Hochwasser
Mithilfe von GPS Hochwassergefahren erkennen

Im letzten Jahr wurde die Hochwasser-Gefahrenkarte Fricktal fertig gestellt und Anfang dieses Jahres der Bevölkerung präsentiert. Die Gemeinden des Möhlinbachtales arbeiten nun ein Vorprojekt aus, um die erkannten Hochwassergefahren zu bannen.

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Möhlinbach

Möhlinbach

Aargauer Zeitung

Von Lilly-Anne Brugger

Immer wieder klettert Beat Tinner die steilen Böschungen des Möhlinbaches hinunter und watet bis in die Mitte des Bachbettes. Dort stellt er sein GPS-Gerät auf den Boden und tippt etwas auf der Steuerungs-Konsole ein. Dann schaut er auf den Bildschirm und ruft Fredy Danner verschiedene Zahlenkombinationen zu, die dieser in einer leintuchgrossen Karte notiert.

Hochwasser-Gefahrenkarte

Anfang dieses Jahres wurde die Hochwasser-Gefahrenkarte Fricktal präsentiert. Sie beschreibt die Hochwassersituation von 109 Bächen im Fricktal und den 25 Gemeinden entlang dieser Bäche. Noch nicht ausgearbeitet sind Gefahrenkarten für den Rhein, den Etzgerbach, den Magdenerbach und den Violenbach. Während die Situation in den anderen Gemeinden bereits vorgestellt wurde, sind die Gefahrensituationen entlang des Möhlinbaches und die vom Kanton vorgeschlagenen Massnahmen der betroffenen Bevölkerung noch nicht detailliert vorgestellt worden. Die Gemeinden des Möhlintales haben sich entschieden die Information der Bevölkerung erst dann durchzuführen, wenn das Vorprojekt beendet ist und gesichertere Details zu den Lösungsvarianten vorliegen. (lbr)

Gleichzeitig fotografiert Willy Frei das Bachbett und die Böschung, um den Möhlinbach später am Bürotisch immer noch vor Augen zu haben. Beat Tinner, der fast bis zum Rand seiner grünen Gummistiefel im kalten Möhlinbach steht, schaut mit einem prüfenden, fast flehenden Blick zum Himmel: «Die Satelliten stehen ungünstig, ich empfange kein GPS-Signal!»

Es sind aber nicht nur die Satelliten, die ungünstig stehen, sondern auch die zahlreichen Häuser, Bäume und Gebüsche entlang des Möhlinbaches, die den Empfang des GPS-Signals verhindern. Doch gerade wegen dieser Häuser sind Beat Tinner und seine beiden Kollegen des Winterthurer Ingenieurbüros Hunziker Betatech an diesem sonnigen Frühlingstag in Möhlin unterwegs: Sie sollen Möglichkeiten finden, damit der Möhlinbach bei zukünftigen Hochwasser nicht mehr ganz so gefährlich ist und die fünf Gemeinden im Möhlintal vor weiteren Hochwassern verschont bleiben.

Gemeinsam gegen Hochwasser

Die Abteilung Bau und Umwelt Möhlin ist im Besitz des Dossiers «Gefahrenkarte Hochwasser Fricktal». Auf dem Plan «Regionale Massnahmen" sind blau der Möhlinbach und seine Zuflüsse eingezeichnet. An einigen Stellen unterbricht ein roter, halbmondförmiger Strich den blauen Flusslauf. Diese Bezeichnen die so genannten Retentionsbecken, welche der Kanton als Entwurf vorgeschlagen hat.

Ob der Bau all dieser Becken tatsächlich nötig ist, oder ob auch andere Massnahmen den Möhlinbach weniger gefährlich machen, soll nun das Vorprojekt zeigen, das Beat Tinner und seine Kollegen ausarbeiten. Roger Winter, Sektionsleiter Planung/Bau und Projektleiter Bauherr erklärt die Gemeinden des Möhlintales seien sich einig, den Hochwasserschutz gemeinsam anzupacken.

Hochwasserschutz: Retensionsbecken Eine Möglichkeit, das Hochwasser des Möhlinbaches aufzufangen, bevor es die Siedlungsgebiete erreicht, sind so genannte Retensionsbecken. Dank eines Dammes wird anstelle des bewohnten Gebietes unbewohntes Land überschwemmt. Im Vorschlag des Kantons sind entlang des Möhlinbaches drei Retensionsbecken vorgesehen. Das Vorprojekt soll nun zeigen, ob alle diese Becken benötigt werden oder ob andere Massnahmen zum Hochwasserschutz entlang des Möhlinbaches sinnvoll sind. Das Bild zeigt ein überschwemmtes Retensionsbecken bei Beromünster, das das Hochwasser der Wyna auffängt. Über den Damm führt eine Strasse. Wenn kein Hochwasser herrscht, passt sich der Damm des Beckens in die Landschaft ein. (lbr)

Hochwasserschutz: Retensionsbecken Eine Möglichkeit, das Hochwasser des Möhlinbaches aufzufangen, bevor es die Siedlungsgebiete erreicht, sind so genannte Retensionsbecken. Dank eines Dammes wird anstelle des bewohnten Gebietes unbewohntes Land überschwemmt. Im Vorschlag des Kantons sind entlang des Möhlinbaches drei Retensionsbecken vorgesehen. Das Vorprojekt soll nun zeigen, ob alle diese Becken benötigt werden oder ob andere Massnahmen zum Hochwasserschutz entlang des Möhlinbaches sinnvoll sind. Das Bild zeigt ein überschwemmtes Retensionsbecken bei Beromünster, das das Hochwasser der Wyna auffängt. Über den Damm führt eine Strasse. Wenn kein Hochwasser herrscht, passt sich der Damm des Beckens in die Landschaft ein. (lbr)

Aargauer Zeitung

Der Abwasserverband Möhlintal hat sich als übergeordnete Instanz diesem Hochwasserschutz angenommen und das Vorprojekt bei Hunziker Betatech in Auftrag gegeben. Im Rahmen dieses Vorprojekts wird unter anderem das Längsprofil des Möhlinbaches ausgemessen, geprüft, ob die Brücken genügend hoch sind und ob Verengungen im Bach eine Überflutungsgefahr bedeuten.

Mit diesen Daten kann anschliessend das bestehende Modell des Möhlintales verfeinert werden und abgelesen werden, welche Massnahmen am wirkungsvollsten gegen Hochwasser sind.

Ökologie ist wichtig

«Die Ökologie ist auch im Hochwasserschutz in den letzten Jahren immer wichtiger geworden», erklärt Willy Frei während sein Kollege Beat Tinner immer noch im Möhlinbach steht und versucht mit seinem GPS-Gerät ein Satellitensignal zu empfangen. Trotz Hochwasserschutz müsse ein Bach oder Fluss möglichst natürlich gestaltet werden, erklärt Willy Frei und weist auf Bachbett und Böschungen des Möhlinbaches, die an dieser Stelle aus Beton bestehen.

Nach Ostern beginnt der Umbau der ARA Hellikon

Nach Ostern beginnt der Umbau der ehemaligen Abwasserreinigungsanlage in Hellikon in ein Regen-Rückhaltebecken. Dieser Umbau stehe jedoch nicht im Zusammenhang mit der Hochwasser-Gefahrenkarte Fricktal und der Begehung des Möhlinbaches. Bei starkem Regen sorgen die Regen-Rückhaltebecken dafür, dass die Kanalisationen entlastet werden und nicht überlaufen. Die Hochwasser-Gefahrenkarte und das nun von den Gemeinden des Möhlinbachtales in Auftrag gegebene Vorprojekt beschäftigt sich hingegen mit den fliessenden Gewässern, beziehungsweise dem Möhlinbach. Gesucht sind Lösungen, um das vom Möhlinbach geführte Hochwasser sinnvoll und gefahrlos ableiten, beziehungsweise aufstauen zu können. So sollen Hochwasserschäden in den Siedlungsgebieten vermieden werden. (lbr)

«Im Möhlinbach sollen eines Tages wieder Lachse schwimmen», wirft Beat Tinner ein, der mit seinem mehr als zwei Meter langen GPS-Gerät wieder die Böschung hochgeklettert ist und nun neben Willy Frei steht. «Deshalb müssen wir unsere Ergebnisse auch immer wieder mit verschiedenen Fachstellen, dem Kanton und dem Naturschutz austauschen», erklärt Beat Tinner und geht einige Schritte weiter bachabwärts.

Vorprojekt ist Ende Jahr fertig

Zwei Tage haben die drei Angestellten von Hunziker Betatech für die Begehung des Möhlinbaches eingeplant. Langsam arbeiten sie sich von Möhlin, wo die meisten kritischen Stellen sind, bachaufwärts bis nach Wegenstetten. Dabei konzentrieren sie sich in erster Linie auf das Bachbett des Möhlinbaches, müssen aber auch seine Zuflüsse im Auge behalten, denn diese führen bei Hochwasser ebenfalls mehr Wasser mit.

Alle erhobenen Daten fliessen ins Vorprojekt ein, dessen Fertigstellung auf Ende Jahr geplant ist. Basierend auf den Ergebnissen des Vorprojekts ist es dann auch möglich, zu sagen, wie teuer der Hochwasserschutz entlang des Möhlinbaches die betroffenen Gemeinden zu stehen kommen wird.