«Mein deutsches Auto verkaufe ich bestimmt nicht»

Sein Büro in Aarau werde er nicht umgestalten, höchstens einige zusätzliche Pflanzen hineinstellen und das eine oder andere Bild aufhängen. Im Exklusiv-Interview mit der AZ verrät Alex Hürzeler einiges aus seiner Tätigkeit als Politiker, als Vereinsmitglied und aus seinem Leben als Privatperson.

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Für den als Gemeindeammann von Oeschgen gestern Montagabend offiziell zurückgetretenen Alex Hürzeler (vgl. Bericht auf dieser Seite) beginnt ein neuer, interessanter Lebensabschnitt – er wird heute Dienstagnachmittag im Grossratssaal in Aarau als Regierungsrat vereidigt und tritt sein Amt morgen Mittwoch an. Der neue Vorsteher des Departements Bildung, Kultur und Sport (BKS) nimmt seine neue Aufgabe voller Elan in Angriff.

Von vielen Magistraten ist bekannt, dass sie bei Amtsantritt ihr Büro nach eigenen Vorstellungen völlig neu einrichteten. Wird der neue Aargauer Erziehungsdirektor sein Büro in Aarau auch umgestalten?

Alex Hürzeler: Das Raumkonzept im Departement Bildung, Kultur und Sport, das sich im neuen und modernen Gebäude Behmen II in der Nähe des Aarauer Bahnhofs befindet, ist vorgegeben; es gibt nur eine kleine Umstellung im regierungsrätlichen Büro. Ich habe gerne Pflanzen, also werden einige platziert, und via Kunsthaus kann man Bilder auswählen, aber selbstverständlich nicht die wertvollsten Gemälde.

Aber sonst verändert sich doch bestimmt einiges. Auch bei den Vereinsaktivitäten von Alex Hürzeler?

Hürzeler: Das stimmt. Bereits in den vergangenen Monaten hat sich ja sehr viel verändert. Auch bezüglich meiner Vereinstätigkeiten bei den Schützen und im Turnverein. Seit dem Turnfest in Eiken, Ende Juni 2008, spiele ich nur noch Faustball. Es gibt sicher noch weitere Einschränkungen, was ich bedaure. Doch ich werde mich darum bemühen, am Vereinsleben dennoch teilzunehmen und den Kontakt nicht zu verlieren.

Dann sind ihre Zeiten der Vereinsreisen, zum Beispiel mit dem Turnverein, vorbei?

Hürzeler: Ja, da werde ich kaum mehr mitgehen können. Aber als Ehrenmitglied des TV Oeschgen bleibe ich mit dem Verein bestimmt in Verbindung, wenn auch nicht mehr als Aktivturner. Ich bin jetzt 44-jährig und müsste mich vom Alter her jetzt der Männerriege anschliessen.

Was tut Regierungsrat Alex Hürzeler sonst noch, um fit zu bleiben?

Hürzeler: Schon vor viereinhalb Jahren, im damaligen Regierungsratswahlkampf, musste ich ein wenig zurückstecken. Doch Skifahren in reduziertem Rahmen, das heisst, etwa an zwei Wochenenden im Winter, ist etwas, das ich gerne mache. Wandern gehört sicher dazu, denn in den Bergen, in der Natur, an der frischen Luft kann ich abschalten, mich erholen. Ausserdem spiele ich seit zehn Jahren Golf in Rickenbach im Schwarzwald.

Ferien bedeuten doch bestimmt auch Erholung.

Hürzeler: Das stimmt allerdings. Da ich seit einem Jahr nicht mehr in den Ferien war, verreiste ich kürzlich mit meiner Partnerin für zehn Tagen in die Karibik. Es war wunderschön. Von ehemaligen Regierungsräten habe ich den Tipp bekommen, gezielt Ferien zu machen, um ausspannen zu können. Ich werde ganz bestimmt im Sommer und im Herbst insgesamt zwei bis drei Wochen Ferien machen. Dabei ist mir schon klar, dass ich rund um die Uhr und das ganze Jahr Regierungsrat bin. Trotzdem möchte ich die Ferientage einplanen.

Welches sind Ihre bevorzugten Feriendestinationen?

Hürzeler: Wasser habe ich ganz gerne, ohne für mich in Anspruch zu nehmen, ein Wassersportler zu sein. Mich nur schon an einem See aufzuhalten ist schon fast wie Ferien. So hat eine Sitzung beispielsweise am Hallwilersee eine ganz andere Qualität als in Aarau in einem Büro.

Ein Stück weit zur Erholung gehört für Sie bestimmt auch das Essen. Reicht die Zeit, am Abend selber zu kochen?

Hürzeler (lacht): Dafür reicht die Zeit nicht. Durch die Auslastung mit Sitzungen, Einladungen und den verschiedensten Terminen bin ich weder der Hausmensch, noch der Koch und somit auch nicht der Gastgeber im eigentlichen Sinn. Ich esse zwar gerne und gut und trinke dazu ein Glas Roten – aber im Restaurant.

Was essen Sie denn am liebsten?

Hürzeler: Geschnetzeltes mit Rösti gehört zu meinen Favoriten. Aber auch Fisch esse ich gerne. Eigentlich bin ich bei allem dabei. Es kann auch mal ein Wurst-Käsesalat sein, etwa nach dem Turnen bei Turi im «Schwanen».

Wenn Sie sich meistens auswärts verpflegen können Sie sich ja die Einkaufstouren sparen...

Hürzeler: Das stimmt. Ich kaufe eher wenig ein. Wenn ich etwas benötige, bevorzuge ich die Volg-Läden oder hole auch oft mal noch etwas in einem Tankstellenshop.

Sie sieht man also kaum in einer Migros, in einem Coop oder in Oeschgen im Lidl?

Hürzeler: Das ist so. Aber nicht etwa, weil ich die Grossverteiler und die neuen Anbieter bewusst meide, sondern weil ich, wie erwähnt, einfach nur wenig benötige. Ich kann es auch so sagen: Kleinmengen brauche ich, nicht gleich ganze Familienpackungen.

Damit wären wir beim Thema Konsum, Wirtschaft und Arbeit. Die Situation ist allgemein nicht so rosig. Wie sehen Sie eine politische Einflussnahme des (Gesamt-)Regierungsrats auf die auch im Aargau schwieriger gewordene wirtschaftliche Situation?

Hürzeler: Die momentane Lage wird bestimmt einen Einfluss auf die Regierungstätigkeit haben. Wie weit wirtschaftliche Förderungsmassnahmen im Kanton gehen können, ist fraglich. Meiner Meinung nach sollte sich der Staat auch jetzt nicht zu stark einmischen.

Welchen Ratschlag erteilen Sie der Bevölkerung in der schwieriger gewordenen Zeit?

Hürzeler: Nicht in eine Depression verfallen und im persönlichen Umfeld positiv bleiben. Es ist nicht gut, wenn wir ins globale Klagelied einstimmen; wir müssen nach vorne schauen, das ist sehr wichtig.

In schlechten Zeiten sollte man erst recht jene Leute unterstützen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Sind Sie ein Mensch, der Hilfsorganisationen Geld spendet?

Hürzeler: Das ist so. Da und dort zähle ich zu den Spendern. Das reicht von der Sporthilfe und den SOS-Kinderdörfern bis zur Schweizerischen Rettungsflugwacht und der Barry-Foundation, die auf dem Grossen St. Bernhard für die Weiterführung der über 300 Jahre alten Bernhardiner-Hundezucht sorgt. Ich unterstütze die Sammlungen der Samariter und mache auch bei Schoggitaler-Aktionen mit. Persönlich bevorzuge ich diese breitgefächerte Vergabe von Spendengeldern.

Was sagen Sie zu den Spannungen zwischen Deutschland und der Schweiz durch gewisse Aussagen des deutschen Finanzministers Steinbrück?

Hürzeler: Beides sind selbstständige Staaten, weshalb ich die Provokationen total unnötig und absolut fehl am Platz finde. Diese Tonalität passt mir gar nicht. Dennoch sollten wir nicht auf gleich tiefem Niveau zurückgeben. Man muss bedenken, dass die Deutschen und die EU wirtschaftlich arg unter Druck stehen und daher versuchen, etwas für sich zu bewegen. Steinbrück hat einen Nebenkriegsschauplatz entdeckt – wir Schweizer müssen zu unseren Werten und zu unserer Eigenständigkeit stehen, auch zum Bankgeheimnis.

Sie fahren demnach weiterhin einen deutschen Wagen?

Hürzeler: Das ist richtig. Mein deutsches Auto verkaufe ich ganz bestimmt nicht. Aber ich betone nochmals: Dem Image von Deutschland waren die jüngsten Ereignisse, bezogen auf die Schweiz, gar nicht förderlich.