Atomdebatte

Mühleberg-Gegner enttäuscht: «Wie im Mittelalter»

Die Gegner des Atomkraftwerks Mühleberg haben sich am Donnerstag enttäuscht und schockiert über den Bundesgerichtsentscheid gezeigt. Greenpeace appellierte an den Energiekonzern BKW, zur Vernunft zu kommen und den Betrieb von Mühleberg aufzugeben.

Das Bundesgericht habe praktisch die gesamte Verantwortung dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) übertragen, sagte der Anwalt der 113 Beschwerdegegner, Rainer Weibel, an einer Medienkonferenz in Lausanne. Damit würden die Anwohner von Mühleberg in die Enge getrieben und zum Schweigen gebracht.

Man werde jedoch weiter kämpfen, kündigte Weibel an. Direkt nach Fukushima habe das Komitee Mühleberg-Verfahren ein Gesuch um Entzug der Betriebsbewilligung für Mühleberg beim Bundesgericht eingereicht. Es bestehe also noch eine Chance.

AKW-Anwohner werfen die Flinte nach Mühleberg-Entscheid nicht ins Korn

AKW-Anwohner werfen die Flinte nach Mühleberg-Entscheid nicht ins Korn

Das ENSI bekomme mit dem Entscheid des Bundesgerichts eine göttliche Allmacht wie im Mittelalter die katholische Kirche, kritisierte auch Jürg Aerni, Vertreter von "Fokus Anti-Atom". Die Richter hätten nur formaljuristisch entschieden und nicht daran gedacht, dass es dem ENSI an Unabhängigkeit fehle.

Auch die Beschwerdeführerin Ursula Balmer-Schafroth, die in der 5-Kilometer-Zone um Mühleberg lebt, zeigte sich "sehr enttäuscht" vom Entscheid. "Unser Vertrauen ins ENSI ist gleich null", sagte sie. Es mache Angst, dass diese Behörde nicht hinterfragt werde.

"ENSI ist nicht unfehlbar"

Ähnlich äusserte sich auch Kaspar Schuler von Greenpeace Schweiz. Es sei erschreckend, dass nun alles beim ENSI liege, obwohl bei allen Katastrophen der menschliche Faktor eine Rolle spiele. Das ENSI sei nicht unfehlbar, betonte Schuler.

An die BWK richte Greenpeace den Appell, dass sie technisch und wirtschaftlich zur Vernunft komme und aufgebe, sagte Schuler. Ein altersschwacher Reaktor werde nie ein junger Athlet. Wenn die Betreiberin von Mühleberg dies nicht selber einsehe, werde es umso wichtiger, dass das Volk aufstehe und Nein zu Mühleberg sage.

Leuthard zufrieden

Energieministerin Doris Leuthard ist mit dem Urteil des Bundesgerichts zum Atomkraftwerk Mühleberg zufrieden. "Wir sind froh, dass nun Klarheit herrscht", sagte sie am Donnerstag vor den Medien in Bern.

Das Urteil bedeute, dass das AKW Mühleberg ab sofort über eine unbefristete Betriebsbewilligung verfüge - wie alle anderen Atomkraftwerke. Das heisse aber nicht, dass sich die Betreiber zurücklehnen könnten. Sie müssten vielmehr die Massnahmen umsetzen, welche die Atomaufsichtsbehörde ENSI angeordnet habe.

Die Betreiber seien nun gefordert zu investieren. Sie könnten auch auf weitere Investitionen verzichten und das AKW abschalten. "Es liegt jetzt an der BWK", sagte Leuthard. Diese rechne mit nötigen Investitionen von 170 Millionen Franken.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1