Andrea Trueb

Vertreterin einer Kleinstpartei ist Susi Gut. Zurzeit bäckt Gut Kuchen – so wie es sich für eine Anwärterin aufs «Stadtmutter»-Amt gehört. Zuvor hatte sie sich mütterlich um die beiden Besitzer der Kontaktbar «Nervous» gekümmert. Der ehemalige Schwulentreffpunkt wurde – mutmasslich aufgrund eines Fehlers des Stadtzürcher Hochbaudepartements – kurz nach seiner Eröffnung im Oktober 2008 zwangsgeschlossen. Susi Gut, Gymnastiklehrerin, Vertreterin der Kleinstpartei «Partei für Zürich» (PFZ) und laut eigenen Angaben Tochter eines psychisch labilen Vaters und einer alkoholkranken Mutter ist definitiv «eine vom Volk». Nur konsequent, dass sie im Falle einer Wahl einen Teil ihres Lohns über eine Stiftung der Bevölkerung zurückgeben würde.

Unerschrocken und tatkräftig

Die 48-Jährige, die im Stadtparlament den Kreis 1 und ihren Wohnkreis 2 vertritt, nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn sie gegen die «Kuschelpädagogik», ausländische Gewalttäter oder das Kunstprojekt «Hafenkran» wettert. Unerschrockenheit und Tatkraft sind denn auch ihre hervorstechenden Eigenschaften. Und auch wenn sie wohl kaum eine Chance hat, die amtierende Akademikerin Corine Mauch vom Stadtpräsidentinnen-Thron zu stossen, hat die eigenwillige Politikerin erste politische Erfolge errungen. So gelang es ihrer PFZ («Wir sind die fleissigste Partei der Stadt») die Anschubfinanzierung des Clubs of Rome in der Höhe von 1,82 Mio. Franken mit einem Referendum an der Urne zu bodigen. Auch das mutmassliche Ende des Kunstprojekts Hafenkran kann Gut auf ihrem Konto verbuchen. Stimmte der Stadtzürcher Gemeinderat doch ihrem Antrag zu, einen Teilkredit in der Höhe von 80000 Franken zu streichen. Ob die Stadt das Projekt dennoch weiterführen will, ist zurzeit unklar. Falls ja, droht die umtriebige Kandidatin mit einer Demonstration.

Walter Angst lebt seit 30 Jahren in Zürich. Seit 2002 vertritt Angst die Alternative Liste im Gemeinderat. Zumindest teilweise parallel, nämlich von 1985 bis 2006, war der heute 48-Jährige auch bei der kommunistischen Partei der Arbeit (pda) Aktivmitglied. Seit 2006 ist er laut eigenen Angaben «nur noch Mitglied, aber nicht mehr aktiv». Von 1997 bis 2005 organisierte Angst zusammen mit dem Zürcher 1.-Mai-Komitee und den Gewerkschaften die 1.-Mai-Anlässe und ist seit zehn Jahren in der Menschenrechtsgruppe «augenauf» aktiv.

Unbequem und kämpferisch

Sein Geld verdient der zweifache Vater als Bereichsleiter Kommunikation des Kantonalen Mieterinnen- und Mieterverbands. Wohnungsbau und Stadtentwicklung liegen dem demonstrationserfahrenen Politiker denn auch am Herzen. Als unbequemer Zeitgenosse trägt ihm sein kämpferisches politisches Engagement aber dennoch den Respekt von Gemeinderatskollegen ein. Auch wenn er schon als «aufsässig» und «ungehobelt» kritisiert wurde, werden ihm seine «nötigen kritischen Fragen» zugute gehalten. Als Vertreter der Exekutive würde er sich für eine Stadt einsetzen, die «Platz für alle hat». Nicht der Umfang des Portemonnaies dürfe bestimmen, wer in Zürich wohne. Angst: «Die Linke muss mehr anecken, statt einzustecken, was Markt und Finanzplatz diktieren.»

Mit von der Partie sind im März auch die Schweizer Demokraten. Nominiert wurde der 49-jährige Walter Wobmann, um, so seine Parteikollegen, die nationale, umweltbewusste und soziale Politik der Schweizer Demokraten in der Regierung einzubringen. Grundsätzlich richtet sich sein Kampf gegen Globalisierung, «Masseneinwanderung», «Übervölkerung» und «Landschaftszerstörung». Besonders am Herzen liegen ihm Schweizer Arbeiter und Stellenlose – der gelernte Briefträger ist zurzeit selber stellenlos. Wobmann war früher einmal Mitglied der Grünen, dazwischen parteilos und 2007 schliesslich bei den SD dabei.

Als eigentliches Stadtoriginal stürzt sich Hans Ulrich Flückiger – besser bekannt unter dem Namen «Hanf-Ueli» – in den Wahlkampf. Der parteilose Sozialhilfeempfänger, der auf der offiziellen Kandidatenliste den Beruf «Landwirt» angibt, kandidierte bereits zweimal erfolglos fürs Stadtratsamt. Auch in diesem Frühling tritt der 51-Jährige wieder an – und möchte Stadtpräsident oder aber zumindest Stadtrat werden. Auf «Youtube» ruft der Hanf-Freund seine Wählerschaft dazu auf, «gemeinsam aufzustehen – gemeinsam, statt einsam». Wobei Ausländer von dieser beschworenen Gemeinsamkeit seiner Meinung nach eher auszuschliessen sind – zumindest wenn sie, wie Hanf-Ueli es beklagt, besser untergebracht werden als obdachlose Schweizer (ein Verweis auf den so genannten Hotel-Fall, wo Sozialhilfebezüger vorübergehend in einem Hotel untergebracht wurden). Selber hat er, von der Stadtpolizei vom Hardturm-Areal weggewiesen, auf einem Privatgrundstück in der Stadt Zürich einen Standplatz für seinen Wohnwagen gefunden.

Unermüdlich

Auch Marian Danowski möchte Corine Mauch als «Stapi» ablösen. In seiner Laufbahn hat sich der 58-jährige, gebürtige Pole schon um unzählige politische Ämter bemüht – ohne allerdings jemals eingesetzt worden zu sein. Mit seiner Dauerpräsenz hat er immerhin eine öffentliche Debatte über den Missbrauch von Bürgerrechten ausgelöst. Danowski, von Beruf laut eigenen Angaben «Literaturagent», solle doch endlich einmal gewählt werden, schreibt einer auf der «Facebook-Seite «Marian Danowski for President». «Dann», so der User, «gäbe er zumindest endlich Ruhe.»

Nicht weniger als das Stadtpräsidium hat sich auch Stefan Gribi von DBP (Die beste Partei) als Ziel gesetzt. Der Personalfachmann mit Jahrgang 1967 hält allerdings Wahlziele und persönliche Hintergründe noch besser versteckt als die beiden unkonventionellen Mitstreiter Danowski und Flückiger. Auch über seine Partei DBP ist nichts bekannt. Laut Auskunft der Stadtkanzlei sind Parteien nicht an eine bestimmte Form gebunden. Auch gebe es kein eigentliches Parteiregister, wo die Stadt abklären könnte, ob es die DBP formell überhaupt gibt.