Fall Lenzlinger
Mordfall Lenzlinger: Es war kein Auftragsmord

Jahrelang hielt der Schweizer Fluchthelfer Hans Ulrich Lenzlinger die ostdeutschen Geheimdienste auf Trab. Sein Tod zählt zu den spektakulärsten Rätseln in der Kriminalgeschichte. Neue Akten sprechen nun nicht mehr von Auftragsmord durch die Stasi.

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Ein Faible für Tiere und Schönheiten: Hans Ulrich Lenzlinger mit seiner Frau Bernadette um 1975.RDB/Blick

Ein Faible für Tiere und Schönheiten: Hans Ulrich Lenzlinger mit seiner Frau Bernadette um 1975.RDB/Blick

Er war bekannt wie ein bunter Hund: Hans Ulrich Lenzlinger hielt sich in den 1970er-Jahren Raubkatzen als Haustiere, betrieb einen Erotik-Massagesalon – und verhalf DDR-Bürgern zur Flucht in den Westen. Gegen viel Geld schleuste er im Kalten Krieg Menschen durch den Eisernen Vorhang. Als Lenzlinger am 5. Februar 1979 in seinem Haus in Zürich Höngg erschossen wurde, fiel der Verdacht rasch auf die Stasi, den berüchtigten DDR-Geheimdienst.

Hans UlrichLenzlinger: Der berühmte Mordfall

Hans Ulrich Lenzlinger, der in der Zürcher Halb- und Unterwelt immer wieder für Schlagzeilen gesorgt hatte, war am Morgen des 5. Februar 1979 letztmals lebend in Zürich Höngg gesehen worden. Wenig später wurde der damals 50-Jährige im Empfangsraum seiner Fluchthelferfirma erschossen aufgefunden. Lenzlinger soll über hundert Menschen zur Flucht aus den Ostblockstaaten in den Westen verholfen haben. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden 1992 Akten des ehemaligen DDR-Staatssicherheitsdienstes (Stasi) zugänglich, worauf das Verfahren in Deutschland und auch in Zürich neu aufgerollt wurde. Aus den Stasi-Akten ging aber keine direkte Beteiligung an Lenzlingers Ermordung hervor, so dass diese Spur im Sande verlief.

Erst jetzt freigegebene Akten der Bezirksanwaltschaft Zürich, die der «Nordwestschweiz» exklusiv vorliegen, erlauben erstmals, die Minuten vor dem Mord detailliert zu rekonstruieren. Der vom Wissenschaftlichen Dienst der Stadtpolizei Zürich abgeleitete Tathergang spricht dabei gegen die These eines Profikillers im Auftrag der Stasi. (CHN)