Fall Mörgeli
Mit der Entlassung ist der Fall Mörgeli nicht beendet

Nachdem die Kritik an ihm durchgesickert ist, hat Mörgeli sich mit seinem Verhalten ins Abseits manövriert und seine Bewährungsfrist verwirkt. Nun kommt er aus der Defensive heraus und polemisiert mit Verschwörungstheorien. Ein Kommentar.

Jürg Krebs
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Christoph Mörgeli ist seine Stelle bei der Uni Zürich los.

Christoph Mörgeli ist seine Stelle bei der Uni Zürich los.

Keystone

Christoph Mörgeli zählt sich nicht zu den «gemütlichen» Politikern des Landes. Ungemütlich ist derzeit auch seine private Situation. Die Universität Zürich hat gestern wahr gemacht, was sie am Freitag letzter Woche angekündigt hat: Mörgeli wurde als Oberassistent und Kurator des Medizinhistorischen Museums entlassen und freigestellt.

Mörgeli teilt aus

Man kann Mitleid mit Mörgeli haben - man muss nicht. Er selbst rückte vorgestern auf TeleZüri von seiner Opferrolle ab. Zuletzt hatte er sich als von seinem Chef gemobbten Mitarbeiter dargestellt. Nur: Ein Mörgeli als Opfer nimmt ihm kaum jemand ab. Dann lief er zur Hochform auf, als er von seinem Chef Flurin Condrau die Verbindung zum Marxismus und all den Linken schlug, die ihn, den SVP-Nationalrat und «Kämpfer für die Freiheit» loswerden wollten. Im SVP-Organ «Der Zürcher Bote» wird er gestern polemisch, fabuliert über Nazi-Jargon. So kennt man ihn: austeilend, verunglimpfend. Mörgeli selbst weiss, warum er nicht nur Freunde hat.

Doch Freunde könnte er derzeit brauchen. Die Vorwürfe der Universität Zürich sprechen gegen ihn. Seine Leistung wird als ungenügend beurteilt. Deshalb wird ihm gekündigt. Seine öffentlichen Tiraden bringen ihn um eine Bewährungsfrist. Das alles ist ein an sich normaler Vorgang in jedem Unternehmen. Wenn man Mörgeli heisst und SVP-Stratege ist, wird das Vorgehen allerdings zur Staatsaffäre hochstilisiert.

Verschwörungstheorien

Und weil gegen die von der Universität präsentierten Fakten nicht so einfach anzukommen ist, versucht Mörgeli den Schauplatz zu verlagern. Verschwörungstheorien sind da hilfreich. Mörgelis Version geht so: Weil sein Chef und Institutsleiter in Mörgeli ein SVP-Mitglied loshaben wolle, werde er systematisch gemobbt. Aus einem arbeitsrechtlichen Konflikt soll eine politisch motivierte Tat werden. Das ordentliche Leistungsbeurteilungs-Verfahren der Universität, das seit 2011 läuft, wird als Beleg herangezogen - was absurd ist, aber Teil der Verwischungstaktik.

Mit harten Bandagen wird um die Deutungshoheit gekämpft. Mörgeli selbst sagte nicht die Wahrheit, als er nach Veröffentlichung des Akademischen Berichts 2011 behauptete, er habe von den Vorwürfen keine Ahnung gehabt. Richtig ist: Mörgeli weiss seit einem Jahr Bescheid. Der Akademische Bericht 2011 verletzt auch nicht seine Persönlichkeitsrechte, wie Mörgeli behauptet, denn seine Leistung ist nicht Gegenstand des Berichts, wohl aber der Universitäts-internen Leistungsbeurteilung.

Informant aus Condraus Umfeld?

Und trotzdem: Passagen des bis zum 11. September noch geheimen und Mörgeli schwer belastenden Akademischen Berichts 2011 sind durch eine Indiskretion an die Öffentlichkeit gelangt. Der Verdacht ist naheliegend, dass das Leck im Umfeld Condrau zu suchen ist. Bewiesen ist dies nicht. Sicher ist: Die Publikation hat seine Wirkung nicht verfehlt. Mörgelis unbesonnene Reaktion darauf brachte ihn um eine Bewährungsfrist und damit um die letzte Chance, die von der Uni vorgegebenen Ziele zu erreichen.

Die Kündigung wird Folgen haben. Mörgelis Anwalt hat gestern bestätigt, er wird rekurrieren. Gerichte werden also über die Rechtmässigkeit der Kündigung entscheiden. Mörgeli selbst hatte bereits auf TeleZüri angekündigt, sich «mit allen Mitteln» wehren zu wollen. Man ahnt, was das bedeutet. Dass der Fall gleichzeitig durch die kantonsrätliche Aufsichtskommission Bildung und Gesundheit politisch aufgearbeitet werden soll, mag verwundern, wenn man von einem arbeitsrechtlichen Streit zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ausgeht. Aber eben, Mörgeli ist nicht irgendein Arbeitnehmer. Das hat er in den letzten Wochen allen klargemacht. Mörgeli bleibt noch lange ungemütlich.