Personenverkehr

Mit Kampfpreisen gegen die SBB: Fernbusunternehmen Domo darf drei Fernbuslinien betreiben

Auf den Domo-Fernbussen wird auch das Halbtax und das GA gültig sein. (Archivbild)

Auf den Domo-Fernbussen wird auch das Halbtax und das GA gültig sein. (Archivbild)

Das Unternehmen Domo hat vom Bundesamt für Verkehr drei nationale Fernbus-Konzessionen erhalten. Ab dem 25. März fahren die ersten Busse auf den Linien zwischen St. Gallen und Genf Flughafen, Zürich Flughafen und Lugano sowie Chur und Sitten.

Die SBB erhalten Konkurrenz. Die Domo Swiss Express AG erhält eine Konzession für drei Fernbuslinien in der Schweiz. Dies teilte das Bundesamt für Verkehr (BAV) am Montag mit. Domo wird ab Ende März drei Strecken anbieten: von St. Gallen via Zürich an den Genfer Flughafen, von Basel nach Lugano und von Chur via Zürich nach Sitten. Die Konzession ist vorerst befristet auf drei Jahre. Es ist das erste Mal, dass ein Busunternehmen eine Konzession für eine Fernverkehrslinie erhält. Bis jetzt hatten die SBB das Monopol im Fernverkehr.

Auf den Strecken von Domo werden das Generalabo und das Halbtax gültig sein. Die Preise sind einfach: «Wir sind generell halb so teuer wie die SBB», sagte Patrick Angehrn, Chef von Domo Swiss Express, an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz in der Domo-Busgarage in Neuhaus SG. Die Strecke Zürich–Bern zum Beispiel kostet Fr. 11.50 in der 2. Klasse. Pro Bus stehen 49 Plätze in der 2. Klasse und 10 Plätze in der 1. Klasse zur Verfügung. Jeder Bus hat ein rollstuhlgängiges WC – in einem Doppelstockbus angeblich eine «Weltpremiere». Billette gibts über die Website von Domo, bei den SBB am Schalter oder am Billettautomaten. Am Automaten wählt man wie üblich Start- und Zielort, unter Wegstrecken wird dann als eine der Möglichkeiten der Domo-Fernbus angeboten. Auch im SBB-Onlinefahrplan sollen die Kurse ersichtlich sein.

Start ist am 25. März. Zuerst wird pro Strecke täglich eine Hin- und Rückfahrt angeboten. Ab dem 10. Juni verdoppelt sich das Angebot auf zwei Fahrten pro Richtung. In Rothrist kreuzen sich alle Linien, dort besteht Anschluss auf andere Strecken. Die Preise machen nicht exakt die Hälfte des SBB-Billetts aus, denn Basis sind sogenannte Tarifkilometer. Damit wirkt sich die unterschiedliche Länge von Bahn- und Busroute auf den Preis aus.

Eurobus und Flixbus wollen auch

Neben Domo hegen auch andere Busunternehmen Pläne für ein Fernbusnetz in der Schweiz. Im Dezember stellte Eurobus beim BAV einen Antrag für eine Konzession. Auch Flixbus plant einen entsprechenden Vorstoss in die Schweiz. Flixbus-Sprecher David Krebs bekräftigte, das Unternehmen stufe die Schweiz als interessanten Markt ein. Ein Schweizer Partner, mit dem man die Pläne konkretisieren kann, ist jedoch noch nicht gefunden.

Die Konzession für Domo ist auf drei Jahre begrenzt. Das ist speziell: Konzessionen im Fernverkehr laufen sonst zehn Jahre. Man wolle zuerst Erfahrungen sammeln und habe die Dauer deshalb begrenzt, sagt ein BAV-Sprecher auf Nachfrage der «Nordwestschweiz». Domo selbst beantragte zehn Jahre. Keinen Zusammenhang habe die Begrenzung mit der offenen Vergabe für Fernverkehrslinien im Zugverkehr, sagt der BAV-Sprecher.

Dort droht den SBB noch mehr Konkurrenz. Denn noch läuft der Streit zwischen BLS und SBB über die Vergabe der Fernverkehrslinien auf den Schienen. Seit 2004 haben nur noch die SBB die Konzession für Fernverkehrslinien. Dies will die BLS ändern und Ende 2019 auf fünf Strecken in den Fernverkehr einsteigen. Den SBB passt das gar nicht, deshalb haben die Bundesbahnen vorsorglich mit einer Klage gedroht, sollte das BAV tatsächlich der BLS die Konzession geben.

Für die BLS ändere sich mit dem Markteintritt von Domo nichts in Bezug auf die selber beantragte Fernverkehrskonzession, sagte BLS-Sprecher Stefan Dauner auf Anfrage. Bis Mitte 2018 will das Bundesamt entscheiden, ob die SBB weiterhin das Monopol im Fernverkehr auf den Schienen haben. Eigentlich hätte das bereits im letzten Jahr passieren sollen. Doch hat sich das BAV mehr Zeit ausbedungen und prüft nun die beiden Eingaben von SBB und BLS.

VCS kritisiert Vergabe scharf

Kritik an der Vergabe übt der VCS. Die erteilten Konzessionen seien eine unfaire, unökologische und unsinnige Konkurrenz für den öffentlichen Verkehr. Fernbus-Betreiber würden sich die rentablen Bahnstrecken herauspicken. Die Gewinne, die den SBB entgehen, würden die Steuerzahlenden ausgleichen müssen, schreibt der VCS auf Anfrage der «Nordwestschweiz». Für das Klima sei der Zug deutlich besser als der Fernbus: «Wir fördern die Eisenbahn in der Schweiz gerade auch der Umwelt zuliebe sehr stark, denn sie ist das ökologischste Massentransportmittel überhaupt», sagt VCS-Präsidentin Evi Allemann. Den öffentlichen Verkehr parallel und doppelt zu führen, sei unsinnig. Kritik an dem Entscheid gibts auch vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund und von der Gewerkschaft des Verkehrspersonals.

Im Oktober 2017 hat der Bundesrat in einem Bericht verlauten lassen, dass Fernbusse eine sinnvolle Ergänzung zum heutigen öffentlichen Verkehr seien. Schon damals widersprachen die SBB vehement. Im gut ausgebauten öV-System der Schweiz böten parallele Fernbus-Angebote keinen echten Mehrwert, hiess es damals in einer Medienmitteilung. «Wenn ein Anbieter Rosinen herauspickt, indem nur profitable Leistungen und für gewisse Linien Billigstpreise angeboten werden, wird am Prinzip der Solidarität der Tarifsysteme gerüttelt», hiess es weiter. An der Haltung der SBB habe sich seither nichts geändert, sagt SBB-Sprecher Christian Ginsig.

Domo: «Keine Rosinenpickerei»

Der Domo-Chef widerspricht dem Vorwurf. «Wollten wir Rosinenpickerei betreiben, so würden wir einfach 20 Mal pro Tag die Strecke Zürich–Bern fahren», sagt Angehrn. Er sieht den Fernbus als sinnvolle Ergänzung für Passagiere, die bereit sind, für einen günstigeren Preis eine etwas längere Fahrzeit in Kauf zu nehmen. Domo-Buschauffeure erhielten zudem die gleichen Löhne wie Postautochauffeure.

Die BLS sehen das ähnlich. Fernbusse könnten eine sinnvolle Ergänzung des bestehenden öV-Angebotes darstellen, sagt Mediensprecher Stefan Dauner. «Für uns ist jedoch wichtig, dass neue Fernbusangebote derselben Regulation unterliegen wie das bestehende öV-Angebot und möglichst nahtlos in das bestehende System eingebunden werden», sagt Dauner.

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