Neue Aufgabe
"Mr. Corona" Daniel Koch ist jetzt auch ein ganz spezieller Botschafter

Sein Video mit dem Sprung in die Aare haben zehntausende Menschen gesehen. Jetzt wird Daniel Koch Botschafter für die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft. Nach dem Kampf gegen das Coronavirus engagiert er sich jetzt für sicheres Baden.

Kari Kälin
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Mit Rettungsring an der Aare in Bern: Daniel Koch (links) und SLRG-Zentralpräsident Rudolf Schwabe.

Mit Rettungsring an der Aare in Bern: Daniel Koch (links) und SLRG-Zentralpräsident Rudolf Schwabe.

SLRG

Nach der Pension in die Anonymität abtauchen? Das ist nichts für Daniel Koch. Der ehemalige Corona-Delegierte ist gefragter Interviewpartner, Referent und mahnt die Bevölkerung via Instagram, die Hygiene- und Abstandsregeln weiterhin zu befolgen. Koch setzt sich nicht nur gegen die Ausbreitung des Coronavirus ein, sondern kämpft auch gegen Ertrinkungsunfälle. Die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) konnte «Mister Corona» als Botschafter für ihr Präventionsprojekt «Corona-Sommer 2020 – gemeinsam Ertrinken verhindern» gewinnen, wie die SLRG mitteilt. Koch übernimmt das Mandat ehrenamtlich und verzichtet auf eine finanzielle Entschädigung.

Der Coronasommer bereitet den Rettungsschwimmern grosse Sorgen, weil voraussichtlich mehr Menschen als üblich die Ferien in der Schweiz verbringen. Da die Schwimmbäder die Besucherzahlen begrenzen, dürften die Menschen sich vermehrt in offenen Gewässern vergnügen. Dort hat es keine Badeaufsichten. «Je mehr Menschen sich an, in und auf offenen Gewässern aufhalten, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit von Ertrinkungsunfällen», schreibt die SLRG.

Der Kultsatz und das Aare-Video

Dass die Lebensretter Koch als Aushängeschild für ihre Präventionskampagne erkoren haben, kommt nicht von ungefähr. Anfang Juni, am ersten Tag nach seinem Karriereende beim Bund, sorgte er mit einem bis jetzt mehr als 150'000 Mal angeklickten Instagram-Video für Furore. Er trat gleich selber den Beweis für seinen Kultsatz «Die Aare wird bebadbar sein» an und sprang samt Anzug und Krawatte ins kühle Nass.

Selbstverständlich war der Beitrag garniert mit dem Warnhinweis, nicht mit Kleidern in einen Fluss zu springen. Sorgen um «Mister Corona» musste sich niemand machen: Er trug einen Neopren-Anzug.

Koch freute sich über die Anfrage der SLRG.

Als begeisterter Aareschwimmer weiss ich, welche Freude der Aufenthalt an offenen Gewässern bieten kann

, wird er in der Medienmitteilung zitiert. Er wisse aber auch, dass man aufpassen soll. Mit dem richtigen Verhalten und einer guten Vorbereitung könne das Risiko von Ertrinkungsunfällen massgeblich reduziert werden. «Genau wie bei einer Ansteckung mit dem Coronavirus», ergänzt Koch.

Seinen ersten Einsatz als SLRG-Botschafter wird Koch am Freitag haben. Zusammen mit den Rettungsschwimmern wird er sich in einem Schreiben an die Schweizer Bevölkerung wenden im Rahmen des SLRG-Präventionsprojekts. SLRG-Zentralpräsident Rudolf Schwabe freut sich, «dass Daniel Koch nebst den Schutzmassnahmen des Bundesamtes für Gesundheit auch die Präventionsbemühungen der SLRG für einen tollen Sommer mit sicherem Wasserspass propagiert».

Die Karriere von Daniel Koch in Bildern:

Daniel Koch rückte Anfang März erstmals in den Fokus der breiten Öffentlichkeit. Schnell wird er zum "Mister Corona".
17 Bilder
Mit seiner sachlichen Art und seinen trockenen Sprüchen eroberte er seine Zuhörerinnen und Zuhörer.
Ein Farbtupfer inmitten der Tristesse. Koch sorgte mit seinen Krawatten immer wieder für Aufsehen.
Gut vorbereitet führte er durch die Medienkoneferenzen. Ab und an musste er aber doch zu seinen Notizen greifen.
Einsatz vor Ort: Daniel Koch, bei einem Besuch im "Drive-In"-Testcenter in Luzern.
Eine Szene wie aus einem Agentenfilm. Bundesrat Alain Berset (links) und Daniel Koch schreiten zur Tat.
Der alte Mann und die Medienkonferenz: Koch bereitet sich in Ruhe auf seinen Auftritt vor.
Desinfektionsmittel sind ein Muss: Immer wieder demonstrierte Koch das Händewaschen.
Die Journalisten stellen Fragen, Koch antwortet. Ein vertrautes Bild aus Zeiten der Krise im Frühling.
Die Krise nahm er stets mit Humor - immer wieder sorgte Daniel Koch für Lacher.
Nicht nur Bundesrätin Simonetta Sommaruga verneigte sich vor Daniel Koch, der die Schweiz durch die Krise führte.
Ende Mai endete mit seiner Pension eine Ära: Daniel Koch verlässt das Medienzentrum nach seiner letzten Medienkonferenz.
Trotz Pension lebt der Hype weiter. So wurde Koch im Sommer als Pappfigur im Zürcher Letzigrund aufgestellt.
Personenkult: Der Urner Peter Bissig aus Isenthal haute ein Portrait aus einem Stück Lindenbaum.
Auch im Ruhestand bleibt Koch nicht untätig: Er ist Botschafter für die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft.
Seine Meinung ist nach wie vor gefragt:Daniel Koch spricht mit Moderatorin Maria Victoria Haas zu Corona und Kommunikation, am SwissMediaForum, 6. November 2020 im Lake Side Zürich.
Auszeichnung für besonders beachtenswerte Leistungen: erhält Anfang Dezember die Arosa Humorschaufel. Im Bild mit Frank Baumann, Direktor des Arosa Humorfestivals.

Daniel Koch rückte Anfang März erstmals in den Fokus der breiten Öffentlichkeit. Schnell wird er zum "Mister Corona".

Keystone

Im Durchschnitt ertrinken jährlich in der Schweiz 45 Menschen, zu 90 Prozent passieren die Unfälle in Flüssen und Seen. Mit einem Fünfpunkteprogramm will die SLRG dafür sorgen, dass dieses Jahr keine traurige Zunahme an Todesopfern vermeldet werden muss.

  1. Die SLRG bietet Städten und Gemeinden eine gezielte Beratung an, um geeignete Präventionsmassnahmen zu ergreifen.
  2. Die Experten der SLRG erteilen Crash-Kurse in Ertrinkungsprävention. Sie berücksichtigen dabei die spezifischen Bedürfnisse der Gemeinden.
  3. Mit Präventionspatrouillen am Wasser sensibilisiert die SLRG die Menschen an Flüssen und Seen zum Thema Wassersicherheit. Zu den Zielgruppen zählen primär Eltern mit Kindern, junge Erwachsene oder Personen mit Migrationshintergrund.
  4. SLRG-Rettungsschwimmer bieten ihre Dienste als Badewachen am, im und auf dem Wasser an. Die SLRG will damit die Betreiber von Hallen- und Freibädern unterstützen und entlasten. Der Einsatz von Badewachen ist auch an öffentlichen Badeplätzen von offenen Gewässern vorgesehen.
  5. Eine nationale Informationskampagne soll schliesslich die Baderegeln in Erinnerung rufen. Sie besagen zum Beispiel, dass man kleine Kinder immer in Griffnähe beaufsichtigen soll, dass der Gang ins Wasser unter Alkohol- und Drogeneinfluss ein No Go ist oder dass man lange Strecken nie allein schwimmen soll.

Die SLRG zählt 125 Sektionen und 25'000 Mitglieder in allen Landesteilen. Die Lebensretter verrichten die Präventionsarbeit im Coronasommer unentgeltlich.