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Mit Rückbau stark im Rückstand

Die Sondermülldeponie Kölliken hat bisher 114 500 Tonnen oder rund 20 Prozent entsorgt. Die verstärkten Vorschriften zur Sicherheit haben Konsequenzen. Statt 500 Tonnen graben die Bagger pro Tag nur 250 bis 450 Tonnen aus. Fazit: Ohne Beschleunigung der Hauptetappe dauert die Sanierung mindestens ein Jahr länger.

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Aargauer Zeitung

Hans Lüthi

Keine Ferienstimmung in den riesigen Hallen der Sondermülldeponie Kölliken (SMDK), im Gegenteil: Baggerfahrer an der Abbaufront, Probenehmer und Verpacker der Abfälle befinden sich im Endspurt. «Wir haben noch für drei Wochen Material aus der Deponie, dann ist die erste Etappen zu Ende», sagt Geschäftsführer Jean-Louis Tardent.

Eine neue Herausforderung bringt die Reinigung des Geländes unter der Deponie, «denn wir wissen nicht, ob der feste Boden 10 Zentimeter, 1 oder 2 Meter tief verseucht ist». Mit Schlitzen wird diese Frage geklärt und der Untergrund auf den 5000 Quadratmetern abgebaut und entsorgt. Für den Bau der Triagehalle von November 2009 bis gegen Mitte 2010 steht der Rückbau still.

Konsequenzen aus Pilotetappe

Für die Konsortialen, die Geschäftsleitung und die Projektleitung war immer klar, dass Probleme beim weltweit einmaligen Rückbau einer solchen Deponie auftreten würden. Rückblende auf Mitte 2008: Kölliken steht in aller Munde und im Fokus des nationalen Medieninteresses. Der dritte und heftigste Brand hat die Arbeiten jäh gestoppt, vorerst für Tage, dann für Wochen, schliesslich für 7 Monate. Gestützt auf ein stark verschärftes Sicherheitskonzept läuft die Sanierung seit Januar wieder. Aktuelle Zwischenbilanz: Zu den 72 000 Tonnen bis Ende 2008 kommen 42 500 Tonnen dazu. «Die 114 500 Tonnen entsprechen rund 20 Prozent des Gesamtvolumens», rechnet Tardent vor.

Tagesleistung unter 500 Tonnen

Bereits illusorisch ist der ursprünglich geplante Schlusstermin von Ende 2012, denn mit einem langen Stillstand hat ja niemand gerechnet. Jetzt kommt eine neue Erkenntnis dazu, welche die Terminplanung stark belastet. Statt der bei drei bis dreieinhalb Jahren Hauptrückbau nötigen Tagesleistung von 500 Tonnen konnten täglich nur 250 bis 450 Tonnen zur Entsorgung geschickt werden.

Daraus ergibt sich zwingend diese Erkenntnis: Entweder dauert der Rückbau ein bis anderthalb Jahre länger oder er muss stark beschleunigt werden. Die zuständige Arge Phönix muss dem Konsortium Vorschläge unterbreiten, wie sie die Leistung zu erhöhen gedenkt. Theoretisch gibt es die Varianten, mit zusätzlichen Maschinen an mehreren Abbaufronten zu arbeiten oder eine zweite Schicht einzuführen. «Aus Rücksicht auf die Anwohner läuft der Rückbau jetzt in einer Schicht von 7 bis 17 Uhr», betont Jean-Louis Tardent.

Trübe Sicht bei hohen Temperaturen

Grossen Einfluss auf die Tagesleistung haben auch die Hitze und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Bei Temperaturen von gegen 30 Grad ist es in der Riesenhalle einige Grad heisser. Das stört die Baggerfahrer in ihren klimatisierten Kabinen nicht, die «Fussgänger» in ihren dicken Schutzanzügen umso mehr. Die Sicht verschlechtert sich an solchen Tagen durch Dämpfe aus Lösungsmitteln und Staub manchmal so stark, «dass wir den Betrieb auch schon vorzeitig einstellen mussten». Bei einer Sicht unter 50 Metern sieht man die Abbaufront nicht mehr. Weil viele Einflüsse zur Lufttrübung führen, lässt sich die Lösung nicht einfach aus dem Hut zaubern.

Kosten von über 445 Millionen

Im Bericht per Ende 2008 ist noch von einer komfortablen Reserve von 24 Millionen Franken die Rede, aber das ist bereits überholt. Die Chemie des rückgebauten Materials zeigt tendenziell eine Verschiebung zu teureren Entsorgungsanlagen, wie Untertagedeponien oder Sondermüllverbrennungen. «Eine genauere Kostenprognose ist frühestens Ende Jahr nach Abschluss der ersten Etappe möglich», erklärt Tardent. Wegen der Finanzen hat der Geschäftsführer keine schlaflosen Nächte. Die über 100 Millionen Franken aus dem Vasa-Fonds des Bundes (für die Sanierung von Altlasten) bilden ein Polster, das noch einige Überraschungen abdecken kann.

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