Psychologie-Studium
Module auf dem Schwarzmarkt? Studenten der Uni Zürich drehen durch – Uni-Leitung verärgert

Das Modulbuchungssystem der Universität Zürich sorgt immer wieder für Diskussionen: Überlastete Server und Platzmangel lassen die Studenten verärgert zurück. Jetzt kursieren unter Psychologie-Studenten Mails, die Kurs-Plätze gegen Geld anbieten. Scheinbar. Die Uni prüft rechtliche Schritte.

William Stern, watson.ch
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Knatsch am Psychologischen Institut der Universität Zürich – Psychologie-Studenten verfolgen eine Vorlesung. (Themenbild)

Knatsch am Psychologischen Institut der Universität Zürich – Psychologie-Studenten verfolgen eine Vorlesung. (Themenbild)

Limmattaler Zeitung

Jedes Jahr sorgt sie bei Studenten der Universität Zürich für rote Köpfe: die Modulbuchung, mit der Fächer und Kurse für das kommende Semester gewählt werden. Wegen des First-come-first-serve-Prinzips heisst es dann vor allem bei der Philosophischen Fakultät jeweils: notorisch überlastete Server, klamme Studienplätze, genervte Studenten.

Ärgernis Nummer eins: Studenten, die Module «hamstern», sich also für mehr Kurse einschreiben als nötig – und damit anderen Studenten, die den Kurs unbedingt belegen müssten, im schlimmsten Fall den Zugang zum Bachelor- oder Master-Abschluss verbauen.

Bei den Studenten des Psychologischen Instituts der Universität Zürich ist die Lage zurzeit besonders prekär. Derart prekär, dass Studenten scheinbar auf die Idee kommen, mit den begehrten Modulen Handel zu treiben. In einer E-mail, die diese Woche unter Studenten der Fakultät kursierte, bot ein «Peter Ness» mehrere Module zum Verkauf an.

«Ich habe zwar schon alle meine Wunschmodule, da es aber scheinbar noch Leute auf der Suche gibt, verkaufe ich meine ‹überschüssigen›», schreibt Ness, der mit richtigem Namen anders heisst. Ein Modul gibt es zum «Tauschpreis» von 100 Franken, fünf Module stehen zur Auswahl.

Screenshot/zvg

In einer weiteren Mail schreibt Ness, dass sich der Preis aufgrund der hohen Nachfrage auf 150 Franken pro Modul erhöht habe.

Screenshot

Das unlautere Angebot sorgt für entrüstete Reaktionen unter den Studenten. Auch der Fachverein Psychologie, auf dessen Mailingliste «Peter Ness» zurückgegriffen hatte, schaltet sich ein. In einer Mail wird der Kuhhandel verurteilt. Solches Verhalten werde vom Fachverein nicht geduldet, der betreffende Student sei dem Institut gemeldet und von der Mailingliste entfernt worden.

Screenshot

Einige Stunden nach dem ersten Mail von «Peter Ness» folgt dann die Auflösung. «Liebe Alle. Wie Ihr wahrscheinlich mitbekommen habt, habe ich mit meiner Ankündigung, meine Module zu verkaufen, einigen Wirbel ausgelöst», schreibt der Student. Er habe nie etwas Böses im Schild geführt, so Ness. Vielmehr wollte er mit der Aktion auf die «unsägliche Praxis des Modulhamsterns» hinweisen.

Rund 30 Studenten hätten sich bei ihm direkt gemeldet, sagt Ness gegenüber watson. 80 Prozent hätten die Aktion aufs Schärfste verurteilt, 10 Prozent hätten ihn angefleht, ihnen die entsprechenden Module gratis zu überlassen, und weitere 10 Prozent hätten sich bereit erklärt, ihm für die angebotenen Kurse Geld zu überweisen – «bis zu 500 Franken pro Modul».

Ness kritisiert die kafkaeske Situation, die sich mit dem First-come-first-serve-Prinzip ergebe. «Alle schreiben sich in so viele Kurse wie möglich ein, aber am Schluss hat niemand den Kurs, den er will.»

Er hoffe, die entrüsteten Studenten hätten sich auch tatsächlich bei der Institutsleitung gemeldet, sodass diese eine Änderung der Vergabepraxis in Erwägung zieht.

Uni reagiert auf Modul-Handel

Nun reagiert die Universität Zürich. Gemäss Medienbeauftragte Melanie Nyfeler verurteilt die Uni, dass "sich ein Student erdreistet, die von ihm zahlreich gehamsterten Module gegen Geld zu verkaufen".

Die Universität behalte sich vor, für Fälle von Modulhandel rechtliche Schritte einzuleiten. Es werde intern untersucht werden, ob der versuchte Handel mit Modulen von Anfang an als gefakte Aktion gedacht war, um Aufmerksamkeit zu erhaschen.
Immerhin: "Die teilweise sehr negativen Reaktionen der Studierenden auf die Verkaufsangebote sprechen für sich", sagt Nyfeler.

Uni bestätigt Hamsterbuchungen

Weiter erklärt die Mediensprecherin, dass das Phänomen der Hamster- und Parallelbuchungen am Psychologischen Institut aufgrund einer Änderung der Studienordnung in einem einzigen Bereich des Masters "akzentuiert aufgetreten" sei.

Die betroffenen Masterstudenten müssten sich neu innerhalb eines Pools von 33 Modulen für drei Module einschreiben. Dazu kämen noch die Studierenden, die durch den Studienordnungswechsel in mehreren Semestern Module nachholen müssten, dies aber gehäuft für dieses Semester täten.

Die Buchungsfrist für die Module habe am Montag begonnen. Dabei sei es in den beiden ersten Tagen tatsächlich zu Engpässen in einem Bereich des Masters gekommen. Die Modulbuchungsfrist endet am 2. Oktober.

Plätze werden immer wieder frei

Da besonders beliebte Module schnell ausgebucht sind und die Studierenden oftmals nicht genau wissen, welche Module sie genau belegen werden, schreiben sich viele sofort bei Eröffnung des Modulbuchungstools parallel in mehrere Module ein, um sich alle Varianten offen zu halten. Ab Beginn der Vorlesungszeit stornieren sie die überzähligen Buchungen und andere Studierende können die frei gewordenen Plätze belegen.

Das Psychologische Institut setzt laut Nyfeler "alles daran, den Studierenden, die nicht alle erforderlichen Modulplätze belegen konnten, frühzeitig gute Alternativen anzubieten zu können". Nicht selten würden Seminarplätze frei bleiben, weil die Studierenden, die absichtlich zu viele Module gebucht haben, diese wieder frei geben. Laut Nyfeler ist bisher noch nie vorgekommen, dass Studierende aufgrund eines nicht zu buchenden Modules das Studium verlängern mussten oder nicht abschliessen konnten.

Noch vor Abschluss der Anmeldefrist habe sich in den letzten Jahren die Lage jeweils beruhigt und alle Studierende hätten einen Modulplatz, wenn auch nicht immer den prioritär gewünschten.