Prozess
Millionen abgezweigt: Zuger Ex-Stadtrat Ivo Romer fordert Freispruch

Über 3,8 Millionen Franken soll der ehemalige Zuger Stadtrat Ivo Romer als Vermögensverwalter abgezweigt haben. Die Vorwürfe wies er am Donnerstag vor Obergericht zurück - er verlangt einen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft plädiert dafür, dass die erstinstanzliche Strafe um fast ein Jahr erhöht wird. Das Urteil steht noch aus.

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Ivo Romer wiess die Vorwürfe vor dem Zuger Obergreicht zurück und fordert einen Freispruch.

Ivo Romer wiess die Vorwürfe vor dem Zuger Obergreicht zurück und fordert einen Freispruch.

Keystone

Die Vorwürfe gehen auf die Jahre 2006 bis 2012 zurück. Der ehemalige FDP-Politiker soll sich aus den Konten einer Witwe, die 2011 im Alter von 96 Jahren verstorben ist, und deren Familienstiftung, bedient haben.

Ob er seine Mandantin darüber informiert habe, dass deren Vermögen von über sechs Millionen auf am Ende 16'000 Franken geschmolzen sei, wollte der Richter unter anderem wissen. Doch wie bereits im Rahmen der Untersuchung und dem Verfahren vor der ersten Instanz verweigerte Romer auch vor dem Obergericht weitgehend die Aussage.

Einzig auf die Frage, weshalb er von seiner Unschuld überzeugt sei, sagte der heute 53-Jährige mehr als "nein" oder "keine Aussage": Die Vorwürfe seien "Blödsinn", meinte er. Es stimme ja nicht einmal, dass er reformiert sei, wie dies festgehalten wurde.

Verteidigung: Nur Wünsche erfüllt

Es gebe keine handfesten Beweise, nur Indizien, sagte Romers Verteidiger. Er forderte einen vollumfänglichen Freispruch: Sein Mandant habe stets im Auftrag und auf ausdrücklichen Wunsch der sehr selbstbestimmten, resoluten Dame gehandelt.

Der Verteidiger verwies etwa darauf, dass die lese- und unterzeichnungsfähige Witwe alle Bargeldbezüge quittiert habe. Zudem habe deren Bank Abklärungen vorgenommen und festgehalten, dass die Seniorin bewusst Schenkungen getätigt habe. Romer sei nicht die treibende Kraft hinter dem Vermögensschwund gewesen, wollte der Verteidiger damit sagen.

Und dass die fünf Kinder der reichen Seniorin vom Geld nicht mehr viel gesehen haben, hätten sie nicht Romer, sondern sich selber zuzuschreiben, befand der Verteidiger. Nachdem sie ihre Mutter 2008 unter Vormundschaft stellen wollten, habe diese den Kontakt verärgert und enttäuscht abgebrochen.

Anklage spricht von reiner Habgier

Für die beiden Staatsanwältinnen war hingegen klar, dass Romer das Vertrauen und das fortgeschrittene Alter der Witwe schamlos ausgenutzt habe. "Aus reiner Habgier und purem Geltungsdrang" habe er Geld abgezweigt, um sich seinen Lebensstil sowie persönliche Projekte zu finanzieren. So sei er etwa als grosszügiger Mäzen aufgetreten.

Zusätzlich zu den Schuldsprüchen der ersten Instanz - qualifizierte Veruntreuung, ungetreue Geschäftsbesorgung und Urkundenfälschung - beantragten die Staatsanwältinnen auch eine Verurteilung wegen Geldwäscherei. Von diesem Vorwurf war Romer vor der ersten Instanz freigesprochen worden.

Bargeldtransfers ins Ausland und anschliessende Einzahlung auf ein Konto seien "ein Klassiker" und "typische Kaschierungshandlungen", hielten die Staatsanwältinnen fest. Sie forderten deshalb, dass die von der ersten Instanz ausgesprochene Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren auf fünfeindrittel Jahre erhöht wird.

Die Berufungsverhandlung vor dem Zuger Obergericht geht am Freitag mit den zweiten Parteivorträgen weiter. Wann das Urteil gefällt wird, ist noch unbekannt.

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