Verdacht
Mogelten Schweizer Piloten beim Englisch-Test?

Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden: Mehrere Piloten müssen noch einmal zur Sprachprüfung antraben. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt vermutet, ein deutscher Experte könnte den Betroffenen zu Unrecht Höchstnoten gegeben haben.

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Cockpit einer Lufthansa Boeing 747-200 (Symbolbild)

Cockpit einer Lufthansa Boeing 747-200 (Symbolbild)

Keystone

Es war im Dezember 2010, als der Sprachexperte einer deutschen Prüfungsstelle einem Piloten mit Schweizer Lizenz beim Englischtest die Höchstnote - Level 6 - erteilte. Wer derart gut abschliesst, ist von allen weiteren Kontrollprüfungen entbunden.

Das Topergebnis machte die Verantwortlichen beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) stutzig: Denn nur acht Tage davor hatte der Betroffene in der Schweiz bei einem vergleichbaren Test nur knapp genügend mit Level 4 abgeschlossen, was das Minimum ist, um überhaupt abheben zu dürfen.

Eine Nachfrage beim deutschen Luftfahrt-Bundesamt wenige Wochen später nährte ihren Verdacht: So hatten die Kollegen in Deutschland in der Zwischenzeit ein Verfahren gegen den fraglichen Englisch-Experten in die Wege geleitet, da er im Fall mehrerer deutscher Piloten zu Unrecht Top-Noten verteilt hatte. Der Mann durfte zu diesem Zeitpunkt keine weiteren Prüfungen mehr abnehmen.
In der Folge ermittelte das BAZL sieben weitere Schweizer Piloten, denen der deutsche Prüfer eine Level-6-Bescheinigung ausgestellt hatte und entschied, ihr Englisch-Niveau von Level 6 auf Level 4 herabzusetzen. Begründung: Wer die Sprache so gut beherrsche, könne das Topergebnis ohne nennenswerten Aufwand bei einer Wiederholungsprüfung bestätigen.

«Sehr vage Vermutungen»

Sechs der acht Herabgestuften fochten den BAZL-Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht an. Einer der Piloten - seit 27 Jahren Linienpilot bei einer Schweizer Fluggesellschaft - argumentierte, das Bundesamt stütze seine Zweifel am Prüfungsergebnis „bloss auf sehr vage Vermutungen und Fehleinschätzungen". Die Herabstufung beeinträchtige ihn zudem in seinen Karriereplänen: Ohne Level-6-Ausweis habe er keine Chance, eine Stelle als Pilot bei einer Fluggesellschaft im Fernen Osten zu bekommen.

Ende Februar schmetterten die Richter die Beschwerden der sechs Piloten ab und folgten damit der Argumentation des BAZL, das es aus Sicherheitsgründen nicht verantworten wollte, einem Piloten trotz erheblicher Zweifel beste sprachliche Fähigkeiten zu bescheinigen. Wie „Radio SRF" heute Morgen berichtete, ordnete das Gericht aber an, dass die Betroffenen für die Wiederholungsprüfung Ende August keine Gebühr bezahlen müssen. (LHN)

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