Juso-Spatzen
Mit Kanonen auf die Juso-Spatzen

Die Untersuchung zur Hausbesetzung im Bäderquartier in Baden kostete viel, brachte nichts und stellt sich als Farce heraus.

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Baden Hausbesetzung

Baden Hausbesetzung

Schweiz am Sonntag

Roman Huber

Über 100 Personen kamen in jener Nacht im Januar 2009, als Juso-Mitglieder zur Hausbesetzungsparty gerufen hatten. Die Juso wollte ein Zeichen setzen gegen die Wohnungsnot in Baden, in einem Gebäude, dass die früheren Besitzer der Verenahof AG jahrzehntelang vergammeln liessen. Doch es kamen auch Vandalen, die im Hotel Verenahof mit Farbe Wände und Säulen verschmierten. 32 Personen wurden namentlich eruiert, vom Untersuchungsbeamten einvernommen, als ginge es um ein Kapitalverbrechen.

Bei der Ermittlung gelang es der Polizei nicht, die Schmierfinken ausfindig zu machen - sie sind längst bekannt, was die Untersuchungsbeamten offenbar nicht mehr interessiert. Es scheint auch beim Bezirksamt kein Bedürfnis vorhanden zu sein, diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die den Schaden von 3000 Franken verursacht hatten.

Zur Sache - Hausbesetzung

Am 24. Januar 2009 veranstalteten Juso- Mitglieder eine Hausbesetzungsparty in der seit Jahren leer stehenden Dépendance Ochsen. 32 Personen warten nun auf das definitive Strafurteil.

Dafür ist die politische Motivation vorhanden, mit den amtlichen Kanonen auf die Juso-Spatzen zu schiessen, wobei das bzw. der Pulver hierfür der Steuerzahler zu berappen hat. Immerhin: Eine im Vergleich mit andern Delikten unverhältnismässig hohe Busse von 300 Franken werden mutmasslich die 32 Besetzerinnen und Besetzer gemäss Ankündigung des Bezirksamts beisteuern.

Für alle gilt der gleiche Bussenbetrag: für die Drahtzieher der Aktion wie für die andern, die für die Party hergekommen waren. Zur Hausbesetzung benötigte es auch kein gewaltsames Eindringen in die Dépendance Ochsen. Wohl hatten die Juso-Leute Werkzeug dabei. Dieses brauchten sie nämlich nicht, denn die Tür war nicht verschlossen.

Die Farce reicht noch weiter: Zu den Gebüssten gehört auch die Journalistin, die von der Aargauer Zeitung mit der Berichterstattung beauftragt wurde. Sie hatte man über eine Stunde lang einvernommen und dabei gemäss Protokoll sogar gefragt, wieweit ihr Auftraggeber (in der Person des Schreibenden) in die Organisation der Hausbesetzung involviert gewesen sei!

Die Juso-Mitglieder haben in der Zwischenzeit eine Fristerstreckung für die Akteneinsicht beantragt, nachdem das Bezirksamt hierfür gerade mal sieben Tage gewährte. Man wäre auch sofort bereit, den von Dritten verursachten Schaden zu bezahlen, wenn Busse und Strafe fallen gelassen würden und die Anzeige rückgängig gemacht werde. Doch vorderhand dürfte sich das kuriose Verfahren noch in die Länge ziehen.