"Bilder des Jahres"
Merkel im Schweizer Jahrhundert-Bauwerk – Fussball-Gott Ronaldo als Zuschauer

Es gab viele denkwürdige und besondere Ereignisse im Jahr 2016. Die "Nordwestschweiz"-Redaktion präsentiert Ihnen ihre "Bilder des Jahres". Klicken Sie sich durch die Galerie!

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Bild des Jahres von Raffael Schuppisser, Ressortleiter Leben & Wissen Mark Zuckerberg schreitet durch die Zuschauermenge – und kein Kopf dreht sich nach ihm um. Alle Besucher einer Pressekonferenz am World Mobile Congress tragen Virtual-Reality-Brillen; sie befinden sich in einer digitalen Welt und haben weder Augen noch Ohren für die Realität. Die technische Innovation, die der Elektronikhersteller Samsung diesen Frühling an der Handymesse in Barcelona gezeigt hat, ist beeindruckend. Doch die meisten Besucher wären wohl noch viel beeindruckter gewesen, hätten sie die Brille nicht aufgesetzt und stattdessen den Facebook-Gründer von ganz nah gesehen. Als sie aber die VirtualReality-Brillen abnahmen und zurück in der Realität ankamen, stand Zuckerberg bereits auf der Bühne und war damit unerreichbar weit weg.
8 Bilder
Bilder des Jahres 2016 (Mantelredaktion)
Bild des Jahres von Dagmar Heuberger, Ressortleiterin Ausland Larry the Cat vor Downing Street 10: Der «Chef-Mäusejäger des Kabinetts» war das erste Lebewesen, das sich am Morgen des 24. Juni, dem Tag nach der Brexit-Abstimmung, am Sitz des britischen Regierungschefs in London vor die Tür wagte. Erst viel später erschien David Cameron und verkündete seinen Rücktritt. Der Premier zog damit die Konsequenzen aus dem knappen, aber überraschenden Nein der Briten zum Verbleib in der EU. Larry bekam eine neue Mitbewohnerin – und die Briten eine neue Regierungschefin: Theresa May. Das Brexit-Votum und im November die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten waren die sichtbarsten Ergebnisse des Stimmungswandels in den westlichen Demokratien in diesem Jahr. Zugleich befindet sich in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden der Rechtspopulismus im Aufwind. Er wird Europa auch im kommenden Jahr herausfordern.
Bild des Jahres von Andreas Möckli, Ressortleiter Wirtschaft Für 43 Milliarden Dollar will die chinesische ChemChina den Basler Agrochemiekonzern Syngenta schlucken. ChemChina-Konzernchef Ren Jianxin und Syngenta-Präsident Michel Demaré haben den grössten Deal in der Schweiz in diesem Jahr Anfang Februar bekannt gegeben. Die geplante Übernahme ist ein klarer Beleg dafür, dass chinesische Konzerne es mittlerweile auch auf ganz grosse Firmen in Europa und der Schweiz abgesehen haben. Der Syngenta-Deal zeigt zudem eindrücklich auf, dass China längst nicht mehr nur die Werkbank des Westens ist. Vielmehr zeigt sich daran, wie das Land mittlerweile nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich auf Augenhöhe mit Europa und den USA mitspielt.
Bild des Jahres von Etienne Wuillemin, Ressortleiter Sport Es ist ein Moment, wie wir ihn noch nie gesehen haben. Der Moment, in dem aus der Maschine Cristiano Ronaldo ein Mensch wird. EM-Final, Portugal gegen Frankreich, früh scheidet Cristiano Ronaldo verletzt aus. Die Geschichte scheint geschrieben. Jene des tragischen Helden. Sein Schmerz ist unermesslich. Die Tränen fliessen. Aber dann kommt alles anders. In der Verlängerung ist Cristiano Ronaldo zurück. Als Trainer. In Turnschuhen steht er an der Seitenlinie. Er dirigiert. Er schreit. Einmal rempelt er den echten Trainer, Fernando Santos, fast aufs Feld. Als alles vorbei ist, als Portugal den ersten Titel seiner Geschichte gewonnen hat, jubelt Ronaldo, wie man es von ihm nur kennt, wenn er mindestens drei Tore selbst geschossen hat. Vielleicht hat er in seiner Karriere noch nie so viele Sympathien gewonnen wie in jenen Minuten.
Bild des Jahres von Stefan Künzli, Ressortleiter Kultur Lemmy Kilmister, Prince, Leonard Cohen und David Bowie. Die Kultur, die Pop- und Rockwelt hat innerhalb eines Jahres prägende Figuren verloren. Vor allem der Visionär David Bowie hat eine grosse Lücke hinterlassen. Im Unterschied zu den meisten anderen alternden Künstler hat der Engländer sich nie wiederholt und sein Werk selbst rezykliert. Bis zuletzt war er der Zukunft zugewandt und hat mit dem Album «Blackstar» ein Werk geschaffen, das weit über das Genre hinausragt. Ein eindrückliches kulturelles Vermächtnis und Statement für Kreativität und Innovation. «Blackstar» erschien am 8. Januar 2016, David Bowies 69. Geburtstag. Nur zwei Tage später ist er verstorben.
Bild des Jahres von Max Dohner, Autor Salvador Dalí war technisch ein Könner, aber kein Künstler von Rang. Ein Showmaler. Der Rolf Knie des Surrealismus. Das links ist ein Bild, das etwas an den Spanier Salvador Dalí erinnert. Es belegt den Surrealismus der Realität. Der Angestellte eines Aquariums in Singapur füttert vorbeischwebende japanische Meer-Brennesseln, ein Quallentyp. Der Mann muss mit einem Stab zielgerichtet vorgehen, taucht den halben Arm ein, der sich unter Wasser spiegelt. Nichts als Natur, fantastisch wie ein Traum. Lebendige Ozean-Poesie. Das reale Leben ist zusammengesetzt aus surrealen Stoffen. Was der Mensch als «Realität» bezeichnet, ist das schmale Band seiner halb blinden Wahrnehmung, die sich das Staunen abgewöhnt. Auch 2017 wird es sehr surreal weitergehen.
Bild des Jahres von Andreas Schaffner, stv. Chefredaktor Wissen Sie noch, im vergangenen Sommer? Plötzlich rannten Kinder mit ihren Smartphones umher und behaupteten, Pokémons zu fangen. Diese Fantasiefiguren, bekannt aus Videospielen und Fernsehserien in den Neunzigerjahren. Doch das Spiel Pokémon Go, mit dem die Figuren neues Leben eingehaucht bekommen haben, ist mehr als ein Videospiel: Die Pokémons werden per Zufallsprinzip in die virtuelle Landkarte des Spielers generiert. Der Spieler sieht also zusätzlich zum Bild, das die Kamera aufnimmt, eine dieser japanischen Trickfilmfiguren auf dem Bildschirm umherhüpfen. Ob in einem Laden, oder auf einem Friedhof, das spielt für den Zufallsgenerator keine Rolle. Für die umstehenden Menschen schon. Entsprechend häuften sich die Reklamationen, Verbotsschilder wurden mancherorts gar aufgestellt.

Bild des Jahres von Raffael Schuppisser, Ressortleiter Leben & Wissen Mark Zuckerberg schreitet durch die Zuschauermenge – und kein Kopf dreht sich nach ihm um. Alle Besucher einer Pressekonferenz am World Mobile Congress tragen Virtual-Reality-Brillen; sie befinden sich in einer digitalen Welt und haben weder Augen noch Ohren für die Realität. Die technische Innovation, die der Elektronikhersteller Samsung diesen Frühling an der Handymesse in Barcelona gezeigt hat, ist beeindruckend. Doch die meisten Besucher wären wohl noch viel beeindruckter gewesen, hätten sie die Brille nicht aufgesetzt und stattdessen den Facebook-Gründer von ganz nah gesehen. Als sie aber die VirtualReality-Brillen abnahmen und zurück in der Realität ankamen, stand Zuckerberg bereits auf der Bühne und war damit unerreichbar weit weg.