Dieter Minder

Erstmals wurde das Projekt Umfahrung Mellingen im grösseren Rahmen vorgestellt. Rund 440 Personen kamen dazu in die Mehrzweckhalle der Mellinger Schul- und Sportanlage Kleine Kreuzzelg. Zuerst stellten Regierungsrat Peter C. Beyeler und Projektleiter Werner Kaufmann vom kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) das Projekt vor. Danach erhielten Gemeindeammann Erika Schibli aus Wohlenschwil und Gemeindeammann Bruno Gretener aus Mellingen das Wort und schliesslich folgte eine Diskussionsrunde.

«Wir müssen Sorge tragen»

«Wir finden es gut, wenn sich Mellingen entwickeln kann, das darf aber nicht zu Lasten des kleineren Nachbarn gehen», sagte Gemeindeammann Erika Schibli aus Wohlenschwil. In ihrer Gemeinde stösst insbesondere der Umfahrungsabschnitt 2 auf Ablehnung. «Wir sind ein kleines Dorf mit guter Wohnlage, dazu müssen wir Sorge tragen.» Aber gerade der zweite Abschnitt könnte sich, so die Befürchtungen, negativ auf die Wohnqualität auswirken. Sie bemängelte zudem, dass der dritte Abschnitt im Konzept fehlt. Dieser war einst von der Lenzburgerstrasse in Richtung Tägerig vorgesehen. Schon vor Jahren wurde er durch die Mellinger aus der Planung gekippt. «Wenn der Abschnitt 2 kommt, verlangen wir den bestmöglichen Lärmschnutz», ergänzte Schibli: «Die gesetzlichen Vorgaben wären in diesem Falle unzureichend.»

Das kleine Zentrum im Reusstal

«Mellingen braucht die Umfahrung», sagte Gemeindeammann Bruno Gretener. Täglich queren rund 16 000 Fahrzeuge die Altstadt. «Das ist nicht länger tragbar.» Mellingen, die grösste Gemeinde im unteren Reusstal, erfüllt verschiedene zentralörtliche Funktionen. Die Gemeinde soll auch als Ort zum Einkaufen positioniert werden. «Wir wollen kein grosses Shopping-Paradies für das ganze Reusstal werden, aber wenn es uns gelingt, dass in Mellingen ein attraktiver Mix von grösseren und kleineren Geschäfte vorhanden ist, dann profitieren alle.» Das Entwicklungspotenzial für attraktives Wohnen und Gewerbe sei an der Birrfeldstrasse und der Lenzburgerstrasse vorhanden. «Zudem sollen attraktive Verbindungen ermöglichen, dass man in Mellingen gern wohnt, einkauft oder einen Spaziergang durch die Altstadt macht.» Dazu brauche es die ganze Umfahrung. Der Gemeinderat Mellingen ist überzeugt, dass das Projekt möglichst bald realisiert werden sollte.

Ein Tunnel wäre sehr teuer

Wesentlich ruhiger als angenommen verlief die Diskussion. Die im Vorfeld auch mit Flugblättern angekündigte Kritik kam nicht zu Tragen. Paul Vogler, Präsident des Vereins «Bye Bye Abschnitt 2», verlangte lediglich, dass das Naherholungs- und Naturschutzgebiet erhalten bleiben müsse. Selbst Regierungsrat Beyeler zeigte sich erstaunt: «Wir hatten mehr erwartet.» Der frühere Mellinger Stadtammann Paul Zürcher: «Ich verstehe die Wohlenschwiler», sagt er und regte an, den Abschnitt 2 tiefer zu legen. Zugleich betonte er, dass Mellingen unbedingt auf beide Abschnitte angewiesen sei. Ihm wurde geantwortet, dass die Strasse wegen des hohen Grundwasserspiegels nicht tiefer gelegt werden könne. Eine Versammlungsteilnehmerin machte sich für einen sicheren Schulweg stark. Ein Redner wollte den Abschnitt 2 als Tunnel bauen. «Können wir uns das leisten?», fragte Beyeler. Er verglich diesen Vorschlag mit dem Umfahrungstunnel Bad Zurzach, der etwa 85 Millionen Franken kosten würde. Auf die Gefahr für die Altstadt machte ein weiterer Versammlungsteilnehmer aufmerksam. Er erinnerte an Bremgarten, dessen Altstadtgeschäfte seit der Eröffnung der Umfahrung eingegangen sind. «Wir sind uns der Gefahr bewusst», sagte Gretener. Deshalb bleiben in der Altstadt auch die Parkplätze erhalten. «Die Kunden sollen immer zufahren können.» Rund 2 Stunden nach Beginn konnte Benno Schmid, Kommunikationsleiter des Baudepartementes, den Orientierungsabend schliessen.