Schweiz-EU

Michael Matthiessen: Das ist Brüssels neuer Mann in Bern

Ab September vertritt der Däne Michael Matthiessen die Interessen der EU in der Schweiz. Er muss sich um eine schwierige Beziehung kümmern. Doch viele trauen dem Dänen diese Mission Impossible zu.

Offen, unaufgeregt, zuvorkommend und mit einem guten Sinn für Humor – so beschreiben Bekannte Michael Matthiessen, den neuen EU-Botschafter in der Schweiz. Der 60 Jahre alte Däne wird seinen Posten in Bern nach einer 30-jährigen, abwechslungsreichen Diplomaten-Karriere Anfang September antreten und damit den wenig präsenten Briten Richard Jones ablösen.

Sein ehemaliger Chef, Poul Skytte Christoffersen, der nicht nur Dänemarks Botschafter in Brüssel war, sondern auch die damalige EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton beriet und die EU-Osterweiterung massgeblich mitgestaltete, lobt Matthiessen in den höchsten Tönen: «Michael ist ein hochkompetenter, erfahrener Diplomat mit einem ausgeprägten Kommunikationsvermögen». Er werde nicht nur die Positionen Brüssels mit dem notwendigen Fingerspitzengefühl zu vermitteln wissen, sondern auch die Anliegen Berns in angebrachter Art und Weise in die EU-Hauptzentrale transportieren, ist sich Christoffersen sicher.

Viel Diskussionsbedarf

Ein guter Vermittler täte dem Verhältnis Schweiz - EU tatsächlich gut. Mit der schwierigen Suche nach einer Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative und einer drohenden einseitigen Anwendung der Schutzklausel dürfte es in der nächsten Zeit viel Diskussionsbedarf geben. Ob Matthiessen dann noch Zeit für seine Hobbys wie Velofahren und Segeln finden wird, kann bezweifelt werden. In der Schweiz war Matthiessen schon oft. Nicht nur, als er als enger Mitarbeiter Javier Solanas, des ersten «Aussenministers» der EU, als Gesandter für die Menschenrechte regelmässig in Genf weilte. Auch seine Skiferien verbrachte Matthiessen verschiedene Male in den Schweizer Bergen.

Seit 17 Jahren in Top-Positionen

Die Karriere des ambitionierten Vollblutdiplomaten nahm seinen Anfang im dänischen Aussenministerium 1982. Er arbeitete in den folgenden Jahren unter anderem als Privatsekretär des ehemaligen dänischen Premierministers Poul Schlüter, aber auch als persönlicher Berater von Ex-Nato-Generalsekretär Peter Carrington. Seit 17 Jahren ist Matthiessen, der auch Träger des dänischen Dannebrogger-Verdienstordens 1. Klasse ist, ausschliesslich für die EU-Institutionen in Top-Positionen tätig – zuletzt als Chefberater für die Beziehungen der EU nach Asien.

Am EU-Asien-Gipfel in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator von vergangenem Juli traf er bereits ein erstes Mal auf den Schweizer Bundespräsidenten Johann Schneider-Ammann im Rahmen des Treffens mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Kein «EU-Superstaatler»

Matthiessen gilt zwar als unbestritten loyaler EU-Diplomat, als glühender Föderalist und Anhänger eines «EU-Superstaates» wird er von Wegbegleitern aber nicht beschrieben. «Michael kennt und versteht durchaus die Bedürfnisse von kleineren Mitgliedsstaaten und assoziierten Ländern wie der Schweiz», sagt jemand, der ihn seit 25 Jahren kennt. Als die Dänen 1992 den Vertrag von Maastricht ablehnten, musste er als persönlicher Mitarbeiter des EU-Botschafters das Resultat der Volksabstimmung gegenüber Brüssel vertreten.

Auch seine Dossierkenntnis und Detailverliebtheit könnte eine Qualität sein, die der Schweiz mit ihrem komplizierten Regelwerk der bilateralen Verträge zugutekommen könnte. Matthiessen spricht ausser Dänisch fliessend Französisch, Englisch und Deutsch und kann sich zudem auf Italienisch ausdrücken. Seine Frau Dorte arbeitete bei der EU als Dolmetscherin und wird ihn nach Bern begleiten. Das Paar hat zwei Kinder, Charlotte (28) und Alexander (26).

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