Noch rätselt die Vorsorgebranche darüber, was auf sie zukommen wird. Klar ist nur: Der Aufwand für Pensionskassen wird zunehmen, wenn die neuen Gesetze gemäss der Abzocker-Initiative von Thomas Minder in Kraft treten.

Die Initiative verlangt, dass Pensionskassen an Generalversammlungen von Firmen, deren Aktien sie besitzen, «im Sinne ihrer Versicherten» abstimmen und offenlegen müssen, wie sie abgestimmt haben. Für Robert Kuipers vom Beratungsunternehmen PWC ist klar, dass dies eine aktive Teilnahme bedeutet. Er rät den Pensionskassen, sich bald dafür fit zu machen.

Einige grosse Kassen machen das bereits heute. Die Zürcher Beamtenkasse BVK stimmt bei 30 Gesellschaften ab und schätzt den Aufwand auf einen «fünfstelligen» Betrag. Zudem informiert die BVK detailliert über ihr Abstimmverhalten. So erfährt man etwa, dass die Pensionskasse im Februar das Bonusreglement der Novartis abgelehnt hat.

Mehrkosten erwartet

Auch die Basler Staatspensionskasse PKBS nimmt es bereits sehr genau. Sie übt die Stimmrechte bei rund 180 Aktien aus und kalkuliert dafür eine 20-Prozent-Stelle. «Wenn die Publikation sämtlicher Einzelentscheide verlangt wird, wird dies noch erhebliche Mehrkosten verursachen», sagt Max-Eric Laubscher, Leiter der Vermögensverwaltung.

Vor allem für kleine Pensionskassen wird die Zukunft teuer, haben sie doch denselben Aufwand für Analyse und Anweisungen, jedoch weniger Einnahmen. Es ist daher davon auszugehen, dass sich viele von ihnen bei einem Stimmzwang an Empfehlungen von Beratungsunternehmen wie Ethos oder ISS ausrichten werden. Schon heute haben diese einen grossen Einfluss auf Pensionskassen.

Viele Kassen aber können noch gar nicht mitbestimmen, da sie ihr Geld indirekt über Fonds oder Anlagestiftungen anlegen, die dann selber über die Stimmrechte der Aktien verfügen. Anbieter wie Credit Suisse, Swiss Life oder Helvetia lassen keine Mitbestimmung der angeschlossenen Pensionskassen zu.

Indirekte Stimmrechte bei der UBS

Doch das muss nicht so bleiben. Einzelne grosse Anbieter machen bereits vor, wie es auch ginge. So räumt die UBS ihren institutionellen Kunden seit einigen Jahren indirekte Stimmrechte bei 19 Pensionskassen-Fonds und Anlagestiftungen ein. Über «UBS Voice» werden die Anleger über die Traktanden informiert und können dann ihre Abstimmungsanweisungen abgeben. Die Fondsverwaltung stimme gemäss diesen Vorgaben ab, sagt Projektleiter Theo Amacher.

Die UBS bezeichnet Voice als Erfolg. «Über alle Assets hinweg betrachtet, die in Schweizer Aktien investiert sind, wird bei 40 Prozent des Kapitals das Stimmrecht wahrgenommen.» Die Bank erwägt nun einen Ausbau des Programms.

Ähnliches bieten auch die Zürich-Anlagestiftung und die Aargauer Sammelstiftung Avadis an. «Bei Schweizer Aktien können Pensionskassen ihre Stimmen wahrnehmen», sagt Avadis-Managerin Maria Gumann. Grenzen sieht sie noch bei Geldern, die von Avadis wiederum indirekt über Fonds oder Index-Produkte getätigt werden.

Der Aufwand für das Abstimmen könnte bei kleineren Pensionskassen dazu führen, dass diese mehr Geld indirekt über Fonds und Anlagestiftungen anlegen, sagt Thomas Keller vom Fondsanbieter Swisscanto. Letztlich wären dann ausgerechnet Banken und Versicherer die Profiteure der Abzocker-Initiative.