Kommentar

«Mission impossible»: Die SVP braucht einen Präsidenten für die Ära nach Blocher

Patrik Müller
Der SP die Büezer abspenstig gemacht und der FDP die Reichen: SVP-Doyen und Kunstsammler Christoph Blocher.

Der SP die Büezer abspenstig gemacht und der FDP die Reichen: SVP-Doyen und Kunstsammler Christoph Blocher.

Der Nachfolger von Albert Rösti hat eine mittelfristige Aufgabe, die lösbar scheint – und eine langfristige Herausforderung, die fast unmöglich ist. Ein Kommentar zum SVP-Präsidium.

Albert Rösti war ein glückloser und wahrscheinlich auch ein unglücklicher SVP-Präsident. Wenn er am Fernsehen die harte Linie vertreten musste, wirkte er immer etwas angestrengt.

Nun ist ein weniger netter Nachfolger gesucht. Einer, der poltern und durchgreifen kann, auch parteiintern: Etwa wenn es bei einer Kantonalpartei drunter und drüber geht, wie jüngst im Aargau und in Basel.

Das scheint mittelfristig eine lösbare Aufgabe zu sein. Denn im Gegensatz zur SP, die ebenfalls einen neuen Präsidenten braucht und sich über die Ausrichtung streitet, gibt es bei der SVP keine Flügelkämpfe, und die Positionen sind unbestritten: Gegen «Anbindung» an die EU, gegen «Masseneinwanderung», gegen «Steuerwahn».

Die wahre Herausforderung ist langfristiger Natur – und eine nahezu unmögliche Mission. Der oder die Neue muss die Partei in die Ära nach Blocher führen. Der 79-Jährige ist zwar immer noch da, aber viel weniger präsent, und seine Tochter Magdalena Martullo hat nicht dieselbe Strahlkraft.

Das Erfolgsrezept dieser Ära lautete: Nationalkonservatismus kombiniert mit Wirtschaftsliberalismus (mal abgesehen von der Landwirtschaft). Mit dem ersten machte die SVP der SP die Büezer abspenstig, mit dem zweiten der FDP die Gutverdienenden. Diesen Spagat schaffte nur Exportunternehmer Blocher mit seinem Charisma.

Ohne ihn droht der wirtschaftsliberale Flügel zu verschwinden. Die SVP-Basis ist zunehmend gegen Privatisierungen, gegen Sparen beim Sozialen, gegen Freihandel. Die SVP könnte zu einer rein nationalkonservativen oder nationalistischen Partei werden, wie es sie in vielen Ländern Europas gibt. Sie verlöre ihr Label als Wirtschaftspartei – und ein wichtiges Wählersegment.

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