Es ist ein eindrückliches und farbenfrohes Bild, wenn sich die ‹Mamans volontaires›, die freiwilligen Mütter, zu ihrer vierteljährlichen Versammlung im Bureau Social in Gitarama treffen. Rund 30 Frauen aus dem ganzen Bezirk Muhanga kommen zusammen, um über ihre Arbeit zu berichten und sich gegenseitig auszutauschen. 

Es sind engagierte und starke Frauen und der Einsatz, den sie auf freiwilliger und ehrenamtlicher Basis leisten, ist bewundernswert. Jede der Frauen kümmert sich in ihrem Dorf um eine oder zwei Waisenfamilien oder um Kinder, deren Eltern sich aus gesundheitlichen oder anderen Gründen nicht um sie kümmern können. Die «Mamans volontaires» sind auch während den Mittagessen anwesend, welche den Kindern dreimal pro Woche von unserer Stiftung angeboten werden. Sie verteilen das Essen, helfen den Kleinsten beim Essen und sind Ansprechperson für alle Probleme der Kinder.

Diese Probleme sind auch an der Versammlung das zentrale Thema: Konflikte in den Familien, Abbruch des Schulbesuchs der älteren Kinder, da sie sich um die Kleineren kümmern müssen, Fehlendes in den Waisenfamilien, Nahrung, Kleider, ein Dach über dem Kopf, dies alles kommt zur Sprache. Und die Zahl der Waisen ist nach wie vor hoch.

Störer: Ruanda Sammelaktion 2015

Eltern für Waisenkinder

Am Nachmittag darf ich Bernadette, eine der Mütter, zu «ihrer» Familie begleiten. Die Waisenfamilie besteht aus vier Kindern zwischen 2 und 15 Jahren. Die Älteste ist nicht da. Sie arbeitet beim Nachbarn auf dem Feld, um wenigstens etwas Geld zu verdienen. Die Kleineren sind sich selbst überlassen, und man spürt die Freude über den Besuch ihrer «Maman».

Plötzlich tauchen zwei weitere Kleinkinder auf. Es sind die Kinder der Nachbarin, welche geistig krank ist und sich nicht um ihre Kinder kümmern kann. Auch für sie ist Bernadette die einzige erwachsene Bezugsperson, zu der sie Vertrauen haben und die sich um sie kümmert.

Am nächsten Tag besuche ich das Mittagessen der Waisenkinder in der von der Stiftung finanzierten Kantine. Hier sorgen drei Mütter dafür, dass jedes Kind einen vollen Teller erhält. Trotz der grossen Schar von über 50 Kindern geht es sehr geordnet und ruhig zu. Die natürliche Autorität der Mütter wird auch von den älteren Kindern respektiert, es herrscht eine familiäre Atmosphäre.

Nach dem Essen bedanken sich die Mütter bei mir sehr herzlich über die Hilfe aus der Schweiz. «Durch eure Hilfe können wir den Kindern nun wirklich helfen. Ihr sorgt dafür, dass sie dreimal ein reichhaltiges Essen erhalten, Kleider bekommen, eine Matratze zum Schlafen und dass ihnen das Schulgeld bezahlt wird. Wir hier und eure Hilfe aus der Schweiz: Zusammen sind wir für die Kinder wirklich wie Eltern.»

Zum Abschied erhalte ich zum Dank einen Korb mit Gemüse und einen grossen Strunk mit Bananen. Die Schweiz sei ja so weit weg; da benötige ich sicher etwas Wegproviant...

Der Einsatz der «Mamans volontaires» war eine der eindrücklichen Erfahrungen anlässlich des letzten Besuchs. Dass Mütter sich so engagiert auch für fremde Kinder einsetzen und dies Tag für Tag, ist bewundernswert. Auch ist es ein gutes Beispiel für das Ziel, das wir mit all unseren Aktivitäten in Ruanda erreichen möchten, nämlich Hilfe zur Selbsthilfe. Und dass die lokale Bevölkerung selber aktiv wird, um die Armut zu bekämpfen, und nicht nur passiv auf Hilfe wartet.

Viehverteilungen ausgedehnt

Auch alle anderen Projekte der Stiftung werden sehr geschätzt. Durch enge Zusammenarbeit mit den Behörden und anschliessender Kontrolle wird sicher gestellt, dass wirklich den Bedürftigsten geholfen wird. Dank der vielen Spenden, welche die Leser der az-Medien im Rahmen der letzten Weihnachts-Sammelaktion überwiesen und gezielt für die Viehverteilung an notleidende Familien bestimmt haben, konnte diese Aktion 2015 auf zwei benachbarte Provinzen ausgedehnt werden.

Da der Staat bei den Kühen leistungsfähigere und somit auch deutlich teurere Tiere verlangt, welche täglich um die 8 Liter Milch liefern, werden diese Kühe nicht mehr an Einzelpersonen, sondern an Gruppen von je drei Begünstigten abgegeben. Diese kümmern sich gemeinsam um Pflege und Fütterung der Kuh und profitieren auch gemeinsam von ihrem Ertrag an Milch und Dünger. Da die Pflege dieser Kühe anspruchsvoller ist und sie auch mehr Platz benötigen, werden sie in Gemeinschaftsställen gehalten, bei deren Bau die ganze Bevölkerung der begünstigten Gemeinde mithilft.

Schulgeld für über 2000 Kinder

Weiterhin grosser Bedarf besteht an Schulgeldspenden. Obwohl wir in diesem Jahr sehr viel mehr Kinder unterstützt haben und mittlerweile für die Schulgelder von über 2000 Kindern aufkommen, übersteigt die Nachfrage immer noch bei Weitem die Zahl der Kinder, die wir effektiv unterstützen können. Im Normalfall wird den unterstützten Kindern der Schulbesuch für die ganze Schulzeit garantiert. Die Dankbarkeit dieser Kinder und Familien ist entsprechend gross. Sehr grosse Freude hat in diesem Jahr aber auch der Bau eines weiteren Schulhauses in Mbare ausgelöst, welches wir dank grosszügigen Spenden und Legaten realisieren konnten. Dank dieses Neubaues in einer abgelegenen Region fallen für die Kinder weite Fussmärsche in die nächstgelegene Schule weg, sodass für viele der Schulbesuch überhaupt erst möglich wird.

Rückführung in die Familien

Viele Strassenkinder konnten nach einem Aufenthalt in unserem Heim in Cahogo wieder in ihren Familien integriert werden. Der Grund, dass Kinder ihre Familien verlassen, liegt meistens bei der grossen Armut oder familiären Konflikten. Häufig gelingt es aber unseren Mitarbeitenden, vor Ort Konflikte zu lösen oder die Armut der Familie mit der Abgabe von Nahrungsmitteln oder Vieh zu lindern.

Die regelmässige Unterstützung der Geburtsabteilung und Mütterstation von Kabgayi hat vielen unterernährten Kindern den Start in ein gesundes Leben ermöglicht. Überaus geschätzt wird auch die Unterstützung des Spitals von Kabgayi, wo viele Langzeitpatienten nur dank unserer Stiftung nicht nur auf medizinische Hilfe, sondern auch auf eine tägliche Mahlzeit hoffen können.

Ein grosser Mangel herrscht nach wie vor beim Angebot an Lehrstellen für Schulabgänger. In der eigenen Schreinerei, der Auto-Reparaturwerkstatt und der Haushaltungsschule (Kochen, Schneiderei) bieten wir staatlich anerkannte Berufsausbildungen an. Die Lehrabgänger haben gute Chancen, ein bescheidenes berufliches Auskommen zu finden. Dank in der Schweiz beschafften Occasionsmaschinen konnten wir dieses Jahr die Schreinerei professioneller einrichten, was sich sehr positiv auf die Ausbildung ausgewirkt hat.

Trotz gewissen Rückschlägen ist auch das Projekt Kleinkredite auf gutem Weg. Von den über 300 gewährten Krediten führten rund zwei Drittel zum gewünschten Erfolg, der Kredit wurde mit Zinsen zurückbezahlt und die Kreditnehmerinnen und -nehmer konnten sich damit eine bescheidene Einkommensquelle und somit eine Existenz aufbauen. Dass das Geld nach der Rückzahlung einem neuen Kreditnehmer als Chance für seine Zukunft zur Verfügung steht, bedeutet, dass diese Gelder sehr nachhaltig eingesetzt werden. So sind auch die erfolgreichen Kreditnehmer mit Recht stolz darauf, dass sie es geschafft haben.

Weihnachtsaktion ist Hauptquelle

Die Unterstützung, die die Stiftung seit Jahren durch ihre treuen Spender, insbesondere durch die Leserinnen und Leser der az-Medien im Rahmen der traditionellen Weihnachts-Sammelaktion, erfahren darf, hat Tausenden von Menschen in Ruanda zu einem besseren, hoffnungsvolleren Leben verholfen. Die Begünstigten bitten immer wieder darum, ihren Dank den Spendern in der Schweiz zu übermitteln. Wir hoffen deshalb sehr, dass wir auch dieses Jahr auf diese Unterstützung zählen und vielen weiteren Notleidenden, Kindern wie Familien, helfen dürfen. Herzlichen Dank!

Störer: Ruanda Sammelaktion 2015