Forensische Station

Mehr Sicherheit für alle: Forensische Station für Straftäter eröffnet

Der Aargau ist für die stationäre psychiatrische Behandlung von Straftätern eingerichtet. Die forensische Station der Klinik Königsfelden ist offiziell eröffnet.

Urs Moser

Die Psychiatrischen Dienste betreiben seit letztem Sommer in der Klinik Königsfelden eine forensische Station. Gestern wurde sie offiziell ihrer Bestimmung übergeben. «Die Forensik erlebt durch die massiv gestiegene Zahl von angeforderten Gutachten und die steigende Anzahl von Einweisungen in Einrichtungen für psychisch gestörte und kranke Straftäter einen starken Aufschwung», sagte dazu Regierungsrat Urs Hofmann.

Keine Verwahrungsstation

Das kann Josef Sachs, der Leitende Arzt Forensik in Königsfelden, nur bestätigen. Um die 400 psychiatrische Gutachten über Straftäter pro Jahr werden erstellt, eine offizielle Einrichtung für den Massnahmenvollzug gab es im Aargau aber bislang nicht, auch wenn immer Patienten zum Vollzug einer strafrechtlichen Massnahme in Königsfelden eingewiesen wurden. Jetzt stehen dafür 14 spezielle Betten zur Verfügung, dazu kommen zwei so genannte Kriseninterventionsbetten. Hier geht es vor allem um Untersuchungshäftlinge oder Strafgefangene, die wegen Selbstmordgefährdung oder anderer psychischer Ausnahmezustände für kurze Zeit eingewiesen werden und meist nach kurzer Zeit wieder in die Haft zurückkehren.

Josef Sachs betont, dass es sich bei der forensischen Station nicht um eine Verwahrungseinrichtung handelt. Als gemeingefährlich eingestufte Straftäter werden hier nicht untergebracht. Hingegen herrschen schon deutlich erhöhte Sicherheitsvorkehrungen. Dass nun Patienten für eine gerichtlich angeordnete Therapie gesondert untergebracht werden können, bringt zweierlei Vorteile. Auf der einen Seite sei eine effektiv deliktbezogene Behandlung möglich, was die Erfolgsquote erheblich steigere beziehungsweise die Rückfallgefahr deutlich verringere, so Sachs. Auf der anderen Seite können die allgemeinen Abteilungen mit gelockerten Sicherheitsstandards geführt und offener werden, wenn dort nicht auch Straftäter untergebracht sind.

Lange Warteliste

Alle 14 Plätze sind belegt, und das dürfte so bleiben. Allein mit den Patienten auf der Warteliste könnte man eine zweite Station eröffnen, sagt Josef Sachs. Bei den Insassen beziehungsweise Patienten handelt es sich um Männer (es könnten auch Frauen sein, aber das ist viel seltener), die eine oder mehrere Straftaten aus einer psychischen Erkrankung heraus begangen haben, meist Sexualdelikte oder Delikte gegen Leib und Leben.

Die Hauptdiagnosen lauten auf Persönlichkeitsstörungen und Schizophrenie, bei manchen kommen Suchterkrankungen und verminderte Intelligenz dazu. Die Aufenthaltsdauer reicht von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren. Die Arbeit in der forensischen Station ist personalintensiver als in der Allgemeinpsychiatrie. Sie wird von Oberärztin Anke Ripper in einem 50-Prozent-Pensum geleitet, dazu kommen eine Assistenzarzt- und eine Psychotherapeuten-Stelle, je 80 Stellenprozent für Sozialarbeit und Ergotherapie und 1500 Stellenprozent für die Pflege.

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