Hans-Peter Wessels

«Mein Einstieg war unspektakulär»

Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels in seinem Büro am Münsterplatz.

Wessels

Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels in seinem Büro am Münsterplatz.

100 Tage im Amt: Der Vorsteher des Bau- und Verkehrsdepartements Basel-Stadt, Hans-Peter Wessels (BVD), erklärt unter anderem, warum TCS und Gewerbeverband nicht im Interesse ihrer Mitglieder handeln.

Yen Duong

Herr Wessels, seit 100 Tagen sind Sie Bau- und Verkehrsdirektor. Was haben Sie bis jetzt erreicht?

Hans-Peter Wessels: Nichts (lacht). Nein, meine Vorgängerin Barbara Schneider hat mir das Departement in einem sehr guten Zustand übergeben, so dass ich relativ ruhig anfangen konnte. Ich hatte in den drei Monaten auch nicht wirklich wahnsinnig kontroverse Geschäfte, die ich in der Regierung oder im Grossen Rat vertreten musste. Mein Einstieg war relativ unspektakulär.

Haben Sie das Departement bereits auf den Kopf gestellt?

Wessels: Nein, revolutionäre Änderungen meinerseits waren überhaupt nicht nötig. Neu ist aber, dass das Amt für Mobilität jetzt meinem Departement angehört. Das ist eine Riesenchance für uns.

Inwiefern?

Wessels: Alle Verkehrsträger können nun in einem Departement behandelt werden. Früher waren drei Departemente mit diesem Thema beschäftigt. Es ist nun einfacher, den Verkehr als Gesamtsystem in den Griff zu bekommen, ohne einzelne Verkehrsträger gegeneinander auszuspielen.

Apropos Verkehr. Im September soll die Abstimmung über den Umbau von Luzerner- und Wasgenring stattfinden. Der TCS und der Gewerbeverband sind gegen einen Umbau. Werden Sie die Abstimmung trotzdem gewinnen?

Wessels: Wir müssen gewinnen, alles andere wäre ein Desaster. Wenn wir verlieren, werden es weitere Verkehrsprojekte in Zukunft wahnsinnig schwer haben.

Wie meinen Sie das?

Wessels: Sollte es zu einem Nein an der Urne kommen, befürchte ich, dass wir in eine Polarisierung hineinlaufen. Dann werden sich immer zwei Fronten unversöhnlich gegenüberstehen. Unsere Vorlage ist vernünftig. Wir wollen die Verkehrskapazitäten erhöhen, weil wir seit Eröffnung der Nordtangente Mehrverkehr haben. Die Verkehrsverbände müssten doch dafür sein. Ich kann deshalb in keiner Art und Weise nachvollziehen, dass der TCS dagegen ist. Er operiert meiner Ansicht nach gegen das Interesse seiner Mitglieder. Es handelt sich zudem um ein Auftragsvolumen von 45 Millionen Franken für das Baugewerbe. Gerade jetzt in der Wirtschaftskrise ist dieses auf solche Aufträge angewiesen. Ich verstehe nicht, wieso der Gewerbeverband sich dagegen wehrt. Dieser handelt ebenfalls nicht im Interesse seiner Mitglieder.

Welches Projekt steht weit oben auf Ihrer Agenda?

Wessels: Der Ausbau der Regio-S-Bahn. Vor einigen Jahren hat man die S-Bahn in der Region eingeführt, doch sie weist eine grosse Schwäche im Zentrum auf. Damit die S-Bahn in der Region Basel wirklich an Fahrt gewinnt, ist es absolut essentiell, dass wir das Herzstück bauen können.

Da gibt es aber ein Problem: Baselland will eine Ringbahn. Wie geht es nun weiter?

Wessels: Es ist nicht Baselland, das eine Ringbahn will, sondern die landrätliche Kommission. Diese fordert aber nur, dass man die Möglichkeit einer Ringbahn in Betracht zieht. Nächste Woche werden wir in einer gemeinsamen Sitzung der Kommissionen das weitere Vorgehen diskutieren. Wenn die Variante Ringbahn nochmals geprüft werden soll, nehme ich das Ernst.

Vor kurzem haben Sie die Baubewilligung für Velohüsli abgeschafft. Wird es weitere Liberalisierungen geben?

Wessels: Wir arbeiten daran, dass es im Bereich Abbruch- und Zweckentfremdung von Wohnraum ebenfalls zu einer Liberalisierung kommt. Die Bausubstanz im Kanton Basel-Stadt ist sehr alt. Das liegt zum Teil daran, dass man Wohnraum praktisch nicht anfassen darf. Es soll demnach in Zukunft einfacher werden, Wohnungen abzubrechen und neu zu bauen. Wir müssen schliesslich ideale Voraussetzungen schaffen, damit Private im Kanton investieren.

Sie wollen also die Mieter aus ihren alten Wohnungen jagen?

Wessels: Nein, bestimmt nicht. Die Bausubstanz soll erneuert werden. Die Leute sollen dann zum Beispiel wieder in den Neubauten untergebracht werden.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit Ihrem Baselbieter Amtskollegen, Jörg Krähenbühl?

Wessels: Sehr gut. Wir sehen uns häufig, im Schnitt einmal pro Woche. Ich schätze ihn sehr als Mensch.

Und als Politiker nicht?

Wessels: Natürlich auch. Obwohl er in der SVP ist und ich in der SP bin, vertreten wir sehr viele gemeinsame Interessen, gerade im Verkehrsbereich.

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