Mit ihrer Aussage hat Philomena Colatrella am Sonntag Aufsehen erregt. Die Chefin der CSS-Versicherung regte in einem Interview mit dem "Sonntagsblick" an, die Mindestfranchise von heute 300 Franken auf 5000 oder gar 10'000 Franken zu erhöhen. Sie rechnet damit, dass die Prämien pro Monat um 170 Franken sinken würden.

Kein Verständnis für den Vorschlag hat die Schweizer Patientenschützerin und Aargauer alt Regierungsrätin Susanne Hochuli. Würde er umgesetzt, wäre das heutige Krankenkassensytem am Ende: "Wenn die Kosten für die soziale Abfederung nicht aus den Prämiengeldern bezahlt werden, löst sich ja der bisherige Zweck der Krankenversicherung auf", sagt sie zum "Blick".

"Würde einen Volksaufstand provozieren"

Colatrellas Idee erntet auch bei Mitte- und Rechtspolitikern Kritik. "Gewisse Teile der Bevölkerung werden sich dieses Modell nicht leisten können", sagt die Zürcher FDP-Nationalrätin Regine Sauter. Die Mindestfranchise will sie um nicht mehr als 100 oder 200 Franken erhöhen. SVP-Nationalrat Heinz Brand erachtet Colatrellas Vorschlag als unrealistisch: "Die Einführung einer Mindestfranchise von 5000 oder gar 10'000 Franken ist derzeit nicht realistisch. Damit würde wohl ein Volksaufstand provoziert." Er plädiert für eine Erhöhung der Mindestfranchise um ein paar hundert Franken und für neue Wahlfranchisen von bis zu 5000 Franken, um den Prämienanstieg zu verringern.

Einer kann Colatrellas Vorschlag etwas abgewinnen: Comparis-Krankenkassenexperte Felix Schneuwly. "Der von der CSS-Chefin lancierte Vorschlag ist ein Befreiungsschlag fürs System, weil die Prämien günstiger würden", sagt Schneuwly zu "20 Minuten". Anstatt immer mehr Geld für Prämienverbilligungen auszugeben, sollte man sozial Schwächeren direkt den Besuch beim Arzt bezahlen. Er gibt aber auch zu bedenken: "Eine derart hohe Franchise ist nur für ganz Gesunde und Reiche interessant. Und auch nur dann, wenn die Prämienrabatte hoch genug sind."

Abfederung für Finanzschwache

Colatrella möchte zur 10'000-Franken-Prämie eine Instrument, um finanzschwachen Menschen entgegenzukommen. "Das geht nur mit einer finanziellen Abfederung für die sozial Schwächeren", sagt sie. Dieses Geld könnte etwa dem Topf der Prämienverbilligungen entnommen werden.

Bis zur Höhe der Wahlfranchise muss jeder seine Kosten für ärztliche Untersuchungen und Medikamente selber bezahlen. Danach übernimmt die Krankenkasse den allergrössten Teil. Je höher die Wahlfranchise, desto kleiner die monatliche Prämie. (mwa)