Mit Rime will die SVP angreifen

SVP-Fraktionschef Caspar Baader und sein Vize Jean-Francois Rime, von links, geben im Namen der SVP eine Bundesratskandidatur fuer die zwei frei werdenden Sitze der Bundesraete Moritz Leunenberger und Hans-Rudolf Merz am Montag, 16. August 2010 im Bundeshaus in Bern bekannt. Namentlich ist noch offen wer genau kandidiert. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Mit Rime will die SVP angreifen

SVP-Fraktionschef Caspar Baader und sein Vize Jean-Francois Rime, von links, geben im Namen der SVP eine Bundesratskandidatur fuer die zwei frei werdenden Sitze der Bundesraete Moritz Leunenberger und Hans-Rudolf Merz am Montag, 16. August 2010 im Bundeshaus in Bern bekannt. Namentlich ist noch offen wer genau kandidiert. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Auch diesmal steigt der Nationalrat Jean-François Rime für die SVP ins Rennen um einen Bundesratssitz. Mit dem im Ton gemässigten Freiburger greift die SVP die SP und die FDP an.

Tobias Gafafer

Für SVP-Nationalrat Jean-François Rime gilt es ernst. Bereits bei der Ersatzwahl von Bundesrat Pascal Couchepin hielt sich der Freiburger bereit. Nun soll er als einziger Kampfkandidat den zweiten SVP-Bundesratssitz erobern. Das hat die SVP-Leitung entschieden, wie Parteipräsident Toni Brunner gestern Abend vor den Medien sagte. Die Nomination durch die Fraktion am Freitag gilt als Formsache. Der erfolgreiche und führungserfahrene Unternehmer sei über die Parteigrenzen hinaus respektiert, sagte Brunner. Als perfekt deutschsprachiger Bilingue sei Rime ideal.

Rime: «Kein Hardliner»

Ein Romand steht zwar weder bei der Ersatzwahl von Moritz Leuenberger noch bei jener von Hans-Rudolf Merz im Vordergrund. Wie die Parteien mit zwei Bundesräten unterstreicht die SVP mit Rimes Kandidatur aber ihre Bereitschaft, neben dem Deutschschweizer Ueli Maurer einen Romand in den Bundesrat zu schicken. Der Freiburger führt ein Holzunternehmen mit rund 100 Mitarbeitern in Bulle und ist Präsident des Verbands der Schweizer Holzindustrie. Er sitzt seit 2003 für die SVP im Nationalrat und politisierte früher in den Reihen der FDP. Profiliert hat er sich primär mit wirtschaftspolitischen Vorstössen.

Obwohl im Parlament meist auf Parteilinie, zählt sich Rime nicht zu den Hardlinern – der Freiburger gilt vor allem im Ton als gemässigt. Diese beiden Faktoren sollen ihn in den Au- gen den SVP-Strategen auch für die Mitteparteien wählbar machen. Mit Rime greift die Volkspartei sowohl einen Sitz der SP als auch einen der FDP an.

Brunner zeigte sich nach Gesprächen mit den anderen Parteien zuversichtlich, räumte aber ein, dass Rimes Wahlchancen gering seien. Im Visier hat die SVP neben den Grünen die CVP. Diese steht vor dem Dilemma, bei der Wahl eines FDP-Bundesrats ihren Anspruch auf einen zweiten Sitz womöglich auf Jahre hinaus vertagen zu müssen. Mit der Unterstützung von Rime würde sie anderseits einen ihrer wichtigsten Partner brüskieren. Die CVP will am Freitag entscheiden, ob sie neben SP- und FDP-Kandidaten auch Rime anhört.

Die SVP dürfte aber ohnehin bereits an die Wahlen 2011 denken. Sie hat Rime auch im Hinblick auf die Gesamterneuerungswahlen des Bundesrats lanciert. Mit dem Freiburger könnte die SVP den Sitz von Micheline Calmy-Rey angreifen. Anderseits ebnet sie mit seiner Kandidatur den Weg für den Wahlkampf in der Westschweiz, wo sie noch zulegen kann. Wird der Freiburger nicht gewählt, könnte sich die SVP in der Opferrolle inszenieren.

Fünf Fähige bleiben unbekannt

Dass die SVP einzig mit Rime antritt, begründete Toni Brunner mit der Kampfkandidatur. Noch am Freitag hatte es anders getönt: Die SVP prahlte, ihr ständen fünf «fähige Persönlichkeiten» für die Wahlen zur Verfügung. Die Papabili aus der ersten Reihe wie der Thurgauer Nationalrat Peter Spuhler hatten sich aber schon früh aus dem Rennen genommen.

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