbs- und Tragbewilligungen, das Ausstellen von Jagd- und Fischereipatenten, die Passation der Jahresrechnungen der öffentlich-rechtlichen Körperschaften, «oder auch nur das Überbringen von Gratulationen an 100-jährige Bürger, das ich immer sehr gerne mache», so Lerch.

Den Kopf voller Bilder

Andererseits kamen neue Aufgaben dazu, wie etwa die umfassende Zuständigkeit im Gastgewerbe und das Beurteilen des Handlungsbedarfes bei häuslicher Gewalt, die neu als Offizialdelikt gilt. Als eindrücklich schilderte Lerch die Feuerwehreinsätze, vor allem bei Grossbränden. «Ich habe den Kopf voller Bilder davon», sagte er und nannte unter anderem Einsätze im Gugelmannareal in Roggwil. Feuerschäden in der Höhe von rund 100 Millionen Franken und Hochwasserschäden in der Höhe von rund 50 Millionen Franken habe es in seiner Amtszeit gegeben (weitere Zahlen siehe Kasten).

Martin Lerch ist übrigens der zehnte und letzte Regierungsstatthalter des Amtsbezirkes Aarwangen. Davor gab es vier Oberamtmänner, einen Districthalter und 75 Landvögte. Am

30. Dezember zieht das Regierungsstatthalteramt ins Schloss nach Wangen, am 30./31. Dezember findet die offizielle Amtsübergabe mit Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP) statt. Am zweitletzten Tag ist noch die Übung «Chutzefüür», die Verabschiedung der Amtsfeuerwehren, geplant. Lerch wird nach einem Sprachaufenthalt und einer Ausbildung seinen Dienst als Verteidigungsattaché im Ausland antreten.