Die Geschichte hat mich verwundert und belustigt, dann hat sie mir aber eingeleuchtet: «Weisst du», sagte mein Kollege übers Bier hinweg, «dass im Tierspital Zürich manchmal nicht nur Tiere, sondern auch dicke Menschen in der Warteschlange stehen?» Patienten, die für den Computertomographen im Spital zu schwer und zu dick seien, würden im Tierspital untersucht. Da gebe es die tragfähigeren Tische und die medizinischen Geräte in XXL-Format.

So einleuchtend die Geschichte auch ist, so muss sie doch erhärtet werden. Das Universitätsspital Zürich winkt gleich ab. «Immerhin haben wir Tische, die bis 270 Kilogramm tragen», so eine Sprecherin.

«Das ist ein Gerücht»

Auch beim Berner Inselspital winkt man ab, doch gehört habe man davon: «Ich halte das für ein Gerücht», sagt Gabriel von Allmen, Teamleiter Ganzkörpertomographie. Es stimme zwar, dass die universitären Tierkliniken über das entsprechende Untersuchungsmaterial verfügten, doch es sei noch nie vorgekommen, dass das Inselspital eine Computertomographie in einer Tierklinik durchgeführt habe.

Das Inselspital habe zum Glück zwei Tische mit sehr hoher Tragkraft (über 200 kg). Dass enormes Übergewicht und eine hohe Körpermasse für eine Computertomographie (CT) ein Problem darstellen, bestätigt er: «Ist der Patient sehr schwer, und hat er zudem einen Körperdurchmesser von über 50 Zentimetern, wird es problematisch.» Bei zu hohem Gewicht des Patienten könne die Untersuchung gegebenenfalls nicht durchgeführt werden und bei einem zu grossen Körperdurchmesser leide die Bildqualität.

Eine überraschende Antwort hingegen gibt die Winterthurer Privatklinik Lindberg. Die Klinik ist spezialisiert auf die Therapie von Übergewicht und Übergewichts-Chirurgie. «Ja, wir führen CT-Untersuchungen im Tierspital durch - aber äusserst selten», so eine Sprecherin des Spitals. In den letzten vier Jahren sei es aber höchstens zweimal vorgekommen. Erstaunt lege ich den Hörer auf.

Es sind die gleichen Geräte

«Es kommt sicher vor, dass Menschen in Tierkliniken untersucht werden, aber nicht bei uns», sagt Patrick Kircher, Leiter bildgebende Diagnostik im Tierspital Zürich. Zumindest in den letzten 15 Monaten nicht, so lange arbeite er schon am Tierspital Zürich. Er führt die Computertomographien im Tierspital durch. «Die Geräte bei uns und in den Humanspitälern sind zwar gleich», gibt er zu.

Mit der Ausnahme, dass in den Tierspitälern die Tische besonders stabil seien. Theoretisch wäre ein Untersuch eines Menschen im Tierspital denn auch möglich. Doch es fehle die Logistik dazu. «Und ich bin Tiermediziner», so Kircher. Zum Schluss erhärtet er die Geschichte meines Kollegen dann aber doch: «Es gab Anfragen für Untersuchungen, wir haben sie aber weitergeleitet.»