1 Weshalb wird über den Bau eines zweiten Tunnels diskutiert?

Der Gotthard-Strassentunnel muss zwischen 2020 und 2025 umfassend erneuert werden. Arbeiten an der Decke, dem Gewölbe und dem Strassenbelag sind nötig. Wie das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) schreibt, könne sonst die Funktionstüchtigkeit und Sicherheit nicht mehr vollumfänglich gewährleistet werden. Für die Bauarbeiten ist eine Vollsperrung des Tunnels nötig. Mit der zweiten Röhre könnte die wichtige Nord-Süd-Verbindung aufrechterhalten werden.

2 Wie sieht der Fahrplan des Bundesrats aus?

Der Bundesrat schlägt vor, bis 2027 eine zweite Röhre zu bauen. Danach soll der bestehende Tunnel während dreier Jahre totalsaniert werden. Dieser müsste einmalig für die Hauptarbeiten in einem Jahr für 140 Tage – 50 im Frühling und 90 im Herbst – gesperrt werden. Die Kosten belaufen sich auf 2,8 Milliarden Franken.

3 Gibt es keine Alternativen?

Der Bundesrat hat drei Varianten geprüft, die eine Sanierung ohne zweite Röhre vorsehen. Je nachdem, ob und für wie lange der Tunnel im Sommer gesperrt werden würde, ergeben sich unterschiedliche Sanierungszeiten und -kosten. Eine durchgehende Sperrung über 900 Tage hätte die tiefsten Kosten (1,2 bis 1,5 Milliarden Franken) und eine fünfjährige Sanierung zur Folge. Eine Sperrung von 980 Tagen innerhalb von dreieinhalb Jahren würde eine Sanierung von sechs Jahren (2019 bis 2025) bedeuten und Kosten von 1,4 bis knapp 1,7 Milliarden Franken verursachen. Sieben Jahre lang würde die Sanierung dauern, wenn der Tunnel innerhalb dieser Zeit 1050 Tage gesperrt würde. Die Gesamtkosten würden sich auf 1,8 bis knapp 2 Milliarden Franken belaufen.

4 Wieso hat sich der Bundesrat für die teuerste Variante entschieden?

Die Alternativen machen einen Bahnverlad für den Personen- und Lastwagenverkehr nötig. Die Kosten einer sogenannten Rollenden Landstrasse (RoLa) würden sich laut Studien des Bundes zwischen 0,6 und einer Milliarde Franken bewegen. Angedacht wäre eine Kurz-RoLa zwischen Uri und dem Tessin. Die Anlagen müssten nach Abschluss der Sanierung jedoch wieder abgebrochen werden, weil die beiden Kantone einen dauerhaften Betrieb auf ihrem Boden ausschliessen.

5 Wäre der Gotthard nach der Sanierung vierspurig befahrbar?

Das befürchten die Gegner. Sie argumentieren, dass nach der Sanierung zwangsläufig Forderungen – sowohl im Inland wie von der EU – nach einer vollständigen Öffnung der zwei Tunnelröhren gestellt werden. Der Bundesrat stellt sich gegen eine Kapazitätsausweitung. Er möchte im Bundesgesetz über den Strassentransitverkehr im Alpengebiet verankern, dass je nur eine Fahrspur pro Richtung offen sein darf. Damit bleibe der Alpenschutz gewährt. Dass dieses Gesetz ewig gilt, bezweifeln die Gegner jedoch.

6 Was hat die vorberatende Verkehrskommission entschieden?

Mit 7:6 Stimmen hat die ständerätliche Verkehrskommission der Bundesratsvorlage zugestimmt. Wie der Bundesrat verweist sie darauf, dass mit dem Bau der zweiten Röhre die Anbindung des Tessins während der Sanierung gewährleistet wäre. Zudem würde die Sicherheit erhöhte, weil die Tunnels einspurig geführt würden. Künftige Sanierungsarbeiten – in 40 Jahren – könnten erneut ohne Vollsperrung auskommen. Finanziell sei die Bundesratslösung die «langfristig sinnvollste».