Mümliswil

Die überhitzten Heizölpreise lösten letztes Jahr einen wahren Ansturm auf das Fernwärmeprojekt der Gemeinde Mümliswil aus. Doch hohe Anschluss- und Energiekosten sowie der stetig sinkende Ölpreis kühlten das Interesse stark ab. Nun hoffen die Verantwortlichen auf Fördergelder des Bundes.

Bei 105 Franken pro 100 Liter stand der Heizölpreis, als die Einwohnergemeinde Mümliswil-Ramiswil im April 2008 die ersten Kontakte zur AEK Energie AG betreffend Wärmeverbund aufnahm. Als vier Monate später der Ölpreis auf stolze 135 Franken und mehr gestiegen war, stieg auch das Interesse für die geplante Fernwärme.

Deren eigentlicher Auslöser bildet die anstehende Sanierung der Grossheizanlage im Schulhaus Brühl. Hier käme denn auch die Heizzentrale, eine Holzschnitzel-Anlage, zu stehen, die vor allem den Wärmebedarf für das Hallenbad und das Schulhaus decken sollte.

Grossbezüger fehlen

Innert kurzer Zeit meldeten sich bei der Gemeinde über 180 Interessierte. «54 stammten von Liegenschaften aus dem Dorfkern und der unmittelbaren Nähe zum Schulhaus Brühl, die mit einem vertretbaren Aufwand erschlossen werden könnten», orientierte Roger Scheidegger von der AEK Energie AG den Gemeinderat.

Die Leitung hätte auch nach Norden (9 Interessenten) und Süden (25) erweitert werden können. Rund 100 Interessenten musste von vornherein abgesagt werden, weil das Leitungsnetz zu lang geworden wäre. Insgesamt wären über 3,5 Kilometer Leitungsnetz notwendig gewesen.

«Leider fehlen aber an deren Enden und auch dazwischen die so dringend benötigten Grossbezüger», so Scheidegger weiter. Denn gesamthaft hätten diese Anschlüsse einen Energiebedarf von 3120 Kilowatt ergeben. «Um eine solche Anlage effizient und rentabel zu betreiben, rechnen wir eigentlich mit 2 Kilowatt pro Laufmeter Wärmeleitung.»

Nur sieben Verträge kamen zurück

Im Dezember wurden 54 Abnahmeverträge verschickt. Doch nur sieben davon wurden bis Anfang März unterzeichnet. In der Zwischenzeit steht der Ölpreis bei weit unter 70 Franken. Laut Scheidegger stehen noch sechs mögliche Verträge aus, inklusive jener für die gemeindeeigenen Liegenschaften. Würden diese eintreffen, ergäbe dies einen Energiebedarf von rund 1300 kW für das Dorfzentrum und das Schulhaus.

Um die Anlage zu bauen und in einem ersten Schritt einigermassen rentabel zu betreiben, wären aber im Minimum 2000 kW notwendig. Dezentrale Lösungen in den Quartieren kommen ebenfalls nicht infrage, weil die Baukosten für die wohl kleineren Heizzentralen die Einsparungen im Leitungsnetz auffressen würden.

Hoffen auf Bundesgelder

«Viele Liegenschaftsbesitzer sind vom hohen Grundpreis, den Anschlusskosten und dem Aufwand für hausinterne Anpassungen abgeschreckt worden », berichtete Scheidegger. Dessen sei man sich bewusst, denn in Mümliswil fehlten halt einfach die Grossbezüger.

Eine mögliche Reduktion der Baukosten und günstige Baukredite würden in der heutigen Planungsphase etwa 13 Prozent Optimierungspotenzial bringen. Doch das reicht noch immer nicht aus. «Daher sind wir an das Bundesamt für Energie gelangt», so Scheidegger.

Denn im Rahmen des 2. Konjunkturprogrammes, das vom Parlament am Montag beschlossen wurde, stehen weitere 80 Millionen für solche Projekte wie in Mümliswil zur Verfügung. Bedingung ist, dass diese sofort Investitionen auslösen, was in Mümliswil aufgrund der fortgeschrittenen Planungen auch möglich wäre.

Eine Million wären für den Wärmeverbund und das Fernwärmenetz vorgesehen, eine weitere halbe Million für die Subventionierung der internen Hausanschlüsse. «Gesamthaft ergäbe dies eine Reduktion von 20 bis 30 Prozent beim Grundpreis, und für die Liegenschaftsbesitzer würden die Umbaukosten entfallen.»

Wie gehts nun weiter?

Nun gelte es abzuwarten, bis Details zum Förderprogramm bekannt sind. «Falls Fördermöglichkeiten realisierbar sind, werden wir mit den Interessenten wieder Kontakt aufnehmen», ist von seiten AEK zu vernehmen. Falls nicht, würde das Projekt für mindestens zwei Jahre sistiert.

Was aber, wenn die über 30- jährige Heizzentrale im Schulhaus Brühl zwischenzeitlich «ihren Geist» aufgibt? «Dafür hat die Arbeitsgruppe drei Szenarien ausgearbeitet», erklärt Gemeindepräsident Kurt Bloch. Eine Lösung sieht zwei Pelletheizungen vor, die abwechselnd oder gleichzeitig betrieben werden könnten. Das wäre ökologisch, bedingte aber hohe Investitionen und grosse bauliche Massnahmen für die Pelletlagerung.

Eine zweite Variante sieht die Wärmeerzeugung mit einer herkömmlichen Ölheizung vor. Dazu der Kommentar von Roger Scheidegger: «Tiefe Investitionskosten, aber zu 100 Prozent fossiler Brennstoff und für die nächsten 20 Jahre der Unberechenbarkeit des Ölpreises ausgesetzt.»

Drittens wäre die Installation von Solarzellen auf dem Schulhausdach möglich für die Vorwärmung des Badewassers. Dies wäre sicher ökologischer als eine reine Ölheizung, aber auch kostenintensiver und die Abhängigkeit vom Öl würde weiter bestehen. Bis der Entscheid aus Bern eintrifft, ist der Wärmeverbund Mümliswil somit vorerst kaltgestellt. (mz/ufl)

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