Jahresbericht
Menschenschmuggel befindet sich fest in kosovarischer Hand

Anstatt über die Grüne Grenze werden immer mehr Menschen mit gefälschten Dokumenten in die Schweiz geschleust . Die Fäden ziehen dabei in einem grossen Teil der Fälle Personen aus dem Kosovo. Ein attraktives Geschäftsmodell auf Kosten der Ärmsten.

Rinaldo Tibolla
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Eine Möglichkeit, um Menschen in ein Land zu schmuggeln: Versteck in einem alten Transporter.

Eine Möglichkeit, um Menschen in ein Land zu schmuggeln: Versteck in einem alten Transporter.

AFP

Menschenschmuggel in die Schweiz findet nicht mehr einfach über illegale Grenzübertritte statt, sondern subtiler und gewiefter - mit gefälschten Dokumenten.

Wie der gestern veröffentlichte Jahresbericht 2013 des Fedpol festhält, dienen diese nicht nur der vereinfachten Einreise, sondern werden auch eingesetzt, um eine Schweizer Aufenthaltsbewilligung zu erschleichen.

Zwar wurden im vergangenen Jahr immer noch 58 Prozent der Fälle ohne gefälschte Dokumente begangen, der Anteil mit falschen Pässen ist aber im Vergleich zum Vorjahr von 32 auf 41 Prozent gestiegen. Genaue Fallzahlen kann das Fedpol im Moment noch nicht liefern.

«Es ist generell ein wachsender Immigrationsdruck in die Schweiz zu verzeichnen», sagte FedpolDirektor ad interim Adrian Lobsiger nach der Präsentation des Jahresberichts. Menschenschmuggel über die grüne Grenze gestalte sich heutzutage schwieriger.

Pädophile: Untertauchen im Darknet

Gemäss dem gestern veröffentlichten Jahresbericht des Bundesamts für Polizei (Fedpol) sind die Meldungen über Kinderpornografie im Internet 2013 massiv zurückgegangen. Doch Kinderschänder tauchen mehr und mehr ins Darknet ab. In die Unterwelt des Internets können ihnen die Ermittler nur mit grosser Mühe folgen. Vereinfacht gesagt handelt es sich um jenen Teil des Internets, der von Google nicht angezeigt wird. Einige Bereiche werden von den Suchmaschinen schlicht nicht erfasst. Andere lassen sich nur mit speziellen Programmen öffnen. Sie dienen der Anonymisierung der Nutzer. Trotzdem wähnt sich das Fedpol nicht ganz machtlos: Opfer und Täter könnten unter Umständen identifiziert werden. Hinweise würden auch Forumsbeiträge oder Mailadressen liefern. (SDA)

Für das Grenzwachtkorps sei es mit den technischen Hilfsmitteln wie Drohnen oder Wärmebildkameras einfacher geworden, illegale Grenzübertritte festzustellen. Deshalb finde auch diese Verschiebung vom verdeckten Grenzübertritt zur Einreise mit gefälschten Dokumenten und juristischen Tricks statt.

Ein Business im Hintergrund

Bereits jetzt lässt sich aber laut Jahresbericht sagen, dass Menschenschmuggel vor allem im Kosovo ein lukratives Geschäft darstellt. Mit 25 Prozent ist der Anteil der Tatverdächtigen bei Staatsangehörigen aus dem Kosovo mit Abstand am grössten. Im Vergleich zum Vorjahr ist ihr Anteil um sechs Prozent gestiegen. Fünf Prozent macht die zweitgrösste Gruppe aus Syrien aus. Infolgedessen weist der Kosovo mit 40 Prozent auch die meisten Opfer von Menschenschmuggel auf.

Das Fedpol erklärt den hohen Anteil von Kosovaren mit der sehr grossen Diaspora in der Schweiz. Kosovarische Familien seien in ganz Europa gut vernetzt. Anders als die italienische Mafia seien diese «kriminellen Netzwerke» aber weniger hierarchisch aufgebaut. Vorwiegend gehe es ihnen darum, Geld in der Schweiz zu waschen, damit nachher im Kosovo Luxusgüter gekauft und Bauten finanziert werden könnten. Der Menschenschmuggel ist für diese Gruppierungen ein attraktives Geschäft geworden, das grosse Gewinne verspricht, während das Risiko einer strafrechtlichen Verfolgung vergleichsweise gering ist.

Dank der gefälschten Dokumente können die Täter aus dem Hintergrund agieren. Ihre Opfer stammen auch aus Nordafrika, Syrien und Afghanistan. Weil der Menschenschmuggel auch für Drogen- und Waffengeschäfte genutzt werde, spricht das Fedpol von einem Milliardengeschäft in Europa.

Bezüglich der Bekämpfung des Menschenschmuggels betont das Fedpol die wichtige Position des Polizeiattachés im Kosovo. Ein bilaterales Abkommen, das voraussichtlich im nächsten Jahr in Kraft tritt, werde es künftig erlauben, operativ und grenzüberschreitend tätig zu werden.