Baselland

Mehrheit für Solaranlagen

Energieförderung komme vor Denkmalschutz, schliesst sich Myrtha Stohler den Grünen an. (Bild: Archiv)

Solaranlagen

Energieförderung komme vor Denkmalschutz, schliesst sich Myrtha Stohler den Grünen an. (Bild: Archiv)

Sonnenenergie muss genutzt werden, sind sich alle Parteien einig. Mehr Entscheidungskompetenz für die Gemeinden wünschen sich FDP und CVP.

Alessandra Paone

Bis auf den Baselbieter Heimatschutz, der sich vehement gegen Sonnenkollektoren auf Dächern in der Kernzone wehrt, sind sich im Kanton mehr oder weniger alle einig: Die Bemühungen der Regierung, die Sonnenenergie entschiedener zu nutzen und so fossile Energieträger zu ersetzen, ist zu begrüssen. Doch gehen die Meinungen in Bezug auf die Bewilligungspraxis für Solaranlagen in Kernzonen und die Einflussnahme der Gemeinden auseinander.

«Erneuerbare Energien und somit auch Solaranlagen sind unsere Zukunft», sagt Myrtha Stohler, Präsidentin des Verbands Basellandschaftlicher Gemeinden (VBLG) und SVP-Landrätin. Sicher sei das Energiegewinnungspotenzial durch Solaranlagen im Siedlungsgebiet grösser als in der Kernzone, erkennt die Diegter Gemeindepräsidentin. Doch müsse auch dort die Möglichkeit bestehen, Solaranlagen zu installieren - wenigstens für die Warmwasseraufbereitung.

Mit ihrer Auffassung steht Stohler aber innerhalb des VBLG-Vorstands ziemlich alleine da. Dieser lehnt nämlich die Bewilligungspraxis, wie sie die Bau- und Umweltschutzdirektion vorschlägt, entschieden ab, weil mit Solaranlagen in den Kernzonen nur wenig Energie gewonnen werden könne (bz von gestern).

Mehr Autonomie für Gemeinden

«Wir leben in einer modernen Welt, die sich immer weiter entwickelt. Da sollte man nicht kompromisslos auf der Wahrung des Ortsbildes beharren», geht Stohler einen Schritt weiter. Ausserdem habe sie persönlich nicht das Gefühl, dass Sonnenkollektoren die Gebäude verunstalten. Und: Energieförderung komme vor Denkmalschutz, bringt es die VBLG-Präsidentin auf den Punkt.

Die Bedenken des VBLG, die Gemeinden hätten zu wenig Einfluss, versteht Myrtha Stohler aber voll und ganz. Es müsse in jedem Fall den einzelnen Gemeinden überlassen sein, darüber zu entscheiden, ob sie Solaranlagen in ihren Dorfkernen zulassen wollen. So findet sie zum Beispiel, dass im Dorfkern ihrer Wohngemeinde Diegten durchaus Sonnenkollektoren installiert werden können. Diegten sei ein Zeilendorf und der gesamte Ortskern bilde sich entlang der Hauptstrasse. Da solle es möglich sein - wenn auch die Ausrichtung der Anlagen nicht optimal sei -, nach Bedarf Sonnenkollektoren zu montieren. Nicht zuletzt auch, weil das Ortsbild kaum gross verschandelt werden könne.

SVP: Weitere Lockerung unnötig

Ein bisschen distanziert sich Myrtha Stohler auch von der Meinung ihrer Partei. Denn die SVP ist mit der vorgeschlagenen Bewilligungspraxis der Regierung gänzlich einverstanden. Diese trage den Anliegen des Heimatschutzes weiterhin gebührend Rechnung, berücksichtige aber auch die Anliegen der Eigentümer, die Solaranlagen montieren wollen, so Thomas de Courten, Präsident der landrätlichen SVP-Fraktion.

Die SVP wünscht im Vergleich zu den Grünen im Moment aber keine zusätzliche Lockerung: Ein Blick auf die Baselbieter Dächer genüge, um festzustellen, wie wenig Solaranlagen bereits montiert worden seien und wie wenig freie Dachflächen dafür noch zur Verfügung stünden. Fazit: Grüne Themen würden zwar gerne verbreitet, den Worten folgten aber nur selten Taten.

Vorwiegend kommunale Lösungen wünschen sich die Freisinnigen und die CVP. «Wir wollen keine umfassenden Verbote, sondern die zum Teil wesentlich liberaleren Regelungen der kommunalen Zonenvorschriften beibehalten», schreibt FDP-Präsident Michael Herrmann in der Vernehmlassungsantwort an die Bau- und Umweltschutzdirektion. Ähnlich die CVP: Damit die Bewilligungspraxis den lokalen Gegebenheiten angepasst werden könne, sollte die Verantwortung bei den Gemeinden liegen. Die FDP erachtet zudem die Installation von Sonnenkollektoren auf Kulturdenkmälern als unzulässig. Die Solaranlagen müssten überdies gestalterisch ins Ortsbild eingepasst werden.

Die SP unterstützt im Grundsatz die vom Kanton vorgeschlagene Bewilligungspraxis, beharrt aber auf dem «wichtigen Ortsbildschutz» mit der Bemerkung, dass «die Energiewende im Kanton Baselland nicht definitiv auf den Dächern der Kernzone stattfindet».

Gegen ein grundsätzliches Verbot von Solaranlagen in national geschützten Kernzonen äussert sich die EVP.

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