Bern
Mehr Profil für die Gymnasien

Gestern stellte der Kanton den ersten Mittelschulbericht vor. Der Zugang zu den Hochschulen soll noch verbessert werden.

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Gymi

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Berner Rundschau

Johannes Reichen

Frauenlastiger Gymer

Der Frauenanteil an den bernischen Gymnasien beträgt 60 Prozent. In den vergangenen Jahren betrug die Maturitätsquote bei den Frauen stets mehr als 20 Prozent, bei den Männern immer unter 15 Prozent. «Das Gymnasium stellt hohe Anforderungen an die Absolventen», sagt Theo Ninck vom Mittelschulamt, was den jungen Frauen eher entspreche. «Sie sind lernbereiter als junge Männer», sagt Theo Ninck vom Mittelschulamt. Doch der Kanton möchte einerseits die Gymnasien für die Männer wieder attraktiver machen, und anderseits dafür sorgen, dass Profilfächer nicht nach «geschlechterstereotypischen Mustern» gewählt werden. Denn die Unterschiede müssen Gleichstellungsfanatikern wohl Tränen in die Augen treiben: Der Männeranteil im SchwerpunktfachPhilosophie, Pädagogik. Psychologie beträgt 30 Prozent, der Frauenanteil in Physik und Anwendungen der Mathematik dafür 24 Prozent. Auch der soziale Status soll künftig eine geringere Rolle spielen: Junge aus «bildungsfernen Familien» sollen sich vom Gymer ebenso angesprochen fühlen. (joh)

An der gymnasialen Ausbildung im Kanton Bern gibt es nicht viel auszusetzen. Die Maturandinnen und Maturanden werden «grundsätzlich gut» auf ein Hochschulstudium vorbereitet. Die geforderte Allgemeinbildung, dieFörderung der Persönlichkeit sowie die Hochschulreife werden erreicht. Auch im Rückblick bewerten bernische Studierende die gymnasiale Bildung als positiv.

Zu diesem Schluss kommt der erste Mittelschulbericht des Kantons Bern, der gestern an der Mittelschulkonferenz in Bern vorgestellt wurde. Aber Verbesserungspotenzial ist durchaus vorhanden. Er wurde im Auftrag von Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) erstellt.

«Wir müssen das Profil der Gymnasien schärfen», sagt Theo Ninck, Vorsteher des Mittelschul- und Berufsbildungsamts. Die Gymnasien würden noch nicht einheitlich wahrgenommen - im Gegensatz etwa zur Berufsausbildung. In wenigen Worten wird zusammengefasst: «Das Gymnasium soll der Ort sein, an dem Jugendliche sowohl mit intellektuellen, reflexiven und künstlerischen Zugängen bekannt werden.» Eine Arbeitsgruppe wird sich nun mit dem Image der Gymnasien beschäftigen.

Die Qualität des Bildungsgang kann aber noch verbessert und gezielter auf die Hochschule ausgerichtet werden. Darum soll die Maturitätskommission noch gestärkt werden und der kantonale Lehrplan noch gezielter umgesetzt werden. Damit sollen auch die Leistungen besser vergleichbar werden.

«Wünschenswert»

Umstritten ist die Frage der Struktur der Gymnasien. Im Juni hatte sich der Grosse Rat gegen einen vierjährigen Gymer ausgesprochen. Gemäss einer Evaulation gibt es aber gute Gründe dafür, denn die kürzere Bidlungszeit wirke sich negativ auf die schulischen Leistungen aus. «Es gibt keine Indizien, dass die Ausbildungsqualität ungenügend wäre», sagt Ninck. Tatsache sei aber, dass die Qualität eines Gymers ohne Unterbruch sich als besser erwiesen habe.

Bern ist der einzige Kanton in der Deutschschweiz, der zwei Modelle kennt und in dem das 9. Schuljahr zur gymnasialen Ausbildung zählen kann. Nur rund die Hälfte der Gymnasiasten besucht die Quarta. Gemäss Bericht ist es «wünschenswert», davon abzukommen. Die Frage gilt es in der Revision des Volksschulgesetzes 2012 zu klären.

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