Kanton Solothurn
Mit Aushub über den Passwang

Im Schwarzbubenland und im Laufental gibt es keine Deponie mehr für Aushub. Nun wird die Erde über den Passwang gekarrt. Der Kanton Solothurn sucht nach einer Lösung.

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Passwang

Passwang

bz Basellandschaftliche Zeitung

Von Walter Brunner

Das Unverständnis von Transporteuren und Anwohnern ist gross. Ihnen leuchtet nicht ein, weshalb ständig 40 Tonnen schwere Lastwagen mit Erde durch Erschwil, Beinwil und Mümliswil donnern.

So fragt Stephan Jeker von der Bauunternehmung Paul Fluri AG in Mümliswil: «Warum müssen wir unsere Lastwagen mit teuren Partikelfiltern ausrüsten, um die Umwelt zu schonen, und dann mit dem Aushub über den Passwang fahren? Das ist doch ökologischer und ökonomischer Unsinn.»

Derzeit werde in Breitenbach ein Mehrfamilienhaus gebaut. Mehrere Lastwagen seien im Einsatz, um den Aushub den weiten Weg über den Passwang nach Niederbipp zu transportieren.

Für Jeker ist das ein unerträglicher Zustand. Solche Erdtransporte gebe es nicht nur über den Passwang, sondern auch über den Hauenstein, weil es weder im Laufental noch im Thierstein eine Möglichkeit gebe, um Aushub zu deponieren.

«Die engen Strassen sind nicht für die 40-Tönner gebaut und könnten kaputt gehen. Und für die Leute in den Dörfern ist dieser Schwerverkehr eine Zumutung», sagt Stephan Jeker.

Mulden im Jura als Lösung?

Laut Lorenz Wyss, Strassenmeister im Kreisbauamt III in Dornach, sind die Schäden bereits sichtbar. «Die Passwangstrasse ist in den letzten Jahrzehnten nie einer Gesamtsanierung unterzogen worden.» Sie sei in den 50er-Jahren auf 25 Tonnen ausgelegt worden. Dann habe man Lastwagen mit 28, später solche mit 40 Tonnen zugelassen, ohne die Strasse anzupassen.

Hinzu kommt eine zusätzliche Belastung für die Strasse: «Im Zeitalter der Navigationssysteme fahren zunehmend ausländische Lastwagen über den Passwang, weil das System ihnen den kürzesten Weg ins Mittelland zeigt.»

Etliche von ihnen seien in diesem Winter im Schnee stecken geblieben. Eine mögliche Lösung zum Schutz der Strasse wäre eine Gewichtsbeschränkung auf 25 Tonnen. Das sei schon mehrmals diskutiert, aber nie umgesetzt worden, sagt Wyss.

Das Problem sei die Signalisation. Man könnte die Gewichtslimite nicht erst in Erschwil signalisieren, weil die Lastwagen dann wieder zurückfahren müssten. Den Chauffeuren müsste man schon ab Basel signalisieren können, dass der Passwang für sie nicht befahrbar ist. «Und das wäre sehr schwierig.»

Stephan Jeker schwebt eine einfachere Lösung vor: «Im Jura hat es genug Löcher, da müsste es doch möglich sein, dass der Kanton eine Deponie machen kann. Ich kenne etliche Landwirte, die froh wären, wenn man eine Mulde auffüllen könnte.»

Dabei ist Jeker klar, dass man nicht unkontrolliert Bauschutt oder Teerbelag entsorgen kann: «Es geht ja nur darum, eine kontrollierte Deponie für Bauaushub zu bewilligen, also nur für die obersten zwei, drei Erdschichten.»

Deponie Saltisberg füllen

Das Deponieproblem hat sich verschärft, seit die Grube Gehren bei Laufen aufgefüllt ist. «Das war ein ehemaliger Steinbruch, den man mit einigen hunderttausend Kubikmetern Aushub auffüllen konnte», sagt Heinz Aebi von der Baselbieter Fachstelle Abfall, Stoffe und Chemikalien.

Die Schaffung einer neuen Deponie sei komplex und müsse auch vor den Landrat. Wie schwierig das sei, habe ein Projekt in Aesch gezeigt: «Man konnte es nicht als Standort festlegen.» Aebi bestätigt, dass Gespräche zwischen Baselland und Solothurn stattgefunden haben, um das Deponieproblem zu lösen: «Es gibt aber noch eine grosse Aushubdeponie in Seltisberg. Daher ist es nicht zwingend, über den Passwang zu fahren.»

Deponie im Thierstein in Aussicht

Urs Dietschi, Leiter Abfallwirtschaft im Solothurner Amt für Umwelt, spricht von einem «akuten Problem». Die Deponie im Laufental sei geschlossen, und es sei schwieriger geworden, Aushub nach Deutschland und ins Elsass zu transportieren. Man suche eine langfristige gute Lösung mit dem Kanton Baselland. «Es braucht aber auch eine Sofortlösung.» Leider benötige auch diese viel Zeit.

Dietschi stellt jedoch eine mögliche Lösung in Aussicht: «Wir haben einen Vorschlag für eine Deponie im Thierstein, die 200 000 bis 400 000 Kubikmeter Aushub fassen würde. Wir haben auch schon eine Unternehmung, die das machen will.»

Mehr könne er jedoch nicht sagen, weil zuerst mit den Gemeinden verhandelt werden müsse. «Ich hoffe, dass ich in zwei, drei Monaten konkreter sagen kann, was Sache ist.»