Kraftwark Rheinfelden
Moratorium für Kraftwerk und Eisensteg

Das alte Rheinfelder Kraftwerk soll bis Ende 2014 nicht abgerissen werden. Dieses Ziel verfolgt eine Initiative, die die IG Pro Steg am Montag lanciert hat. Die Frist von fünf Jahren soll dazu genutzt werden, den Erhalt des Kraftwerkes sicherzustellen. Die IG sucht weiter nach Möglichkeiten, das Kraftwerk sinnvoll zu nutzen – jetzt auch auf europäischer Ebene.

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Aargauer Zeitung

Peter Hagemann

Mit der auf Rheinfelden (Schweiz) beschränkten Initiative soll der Rheinfelder Stadtrat dazu verpflichtet werden, so der Initiativtext, «alles in seiner Macht Stehende zu unternehmen, dass das alte Kraftwerk (Maschinenhaus und Eisensteg) bis zum 31. Dezember 2014 nicht abgerissen wird. Diese Zeit soll genutzt werden, um den Erhalt sicherzustellen.»

Für den Erhalt des Kraftwerks

Die Stadt Rheinfelden steht hinter dem Erhalt des Kraftwerkes und schätzt ebenfalls die Aktivitäten der IG Pro Steg, wie Stadtschreiber Roger Erdin gestern offiziell verlauten liess: «Die beiden Städte Rheinfelden bemühen sich seit längerer Zeit aktiv um den Erhalt des alten Kraftwerkes und den verbindenden Kraftwerksteg über den Rhein. Die Städte haben verschiedene Studien über das Entwicklungspotenzial rund um das Kraftwerk und über die Erhaltungsmöglichkeiten des alten Maschinenhauses sowie die ökologischen Begleitmassnahmen erarbeiten lassen.»
Die IG Pro Steg, der auch Mitglieder aus dem Badischen angehören, ist aus Sicht der Stadt die Institution, die durch ihre Information die Bevölkerung aktiviert und involviert und dafür sorgt, dass sich die Städte in ihren Bestrebungen «getragen» fühlen. (hn)

Ein Moratorium führe in der Regel zum Stillstand, sagte der politerfahrene Scholer mit Blick auf Schweizer moralische und politische Gepflogenheiten. Und ergänzte: «Das Kraftwerk jetzt abzureissen, wäre ein Schildbürgerstreich.» Wenn alles gut geht, soll schon an der Gemeindeversammlung vom kommenden Dezember über die Initiative abgestimmt werden.

Europäische Netzwerke

Die im Mai 2007 gegründete IG Pro Steg mit mittlerweile mehr als 200 Mitgliedern schlägt damit nun offensichtlich eine neue Richtung ein - es geht jetzt definitiv nicht mehr nur um den Erhalt des Stegs, sondern des ganzen Ensembles: Steg und Maschinenhaus. «Die Priorität der IG liegt nach vor beim Steg», sagte zwar Vorstandsmitglied Ueli Urwyler an der Medienorientierung vom Montag. Doch das scheint Makulatur geworden zu sein; gelänge nur die Erhaltung des Stegs - was faktisch eigentlich schon feststeht -, wäre das wohl gleichermassen die bittere zweite Wahl.

Neu stellt nun die IG Pro Steg ihre Anstrengungen in wachsendem Ausmass in den Zusammenhang europäischer Netzwerke, die sich zum Ziel gesetzt haben, industrielles Kulturerbe zu bewahren und umzunutzen, ausgelöst im Wesentlichen durch den Rheinfelder Arzt und Onkologen Kurt Beretta, der vor gut einem Jahr das Thema des kulturhistorischen Erbes in die Diskussion eingebracht hatte.

Das Maschinenhaus stellt weltweit einen Meilenstein in der Elektrizitätsgeschichte dar und gilt historisch als Keimzelle des heutigen europäischen Elektro-Verbundnetzes. Jetzt plant die IG, Kontakt zu entsprechenden Netzwerken aufzunehmen, im Mittelpunkt dabei zunächst die Organisation European Route of Industrial Heritage.

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