Martin Reichlin

«Die Zürcherinnen und Zürcher schätzen ihr Tramnetz, die 740 Kilometer tadelloser Strassen, den Strom aus der Steckdose oder die problemlose Trinkwasserzufuhr», eröffnete Stadträtin Ruth Genner gestern die Pressekonferenz des Tiefbauamtes der Stadt Zürich zur Bautätigkeit 2010. «All dies hat jedoch im Wesentlichen mit Baustellen zu tun.» Die Stadt wolle die Qualität dieser Infrastruktur erhalten und verbessern und werde darum im laufenden Jahr Bauvorhaben für rund 200Millionen Franken realisieren. Weshalb auch für 2010 gelte: «Mit dem Frühling kommen die Baustellen.»

Priorisieren und bündeln

Immerhin, so Genner, führe die priorisierte Planung dazu, dass vor 2012 (fast) keine neuen Grossbaustellen eröffnet würden. Bis dahin sollen die vor allem in Zürich-West laufenden «Generationenprojekte» abgeschlossen sein. Zudem werde die Zahl der Bauvorhaben auf 128 gesenkt (2009: 171), da mehrere kleine Bauten, wo möglich, zu grossen Projekten zusammengefasst würden. «Das führt zwar zu mehr Lärm und Behinderungen», so Genner, «verkürzt aber die Bauzeit.» Als gelungenes Beispiel nannte die Stadträtin die kürzlich abgeschlossene Sanierung der Seefeldstrasse, bei der Gleiserneuerung, Kanalsanierung, Verbesserungen für Fuss- und Veloverkehr sowie eine neue Baumbepflanzung in einem Grossprojekt integriert wurden. «Nach dem Unmut während der Bauzeit wurden hinterher unsere Effizienz und Professionalität gelobt.»

Top 10 der Baustellen

Und so sieht die Liste der grössten Bauprojekte für 2010 aus, die Vilmar Krähenbühl, Leiter Projekte und Realisierung, präsentierte – eine «Hitparade», mit alten Bekannten:

• Sanierung Hardbrücke, bis Nov. 2011
(Abfahrt Hardstrasse ab April wieder offen).

• Sanierung Pfingstweidstrasse inkl. Tram Zürich-West, bis Juli 2011.

• Umbau Seebahnstrasse (flankierende Massnahme Westumfahrung), bis Okt. 2010.

Gleisbogen Zürich-West, bis Okt. 2011.

• Sanierung Weststrasse, bis Dez. 2011. Ab August Weststrasse nicht mehr durchgängig befahrbar.

Schaffhauserstrasse in Seebach, bis Juni 2010.

• ÖV-Plattform Bahnhof Stettbach, bis Sept. 2010. Im Sommer VBZ-Betrieb wegen Gleisersatz eingestellt.

Neu kommen hinzu:

Birmensdorferstrasse, Bereiche Triemli und Schmiede Wiedikon (flankierende Massnahmen Westumfahrung), bis Dez. 2011. Tram im Herbst eingestellt

Albisstrasse ab Stadtgrenze (flankierende Massnahme), bis Nov. 2011.

Schliesslich wird, als einzige neue Grossbaustelle, ab Oktober für ein Jahr die Rämistrasse bei der Universität saniert. Ursprünglich sollten nur die Tramgleise ersetzt werden, erklärte Stadtingenieur François Aellen: «Das liess sich nicht mehr weiter aufschieben.» Allerdings habe sich gezeigt, dass die darunterliegenden Wasserleitungen brechen könnten. Deshalb habe man sich für ein Grossprojekt im «Highspeed-Verfahren» entschlossen – inklusive Nachtarbeit, Einschränkung der Mobilität und eventuell höheren Kosten.

Weitere wichtige Projekte an Forch- und Bellerivestrasse sowie an der Quaibrücke am Bellevue würden dagegen frühestens 2012 realisiert. Man wolle eine unnötige Konzentration von Grossprojekten vermeiden, sagte Aellen.