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Mit Regenwasser das WC spülen

«Wasser ist unser Lebenselixier», sagt FDP-Mitglied Daniel Schneider. Er will, dass die Gemeinde Muttenz Regenwasser-Nutzungs-Anlagen subventioniert. Doch der Gemeinderat blockt ab.

Muriel Mercier

Den Rasen bewässern, das WC spülen, die Waschmaschine laufen lassen - das alles benötigt viel Wasser. Kostbares Trinkwasser. Das muss nicht sein, sagt sich Daniel Schneider. Schliesslich fällt in der Schweiz regelmässig Regen vom Himmel, den man anstelle des Trinkwassers fürs Blumen giessen oder Wäsche waschen benutzen könnte. Er stellt deshalb einen Antrag an den Gemeinderat, in dem er Subventionsbeiträge für Regenwasser-Nutzungs-Anlagen fordert.

Doch dieser erklärt den Antrag als «nicht geeignet». Schneider ist enttäuscht, schliesslich habe Muttenz nicht wenig Probleme mit dem Trinkwasser. Zudem: «Heute werden überall Energie sparende Massnahmen mit Förderbeiträgen unterstützt. Sei es bei der Isolation oder bei Sonnenkollektoren. Im Bereich Wassersparen fehlen solche Anreize.»

Der Muttenzer Gemeinderat Kurt Kobi (SP) weiss wieso und rechnet vor: «Eine Regenwasser-Nutzungs-Anlage in eine Liegenschaft einzubauen kostet zwischen 15 000 und 20 000 Franken.» In Muttenz sei das Trinkwasser mit 80 Rappen pro Kubikmeter (1000 Liter) sehr billig. «Eine Anlage lohnt sich nicht, denn die Gemeinde müsste rund 5000 Franken pro Kessel übernehmen.» Grundsätzlich begrüsst der gesamte Gemeinderat aber Schneiders Vorschlag: «Ich habe mir auch schon überlegt, in meiner Liegenschaft eine solche Anlage zu installieren», gibt Kobi zu.

Schneider ist bewusst, dass Regenwasser-Sammelbecken nicht kostendeckend sind. Aus eigener Erfahrung: «In unserer Siedlung haben wir für 150 Häuser zwei Sammelbecken gebaut.» Kurzfristig lohne sich die Anlage finanziell nicht. Aber: «Man baut eine solche Anlage aus ökologischen Überlegungen.» Schneider sieht noch weitere Vorteile, die Förderbeiträge an Regenwasser-Sammelbecken mit sich bringen. «Das Gewerbe leidet immer mehr unter der Finanzkrise.» In Muttenz sind unter anderem Gartenbauer und Sanitärinstallateure davon betroffen. «Mit der Förderung von Regenwasser-Sammelanlagen und den dazu notwendigen Installationen könnten auch Gewerbe-, Handels- und Industriebetriebe von Muttenz profitieren», schreibt er in seinem Antrag.

Zudem weiss der Initiant, dass in der Oberbaselbieter Gemeinde Arboldswil die Anlagen ein voller Erfolg sind. Was Gemeindepräsident Rolf Neukom und Martin Schweizer, Verantwortlicher für die Wasserversorgung, bestätigen. Denn: In Arboldswil haben zwölf private Liegenschaftsbesitzer Regenwasser-Nutzungsanlagen. Seit 2007 erhalten die Einwohner rund 3000 Franken Subvention beim Einbau einer Anlage.

Schweizer selbst verfügt über einen Sechs- Kubikmeter-Tank. «Wenn es nicht regnet können wir bis zu sechs Wochen ohne Wasser vom Gemeinde-Leitungsnetz auskommen.» Ihm ist jedoch klar, dass der hohe Wasserpreis in Arboldswil ein ausschlaggebender Punkt ist, warum die Leute an Anlagen interessiert sind. «Wir bezahlen pro Kubikmeter Wasser sechs Franken, weil wir keine eigenen Quellen haben. Wir pumpen das Wasser aus dem Waldenburgertal zu uns.»

Für den Muttenzer Gemeinderat Kobi hat punkto Wasser eine andere als Schneiders Massnahme Vorrang: die Leitungen in der Gemeinde müssen kontrolliert und repariert werden. «Momentan haben wir einen Wasserverlust von 340 000 Kubikmeter im Jahr. Diese Menge wollen wir nun halbieren.» Das entscheidende Argument des Gemeinderates gegen ein Regenwasser-Sammelbecken: «Von einem dichten Leitungsnetz haben alle Wasserverbraucher etwas.»

Doch die Sache ist noch lange nicht entschieden: Das letzte Wort spricht die Bevölkerung an der Gemeindeversammlung Mitte Oktober. Schneider ist überzeugt: «Von Regenwasser-Nutzungs-Anlagen profitieren Gewerbe, Ökologie und die Nutzer.»

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