Hochwasser

Mithilfe von GPS Hochwassergefahren erkennen

Während Beat Tinner die Höhe des Bachbettes ausmisst, macht Willy Frei Fotos des Baches. Die Fotos werden für die zur Visualisierung bei der Präsentation verwendet

Möhlinbach

Während Beat Tinner die Höhe des Bachbettes ausmisst, macht Willy Frei Fotos des Baches. Die Fotos werden für die zur Visualisierung bei der Präsentation verwendet

Im letzten Jahr wurde die Hochwasser-Gefahrenkarte Fricktal fertig gestellt und Anfang dieses Jahres der Bevölkerung präsentiert. Die Gemeinden des Möhlinbachtales arbeiten nun ein Vorprojekt aus, um die erkannten Hochwassergefahren zu bannen.

Von Lilly-Anne Brugger

Immer wieder klettert Beat Tinner die steilen Böschungen des Möhlinbaches hinunter und watet bis in die Mitte des Bachbettes. Dort stellt er sein GPS-Gerät auf den Boden und tippt etwas auf der Steuerungs-Konsole ein. Dann schaut er auf den Bildschirm und ruft Fredy Danner verschiedene Zahlenkombinationen zu, die dieser in einer leintuchgrossen Karte notiert.

Gleichzeitig fotografiert Willy Frei das Bachbett und die Böschung, um den Möhlinbach später am Bürotisch immer noch vor Augen zu haben. Beat Tinner, der fast bis zum Rand seiner grünen Gummistiefel im kalten Möhlinbach steht, schaut mit einem prüfenden, fast flehenden Blick zum Himmel: «Die Satelliten stehen ungünstig, ich empfange kein GPS-Signal!»

Es sind aber nicht nur die Satelliten, die ungünstig stehen, sondern auch die zahlreichen Häuser, Bäume und Gebüsche entlang des Möhlinbaches, die den Empfang des GPS-Signals verhindern. Doch gerade wegen dieser Häuser sind Beat Tinner und seine beiden Kollegen des Winterthurer Ingenieurbüros Hunziker Betatech an diesem sonnigen Frühlingstag in Möhlin unterwegs: Sie sollen Möglichkeiten finden, damit der Möhlinbach bei zukünftigen Hochwasser nicht mehr ganz so gefährlich ist und die fünf Gemeinden im Möhlintal vor weiteren Hochwassern verschont bleiben.

Gemeinsam gegen Hochwasser

Die Abteilung Bau und Umwelt Möhlin ist im Besitz des Dossiers «Gefahrenkarte Hochwasser Fricktal». Auf dem Plan «Regionale Massnahmen" sind blau der Möhlinbach und seine Zuflüsse eingezeichnet. An einigen Stellen unterbricht ein roter, halbmondförmiger Strich den blauen Flusslauf. Diese Bezeichnen die so genannten Retentionsbecken, welche der Kanton als Entwurf vorgeschlagen hat.

Ob der Bau all dieser Becken tatsächlich nötig ist, oder ob auch andere Massnahmen den Möhlinbach weniger gefährlich machen, soll nun das Vorprojekt zeigen, das Beat Tinner und seine Kollegen ausarbeiten. Roger Winter, Sektionsleiter Planung/Bau und Projektleiter Bauherr erklärt die Gemeinden des Möhlintales seien sich einig, den Hochwasserschutz gemeinsam anzupacken.

Der Abwasserverband Möhlintal hat sich als übergeordnete Instanz diesem Hochwasserschutz angenommen und das Vorprojekt bei Hunziker Betatech in Auftrag gegeben. Im Rahmen dieses Vorprojekts wird unter anderem das Längsprofil des Möhlinbaches ausgemessen, geprüft, ob die Brücken genügend hoch sind und ob Verengungen im Bach eine Überflutungsgefahr bedeuten.

Mit diesen Daten kann anschliessend das bestehende Modell des Möhlintales verfeinert werden und abgelesen werden, welche Massnahmen am wirkungsvollsten gegen Hochwasser sind.

Ökologie ist wichtig

«Die Ökologie ist auch im Hochwasserschutz in den letzten Jahren immer wichtiger geworden», erklärt Willy Frei während sein Kollege Beat Tinner immer noch im Möhlinbach steht und versucht mit seinem GPS-Gerät ein Satellitensignal zu empfangen. Trotz Hochwasserschutz müsse ein Bach oder Fluss möglichst natürlich gestaltet werden, erklärt Willy Frei und weist auf Bachbett und Böschungen des Möhlinbaches, die an dieser Stelle aus Beton bestehen.

«Im Möhlinbach sollen eines Tages wieder Lachse schwimmen», wirft Beat Tinner ein, der mit seinem mehr als zwei Meter langen GPS-Gerät wieder die Böschung hochgeklettert ist und nun neben Willy Frei steht. «Deshalb müssen wir unsere Ergebnisse auch immer wieder mit verschiedenen Fachstellen, dem Kanton und dem Naturschutz austauschen», erklärt Beat Tinner und geht einige Schritte weiter bachabwärts.

Vorprojekt ist Ende Jahr fertig

Zwei Tage haben die drei Angestellten von Hunziker Betatech für die Begehung des Möhlinbaches eingeplant. Langsam arbeiten sie sich von Möhlin, wo die meisten kritischen Stellen sind, bachaufwärts bis nach Wegenstetten. Dabei konzentrieren sie sich in erster Linie auf das Bachbett des Möhlinbaches, müssen aber auch seine Zuflüsse im Auge behalten, denn diese führen bei Hochwasser ebenfalls mehr Wasser mit.

Alle erhobenen Daten fliessen ins Vorprojekt ein, dessen Fertigstellung auf Ende Jahr geplant ist. Basierend auf den Ergebnissen des Vorprojekts ist es dann auch möglich, zu sagen, wie teuer der Hochwasserschutz entlang des Möhlinbaches die betroffenen Gemeinden zu stehen kommen wird.

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