Finanznot
Museum Ballenberg ist knapp bei Kasse: Direktorin stellt Existenzfrage

Das Ballenberg-Freilichtmuseum hat zu wenig Rücklagen, um längerfristig überleben zu können. Geschäftsführerin Katrin Rieder sagt: «Wenn die Öffentlichkeit den Ballenberg auch in Zukunft will, muss sie auch bereit sein, dafür etwas zu bezahlen.»

Anna Wanner
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Das Bauernhaus aus Tentlingen aus dem Jahre 1790.
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Das Bauernhaus aus La Chaux-de-Fonds aus dem Jahre 1617.
Das 1780 erbaute Weinbauernhaus aus Richterswil.
Das Freilichtmuseum Ballenberg ist in Geldnöten.

Das Bauernhaus aus Tentlingen aus dem Jahre 1790.

Keystone

Der Ballenberg ist Sinnbild für die Idylle der ländlichen Schweiz. Auf 66 Hektaren spaziert der Besucher an alten Bauernhäusern, Ställen, Rustici und Alphütten vorbei. Die rund 100 Häuser kommen aus fast allen Ecken der Schweiz und ermöglichen einen Einblick in das Leben von damals.

Die diesjährige Saison bietet neben Kursen im Käsen, Töpfern und Korbflechten auch eine Sonderausstellung zu Verdingkindern. Doch der Ballenberg ist nicht nur Folklore, nicht nur Modell für Lebens- und Siedlungsformen der Schweiz. Das Museum widmet sich auch Fragen der Gegenwart, wie dem Handwerk von heute.

Schliesslich eignet sich der Ballenberg auch als Vorzeigeobjekt für den Betrieb eines Museums. Über den Verkauf von Eintritten, Spenden, den Förderverein, Merchandising und Gastronomie war das Museum bisher kaum auf Subventionen angewiesen: Es erwirtschaftete den Umsatz zu 90 Prozent selbst.

Doch damit soll seit diesem Jahr Schluss sein. «Wir ächzten unter der hohen Eigenfinanzierung», sagt Geschäftsführerin Katrin Rieder. «Sie ist für den Betrieb eines Museums nicht zu verantworten.» So mussten Investitionen jahrelang aufgeschoben werden. Mit kleineren Unterhaltsarbeiten hielt das Museum die Häuser in Schuss. Jetzt fallen grosse Renovationen wie neue Dächer an.

Finanzloch: 90 Millionen benötigt

Aber nicht nur: Die Geschäftsführung des Museums berechnet alleine für die Aufrechterhaltung des Basisbetriebs 31,8 Millionen Franken. Für den laufenden Unterhalt der Häuser kommen 10,7 Millionen hinzu. Der Ballenberg verändert sich auch strategisch. Das Museum kann nicht mehr mit neuen Gebäuden punkten, weil das Gelände nahezu bebaut ist. Die Kulturvermittlung sei den heutigen Standards anzupassen, sagt Rieder. Dafür benötige das Museum weitere 44,5 Millionen. Insgesamt beläuft sich der Finanzbedarf in den nächsten zehn Jahre auf 90 Millionen Franken.

Die eigene Kasse ist bereits strapaziert, vom Kanton erhält der Ballenberg 625 000 Franken und vom Bund dieses Jahr erstmals einen Beitrag von 500 000 Franken. Weil das bei weitem nicht ausreicht, hat der Berner BDP-Ständerat Werner Luginbühl, der im Stiftungsrat des Museums sitzt, eine Motion eingereicht. Er fordert vom Bund «substanziell höhere Beiträge».

Woher das Geld am Ende kommt, will Rieder der Politik überlassen. Neben dem Bund fasst sie den Standortkanton Bern und auch andere Kantone ins Auge. «Der Ballenberg ist ein gesamtschweizerisches Museum. Die Häuser kommen aus allen Kantonen.»

Direktorin stellt die Existenzfrage

Der Antrag auf Subventionen führt unweigerlich zu einem Verteilkampf: Wer soll von Kulturförderung profitieren? So zählt die Berner Kulturstrategie den Ballenberg zwar zu den kantonalen Leuchttürmen.

Die öffentliche Hand verteilt die dafür vorgesehenen 5,8 Millionen Franken aber ungleich: Der Ballenberg erhält etwas mehr als einen Zehntel, während das Paul-Klee- und das Historische Museum in Bern neun Zehntel unter sich aufteilen - obwohl der Ballenberg mit 250 000 Besuchern pro Jahr nach dem Verkehrshaus Luzern (520 000 Besucher) eines der beliebtesten Museen ist.

Für Rieder steht fest: «Wenn die Öffentlichkeit den Ballenberg auch in Zukunft will, muss sie auch bereit sein, dafür etwas zu bezahlen.»

Die Chancen stehen nicht schlecht. Gut die Hälfte aller Ständeräte haben Luginbühls Motion unterzeichnet.

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