Riskante Profilierungssucht

Mehr Unfälle wegen Selfie-Trend: Braucht es ein Handyverbot in Schweizer Skigebieten?

Wintersportler posieren nicht nur vor Bergkulisse, sie gehen dafür immer mehr waghalsige Aktionen ein.

Wintersportler posieren nicht nur vor Bergkulisse, sie gehen dafür immer mehr waghalsige Aktionen ein.

In diesen Wochen startet in vielen Schweizer Skiorten wie unter anderem Zermatt, Arosa, Saas-Fee oder Engelberg die Wintersaison. Die traumhaften Bergkulissen verlocken Pisten-Teilnehmer oft zu riskanten Selfie-Aktionen, denn je spektakulärer der Ort, je mehr Klicks und Likes.

Es sind vor allem Jugendliche, die sich, während sie mit Skis oder dem Snowboard über die Pisten rasen, fotografieren oder filmen – und damit nicht nur sich selber gefährden. Auch sieht man immer mehr Leute auf den Brettern, die Musik hören: Das lenkt ab und erhöht das Risiko, auf der Piste einen Unfall zu bauen.

Bei der schweizerischen Unfallversicherung Suva ist das Problem bekannt: «Wer das Handy während der Fahrt für Fotos oder Videoaufnahmen nutzt, nimmt die Gefahren nicht mehr in angemessener Zeit wahr. Dies kann zu Unfällen führen. Zurzeit beobachten wir die Trends», zeigt sich Sprecherin Barbara Senn besorgt.

Auch Musik lenkt stark ab. «Falls die Unfälle durch Ablenkung oder Handynutzung steigen, werden wir darauf mit Präventionsmassnahmen reagieren. Grundsätzlich appellieren wir an die Eigenverantwortung eines jeden einzelnen Schneesportlers.»

Das Problem der Verheimlichung

Genaue Zahlen zu Unfällen wegen Handys auf Skipisten gibt es nicht, denn «im Unfallprotokoll gibt kaum jemand an, dass er wegen der Handynutzung gestürzt ist – sei dies aus Selbstschutz, aus Angst vor versicherungstechnischen Konsequenzen oder einfach, weil der Versicherte den Unfallhergang nicht in diesem Detailgrad beschreibt», sagt Senn.

Pistenanlagen in Skigebieten stellen ähnlich wie das Strassennetz, einen Verkehrsraum dar. Die Nutzer der Pisten sind dafür verantwortlich, dass sie sich und andere Menschen nicht gefährden. Der internationale Skiverband (FIS) hat zehn Verhaltensregeln für Skifahrer und Snowboarder. Diese Sorgfaltspflichten sind für alle Benützer von Skiabfahrten verbindlich und werden auch von der Justiz für die Beurteilung von Unfällen beigezogen.

Besser eine Helmkamera montieren

Eine zusätzliche Verhaltensregel für den Umgang mit dem Handy auf Pisten, will die FIS diese Saison noch nicht einführen, sagt Sprecherin Melanie Strauch. Simona Altwegg von Zermatt Tourismus hofft auf vernünftige Pisten-Teilnehmer: «Grundsätzlich raten wir unseren Gästen, Rücksicht auf andere Pistenbenützer zu nehmen und für Foto- und Videoaufnahmen nur an übersichtlichen Stellen anzuhalten.» Zu beobachten sei, dass viele Skifahrer, die sich filmen oder fotografieren möchten, eine Helmkamera tragen und somit keine Gefahr darstellen.

Auch wenn es wegen Handys auf Skipisten immer wieder böse Unfälle gibt, eine Einschränkung oder gar ein Verbot auf Schweizer Pisten ist undenkbar und gemäss der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) auch nicht im Sinne einer Unfallprävention. Denn laut BfU-Sprecher Nicolas Kessler stellt das Handy ein wichtiges Element bei der Alarmierung dar.

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