Steuern
Millionäre verlassen Zürich wegen Steuern - Aargau profitiert nicht

Seit Anfang dieses Jahres gibt es für Wohlhabende im Kanton Zürich keine Pauschalbesteuerung mehr. Darum haben zahlreiche der insgesamt 201 Pauschalbesteuerten bereits ihre Koffer gepackt und die steuergünstigen Gemeinden an der Goldküste verlassen. In den Aargau zieht es allerdings kaum einen.

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Reiche ziehen weg

Reiche ziehen weg

Keystone

«In Bergdietikon stellen wir keine grosse Zunahme an Neuzuzügern aus dem Kanton Zürich fest. Seit Anfang Dezember haben sich lediglich drei Zürcher in Bergdietikon angemeldet. Und diese stammen alle aus der Stadt Zürich und nicht aus den reichen Gemeinden an der Goldküste», sagt Christian Ritz von der Gemeindeverwaltung in Bergdietikon.

Auch andere steuergünstige Aargauer Gemeinden proftieren nicht. Der Aargau hat heute rund ein Dutzend Pauschalbesteuerter. «Wir haben keine Zulauf aus Zürich», sagte Finanzdirektor Roland Brogli jüngst gegenüber der «Aargauer Zeitung».

Die Pauschalbesteuerten, die den Kanton Zürich nun verlassen, ziehen vielmehr in steuergünstige Gemeinden der Innerschweiz.

Neun sind offiziell weg

Bis heute haben neun Pauschalbesteuerte das kantonale Steueramt kontaktiert und ihren Wegzug angekündigt, sagt Adrian Hug, Chef des Zürcher Steueramtes. Dies sind aber längst nicht alle, die ihre Zelte im Kanton Zürich abbrechen. «Von all jenen, die sich still und leise in ihrer Gemeinde abmelden und wegziehen, wissen wir nichts.»

Die eigentliche Abwanderungswelle steht zudem wohl erst noch bevor. Pauschalbesteuerte, die auch weiterhin nicht auf die Sonderkonditionen verzichten wollen, haben noch bis Ende 2010 Zeit, aus dem Kanton Zürich wegzuziehen. «Zum jetzigen Zeitpunkt sind wohl viele erst am abwägen», sagte Hug.

Familien mit eingeschulten Kindern würden wohl eher hier bleiben, glaubt er. Anders sehe es bei international vernetzten Einzelpersonen aus, die ihren Wohnsitz ausschliesslich aus steuerlichen Gründen gewählt hätten.

Genaue Statistik in einem Jahr

«Wir werden das alles sehr genau beobachten», kündigte Hug an. Man werde die Zahlen aus den Gemeinden auswerten und per Anfang 2011 eine genaue Statistik über die Anzahl Wegzüge und die Auswirkungen auf die Finanzen erstellen.

Zollikon: 7 von 13 Pauschalbesteuerten sind weggezogen

Eine Umfrage in vier Gemeinden zeigt, dass sich nicht nur die neun Personen, die sich beim Steueramt gemeldet hatten, vom Kanton Zürich verabschiedeten. In der Zürichseegemeinde Zollikon beispielsweise, wo vor der Abstimmung 13 Pauschalbesteuerte lebten, sind 7 weggezogen.

In Erlenbach, einer anderen Gemeinde am rechten Seeufer, haben sich von neun Pauschalbesteuerten bisher zwei abgemeldet. Ein Gemeindemitarbeiter bestätigte einen entsprechenden Artikel im «Landboten» vom Donnerstag.

In Herrliberg, wo elf Pauschalbesteuerte lebten, haben vier ihre Zelte abgebrochen, zwei davon hatten Familie. Gemäss dem Herrliberger Steuersekretär Bernhard Peyer seien dies aber steuerliche Einbussen, die man «ohne Weiteres verschmerzen kann», wie er auf Anfrage der SDA sagte.

In Küsnacht ist «gut ein Viertel» der Pauschalbesteuerten weggezogen. Die meisten ziehen ins Ausland oder in steuergünstige Kantone wie etwa Schwyz und Zug, weil diese die Sonderkonditionen nach wie vor gewähren.

Das Fünffache des Mietwertes als Steuer

Pauschal besteuern lassen konnten sich bisher Ausländer, die in der Schweiz seit zehn Jahren kein Einkommen verzeichnen. Die Höhe der Steuer beträgt mindestens das Fünffache des Mietwertes des Wohnhauses.

Zürich ist bisher der einzige Kanton, der die Steuerprivilegien abgeschafft hat. Das Stimmvolk hat der Vorlage am 8. Februar 2009 zugestimmt. Vorstösse für die Abschaffung der Pauschalbesteuerung wurden aber auch in anderen Kantonen lanciert, unter anderem in St. Gallen, Thurgau, Graubünden und Zug.