Peopletalk Lenzburg
Mit bewegten Bildern zum Dialog der Generationen

Ein Filmprojekt soll den erhitzten Gemütern in der Bevölkerung entgegenwirken. Stein des Anstosses sind Jugendliche, welche seit Jahren öffentliche Plätze in Lenzburg blockieren. Ausserdem will das Projekt den generationenübergreifenden Austausch fördern.

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Peopletalk

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Lenzburger Bezirks-Anzeiger

Ruth Steiner

Die Vorgeschichte: Beim Müli-Märt, vor dem Coop, auf den öffentlichen Plätzen sind Jugendliche in Lenzburg in den vergangenen Jahren zu einem wahren Ärgernis geworden: Sie hängen herum und lassen den Abfall liegen wie die Hühner ihren Dreck. Ältere wie auch jüngere Menschen und Mütter mit Kindern fühlen sich von der Präsenz der Teenager im öffentlichen Raum belästigt. Vor gut zwei Jahren wurden Gewerbetreibende und Geschäftsinhaber beim Stadtrat vorstellig und verlangten die Aufhebung der kleinen Jugendszene beim Müli-Märt und an der Bachstrasse.

Klare Zielsetzung der Behörde

In Zusammenarbeit mit Peopletalk, einem Verein zur Dialogförderung im Gemeinwesen, wird nun das Konzept, das der Stadtrat unter dem Namen «Lenzburg 9-99» verabschiedet hat, umgesetzt. Ein Filmprojekt, eine Internetplattform und eine Plakataktion sollen den Austausch zwischen Jung und Alt sowie das gegenseitige Verständnis fördern.

Der Filmstreifen wird in den kommenden Monaten von der Lenzburger Jugend realisiert. Vergangene Woche wurde nun das Vorhaben an einer Informationsveranstaltung im Kulturhaus und Jugendwerkhof Tommasini einer interessierten Öffentlichkeit vorgestellt. Gemäss Stadträtin Heidi Berner strebt die städtische Behörde die folgenden Ziele an: «Ein besseres Verhältnis zwischen den Generationen, weniger Probleme mit Littering, Konsens über die Spielregeln im öffentlichen Raum sowie definierte selbst gestaltete und verantwortete Räume für Jugendliche und ihre Interessensgruppen, beispielsweise Skater.» Zur Realisierung dieser neuen Leitsätze will Berner alle Beteiligten generationenübergreifend in die Arbeit miteinbeziehen: «Wir machen Betroffene zu Beteiligten.»

Eine der Hauptbetroffenen ist die Migros, Müli-Märt. Eingangsbereich und Spielplatz werden tagtäglich in Beschlag genommen. Erwin Hildbrand, Migros-Marktleiter im Müli-Märt, ist froh, dass nun gehandelt wird: «Wir hoffen auf die Zusammenarbeit mit den Jugendlichen, damit sich die Beziehung für alle verbessert.» Auf die Frage, ob die jungen Menschen vor der Migros unerwünscht sind, winkt er ab: «Sie müssen jedoch lernen, auf dem Spielplatz Rücksicht auf Mütter und spielende Kinder zu nehmen und ihren Abfall in den Kübel zu werfen.»

Jugendliche wollen etwas bewegen

Realisiert wird also ein rund halbstündiger Streifen, in welchem die Jugendlichen ihr Lebensumfeld filmen, Interviews mit Kollegen, Behörden, Lehrern, Politikern und Einwohnern und Einwohnerinnen machen, in dem «der Geist und Spirit der jungen Filmemacher spürbar ist», erklärte Roy Buschbaum vom Verein Peopletalk, der die Produktion begleitet.

Es haben sich bereits Schülerinnen und Schüler für eine Teilnahme gemeldet. Unter ihnen auch Salvatore, der die 4. Real im Lenzhardschulhaus besucht. Er und seine vier Kollegen machen mit, «weil wir hoffen, etwas bewegen zu können und anschliessend einen Platz zu bekommen, wo wir sein dürfen und nicht weggeschickt werden.»

Weitere Informationen im Internet unter www.lenzburg.peopletalk.ch