Islam
Muslim-Verbände fordern: Islam soll Schweizer «Landeskirche» werden

Die Schweizer Muslime fordern mehr Rechte. Sie wollen, dass der Islam den christlichen Landeskirchen gleichgestellt wird. Der Vorstoss kommt von den beiden nationalen Muslim-Verbänden Kios und Fids.

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Farhad Afshar

Farhad Afshar

Aargauer Zeitung

«Wir gründen eine islamische Glaubensgemeinschaft, analog zu den christlichen und jüdischen Religionsgemeinschaften», sagte Kios-Präsident Farhad Afshar in der Zeitung «Der Sonntag».

Das Ziel sei die öffentlich-rechtliche Anerkennung der islamischen Glaubensgemeinschaft «Umma Schweiz», so Afshar weiter: «Wir wollen den Islam als gleichwertige Religion in der Schweiz etablieren.»

Setzen sich die Muslim-Verbände durch, wäre der Islam die erste nicht-christliche Religion, die den Landeskirchen gleichgestellt ist. Neu sollen auch «Religionsabgaben» eingeführt werden. «Damit verfügen wir über die Mittel, um eine religiöse Infrastruktur aufzubauen, die der bedeutenden Zahl der Muslime angemessen ist», so Afshar.

Bereits drei Hearings mit Kirchen

Die Muslim-Verbände haben bereits drei Hearings mit der Katholischen und Reformierten Kirche und dem Israelitischen Gemeindebund der Schweiz durchgeführt. Jetzt wird eine Juristenkommission mit drei namhaften Staatsrechtlern und zwei islamischen Juristen eingesetzt. Sie soll ein Statut ausarbeiten, das der Bundesverfassung und den 26 kantonalen Verfassungen entspricht.

Testwahl durchführen

Das Statut wird anschliessend den 300 Schweizer Islam-Vereinigungen zur Vernehmlassung zugestellt. Bereits Ende Jahr sollen Vertreter der «Umma Schweiz» in ein Leitungsgremium, das «religiöse Parlament» der Muslime gewählt werden. Die Basler Muslimkommission hat sich bereit erklärt, die «Testwahl» durchzuführen.

«Das Parlament ist die religionspolitische Repräsentanz aller 400’000 Muslime in der Schweiz», so Afshar, «es entspricht dem Schweizer Nationalrat». Das Islam-Parlament soll die politischen Forderungen der Muslime durchsetzen.

Neben der öffentlich-rechtlichen Anerkennung des Islam gehört dazu die Einrichtung von muslimischen Friedhöfen, die staatliche Ausbildung von Imamen und die Schaffung von «islamischen Altersheimen, zumindest Altersheimen mit einer islamischen Sektion, wo die Essensvorschriften und die Gebetszeiten eingehalten werden». Man habe den Islamverbänden stets vorgeworfen, dass sie sich in der aktuellen Islam-Debatte nicht aktiv äussern würden, dafür habe aber das Mandat gefehlt, so Kios-Präsident Afshar.

Das werde sich künftig ändern: «Mit der Umma Schweiz haben wir die Legitimation, für alle Muslime zu sprechen. Wir werden Wahlempfehlungen abgeben und sicher zu einem politischen Faktor werden.»