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Mit 53 zu alt für eine Adoption?

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In Genf wurde einer Frau die Adoption verweigert, weil sie zu alt sei. Sie wollte ein Geschwisterchen für ihre Tochter, die ebenfalls adoptiert ist.

Mit schöner Regelmässigkeit erreichen uns Nachrichten von glücklichen frischgebackenen Müttern und Vätern. Gestern Nicole Kidman, die im Alter von 43 zum zweiten Mal Mutter einer Tochter, ausgetragen von einer Liehmutter. Zuvor war es Elton John, der sein Glück als Vater von Zachary in die Welt posaunte. Und vor Weihnachten erreichte uns die Nachricht, dass eine 64jährige Banksekretärin aus Unterlunkhofen eine eigenes Kind gebar, mit Hilfe von künstlicher Befruchtung in Russland.

Viele Wege sind also möglich, wenn man sich im reiferen Alter verdoppeln möchte, nur einer nicht: die Adoption. Dies musste eine 53jährige Schweizerin am eigenen Leib erfahren. Obwohl bereits Mutter eines adoptierten Kindes, verweigerten die Behörden eine neuerliche Adoption.

Ariane Schwizgebel ist enttäuscht. Sogar der Menschenrechtshof in Strassburg hat ihr verboten, jemals wieder ein Kind zu adoptieren. Die Begründung: Sie sei zu alt für eine Adoption.

Elf Jahre später ist eine Adoption kein Thema mehr

Im Jahr 2000 adoptierte die Musikerin ihre Tochter, Violaine, die heute 11 Jahre alt ist. Ein paar Jahre später wollte sie Violaine ein Brüderchen oder Schwesterchen «schenken». Auf natürlichem Weg war dies nicht möglich - Ariane Schwizgebel ist alleinerziehend, ausserdem war sie zu jenem Zeitpunkt bereits über 40 Jahre alt.

Bild. Olivier Vogelsang/La Tribune de Genève

Darf diese Frau kein Kind mehr adoptieren?

Bild. Olivier Vogelsang/La Tribune de Genève

Ihr Gesuch wurde abgelehnt. Sie ging vor Bundesgericht, das ihr 2007 eine negative Antwort beschied: «Sind die Kinder von Frau Schwizgebel in der Pubertät, ist sie bereits über 60 Jahre alt. Ein Alter, in dem gesundheitlichen Probleme durchaus hinzukommen kännen. Für die adoptierten Kinder ist das eine Hypothek, befinden sie sich dann doch sowieso schon in einem schwierigen Alter.» Das Gericht hat damit die Interessen des Kindes über jene der Mutter gestellt.

Schwizgebel, von Beruf Cembalistin, hat daraufhin am Menschenrechtshof in Strassburg protestiert. Sie machte geltend, dass alleinerziehende ältere Mütter gegenüber Frauen, die noch mit mehr als 45 Jahren auf anderen Wegen selbst zu einem Kind kommen (und dies selbst austragen), diskrimiert würden.

Auch ein Pflegekind ist willkommen

Sie gibt sich kämpferisch, und will dennoch einem Kind ein Heim bieten, und sei es nur vorübergehend. So trägt sie sich mit dem Gedanken, ein Pflegekind bei sich aufzunehmen. «Es gibt genügend Kinder aus ärmlichen oder schwierigen sozialen Verhältnissen. Aber ich habe genug Liebe zu verschenken. Auch wenn ich den Gedanken nicht ertragen kann, das Kind dann nach einiger Zeit wieder weg geben zu müssen.» Als sogenannte Gastfamilie ist Ariane Schwizgebel, die zusammen mit ihrer Tochter und ihrem über 80jährigen Vater in einer grossen Wohnung im Grünen lebt, bereits registriert.

Warum sie erst im Alter, in dem andere Frauen bereits Grossmütter sind, ein Kind adoptieren will, begründet Ariane Schwizgebel so: «Ich hatte eine lange und enge Beziehung mit einem Mann, den ich sehr geliebt habe. Er starb an einem Verkehrsunfall. Ich brauchte lange, um darüber hinwegzukommen.» Geholfen dabei habe ihr der katholische Glaube. Ende der 90er Jahre habe sie dann ein Adoptionsgesuch gestellt, und Violaine adoptiert.

Ganz anders beantwortet die 64jährige Dominique, Mutter von Baby Katherine, die Frage, weshalb sie mit dem Kinderkriegen so lange gewartet hatte. Laut «Blick» sagte sie: «Mit 37 hatte ich erstmals den Wunsch, doch auf natülrichem Weg hat es damals nicht geklappt. Später haben die Lebensumstände einfach nicht gepasst. Mein Mann und ich haben unser ganzes Leben gearbeitet, waren viel auf Reisen im Ausland. Jetzt sind wir beide pensioniert und haben alle Zeit der Welt für unsere Katherine. Als ich eines Tages den liebenden Blick meines Vaters auf seine Enkel wahrnahm, wusste ich: Ich möchte auch einen Menschen so ansehen - und wünsche mir, dass er mich ebenso ansieht.»

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