Rücktritt

Mit Spuhlers Ausscheiden wird Blochers Clan noch stärker

Peter Spuhler und Christoph Blocher im Bundeshaus: In Wirtschaftsfragen und bei der Personenfreizügigkeit hatten die beiden gegenteilige Ansichten.

Peter Spuhler und Christoph Blocher im Bundeshaus: In Wirtschaftsfragen und bei der Personenfreizügigkeit hatten die beiden gegenteilige Ansichten.

Analyse Peter Spuhler war der charismatischste und populärste Kopf des SVP-Wirtschaftsflügels. Ohne ihn ist die Partei Christoph Blocher noch mehr ausgeliefert.

Peter Spuhler wagte 2008 den Machtkampf: Ein halbes Jahr nach Christoph Blochers Abwahl aus dem Bundesrat legte der Thurgauer Unternehmer dem Übervater den Rückzug aus der Politik nahe. Blocher reagierte wie immer, wenn ihn jemand aus den eigenen Reihen infrage stellte: geharnischt und unerbittlich. Kaltstellen konnte Blocher den erfolgreichen Unternehmer zwar nicht. Dennoch ist es seither um die vermeintliche, von Peter Spuhler angeführte Revolution ruhig geworden. «Spuhler fehlte der Mut, weiter gegen den Blocher-Kurs aufzubegehren», sagt SP-Nationalrätin Hildegard Fässler. Spuhler selbst sagte einst im Gespräch mit der «Nordwestschweiz»: «Warum soll ich an einer Delegiertenversammlung gegen Blocher antreten, um am Ende mit 480 zu 20 Stimmen zu verlieren?»

Umgänglich und fair

Spuhler hat den Ruhm, den ihm das Amt des Nationalrats verlieh, sichtlich genossen. Doch zu einer wirklich grossen Figur machte ihn sein unternehmerisches Engagement. In der Ostschweiz hat Spuhler Heldenstatus. Auch Bürger, die sonst nichts mit der SVP am Hut haben, wählen Spuhler. Die Folge: Er wurde jeweils mit dem mit Abstand besten Resultat nach Bern gewählt. Diese Popularität verdankt Spuhler aber nicht nur den wirtschaftlichen Erfolgen. Der 53-Jährige ist umgänglich, er grüsst die Leute auf der Strasse und respektiert den politischen Gegner. Häme und Spott, wie ihn Blocher und einige seiner Ziehsöhne über politische Gegner zu verbreiten wissen, sind dem Thurgauer fremd. «Spuhler ist ein sehr angenehmer Mensch, der es versteht, Brücken zu bauen», sagt denn auch SP-Politikerin Hildegard Fässler.

Spuhlers Ansehen hat der SVP genützt, obwohl er in Bern häufig durch Abwesenheit glänzte. Er verlieh der Partei wirtschafts- und finanzpolitische Glaubwürdigkeit, er festigte deren Image als Unternehmerpartei. Im Gegensatz zu den Isolationisten war Spuhler nie bereit, die bilateralen Verträge und die damit verbundene Personenfreizügigkeit mit der EU infrage zu stellen. Aus Rücksicht auf die Mehrheit der Partei und vielleicht auch aus Opportunismus verzichtete Spuhler aber darauf, dies an die grosse Glocke zu hängen.

Ein Korrektiv innerhalb der SVP

Es ist offensichtlich: Mit Peter Spuhler verliert der Wirtschaftsflügel den charismatischsten Kopf. «Uns geht ein guter Verbündeter verloren», sagt der Aargauer Nationalrat Ulrich Giezendanner. Doch der Transportunternehmer ist zuversichtlich, dass andere in die Bresche springen und die wirtschaftsliberale Fahne weiter hochhalten werden. Giezendanner setzt seine Hoffnungen etwa auf den jungen Zuger Nationalrat Thomas Aeschi oder auf Unternehmer wie Hansruedi Wandfluh. Auch Lukas Reimann, ein anderer Querdenker, ist optimistisch: «Die SVP bleibt auch ohne Peter Spuhler eine wirtschaftsliberale bis libertäre Partei.»

Die SVP will Spuhler in wirtschafts- und steuerpolitischen Fragen weiterhin konsultieren. Ob sie ihm zuhört, wenn es um die Ausdehnung der Personenfreizügigkeit auf Kroatien oder die Masseneinwanderungs-Initiative geht, bleibt abzuwarten. «Spuhler war innerhalb der SVP ein Korrektiv», sagt CVP-Nationalrat Gerhard Pfister. Dieses Korrektiv fehlt nun. Blocher, so die Einschätzung zahlreicher Parteimitglieder, werde die SVP jetzt noch mehr dominieren.

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