Mundart
Mundart im Kindergarten: «Primitive Reaktion»

Der ehemalige Avenir Suisse-Chef Thomas Held äussert sich in der welschen Presse unverblümt über die Mundart-Abstimmungen in der Deutschschweiz. Unter anderem findet er, man müsse über die Beschneidung der direkten Demokratie nachdenken.

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Keystone

Thomas Held sorgt in einem Interview in «Le Temps» für Aufsehen. Der ehemalige Wirtschaft-Vordenker von Avenir Suisse äussert sich zum Abstimmungsergebnis über die Mundart in Kindergärten.

Nach Held galt jahrelang die Regel: Jeder redet in seiner Sprache und muss die andere verstehen. Doch diese Regel sei immer mehr aufgeweicht worden, weil die Deutschschweizer aufhörten, Hochdeutsch zu sprechen. Und nun kommen die Deutschen in die Schweiz und zwingen die Deutschweizer dazu, eine Sprache zu sprechen, die sie nicht gut beherrschen.

Als die Deutschen noch nicht so zahlreich in der Schweiz waren, hätten sich die Deutschschweizer mehr Mühe gegeben, Hochdeutsch zu reden. Nun habe das gekehrt, meint Held: Sie wollen eine Dialekt-Insel erhalten - die Kindergarten-Abstimmung war in diesem Zusammenhang nur ein kleines Puzzelteil.

In der Deutschschweiz finde etwas Einzigartiges statt: Erstmals entstehe mit der Einwanderung von Deutschen die Situation, dass Immigranten einen Sprachvorteil besässen. Das verunsichere die Deutschschweizer.

Die Mundart-Abstimmungen hätten nur am Rande etwas mit der Schule zu tun sondern mit den Abkapselungs-Gelüsten der Deutschschweizer. Letzlich sei das Abstimmungsergebenis eine primitive Reaktion.

Weiter meint Held, solche Abstimmungen würden zu einem Vorwand verkommen, hemmungslos seinen Emotionen freien Lauf zu lassen ohne über die Sache nachzudenken. Darum findet Thomas Held auch, man müsse über die Beschneidung der Direkten Demokratie nachdenken. (cbk)

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