Markus Vogt

Das Nadelöhr der Tramlinie 11, der bestfrequentierten in der ganzen Nordwestschweiz, befindet sich in der St. Johanns-Vorstadt zwischen den Hausnummern 7 und 27: Auf diesem 130 Meter langen Stück liegen die beiden Geleise zu nahe beieinander. Nur ältere Tramtypen können dort kreuzen, nicht aber Combinos und Tangos: Diese neusten Fahrzeuge sind breiter, weisen die «Normbreite» auf, und können sich daher nur an den Haltestellen kreuzen. Das soll mit einer Sanierung mit minimalem Aufwand behoben werden: 1,1 Millionen Franken kostet es, das eine Gleis (dasjenige Richtung Innenstadt) um einige Zentimeter Richtung Spitalstrasse zu verlegen.

«Wir legen eine absolute Minimalvariante vor», sagte Michael Wüthrich (GB), Präsident der Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission (Uvek). Er vertrat für einmal nicht die ganze Kommission, sondern nur die sechsköpfige Mehrheit. In einem zentralen Bereich des Tramnetzes könne man es sich nicht länger erlauben, eine Quasi-Einspurstrecke zu betreiben, fügte er noch an.

Für die Bürgerlichen nicht dringlich

Die fünfköpfige Uvek-Minderheit wollte von diesem Sanierungsvorschlag nichts wissen, erklärte deren Sprecher Christian Egeler (FDP). Das Projekt sei zu wenig auf das abgestimmt, was in seinem Umfeld geschehe, also beim UKBB-Neubau, beim Schällemätteli, bei der Johanniterbrücke und beim Petersgraben. Das Projekt sei ferner unbefriedigend und nicht dringlich, die Tangos könnten auch auf anderen Linien eingesetzt werden.

Der Zeitverlust, den die Trams zuweilen einfahren, wenn sie wegen des Kreuzungsverbots warten müssen, sei gering und verkraftbar. Schlecht sei sodann die Information, vor allem gegenüber den Anwohnern, und zunächst sei unbedingt zu klären, ob der 11er nicht ganz in die Spitalstrasse transferiert werden könnte.

Regierungsrat Hans-Peter Wessels erklärte, die Verlegung in die Spitalstrasse werde so oder so geprüft, egal was der Grosse Rat heute entscheide. Jetzt wolle man möglichst wenig Geld in die Hand nehmen, deshalb die minimale Vorlage. Etwas unter Zeitdruck stehe man sehr wohl, denn die neuen Trams seien bestellt und kämen nach und nach zum Einsatz. (Vier gelbe Tangos der BLT fahren bereits.)

Bevor ein Flickwerk entstehe, sollte die Variante Spitalstrasse geprüft werden, meinte Bruno Jagher (SVP). Ihn stört auch, dass 18 Parkplätze aufgehoben werden sollen. Urs Schweizer (FDP/CVP) sprach von einem Murks und verlangte eine Gesamtschau zur Liniennetzplanung der BVB. Enttäuscht sei er von der BLT, die Tangos kaufe und erst danach merke, dass sie nicht kreuzen könnten. Eine umfassende Planung forderte Aeneas Wanner (GLP), die Sache sei nicht dringlich. Gegen eine Pflästerlilösung war Thomas Mall (LDP), 15 Sekunden Wartezeit könne man gut verkraften. Alle Bürgerlichen verlangten Rückweisung des Geschäfts.

Hindernisse für den ÖV eliminieren

Der Grosse Rat habe schon mehrfach gefordert, Hindernisse für den ÖV abzubauen, sagte Christoph Wydler (EVP/DSP), und hier behindere sich der ÖV sogar selber. Die angestrebte Verbesserung koste möglicherweise Parkplätze. In Zürich seien die Parkplätze entlang der Tramrouten konsequent aufgehoben worden, fügte Wydler an.

Dass die Regierung (und die BVB) über die Optimierung des Tramnetzes nachdenke, sei richtig, befand Patrizia Bernasconi (GB). Doch diese Gleisanpassung sei seit langem nötig. Jörg Vitelli (SP) erinnerte daran, dass die BVB in den letzten Jahren auf allen Tramstrecken die Abstände zwischen den Geleisen ausgeweitet hat - nur im St. Johann noch nicht. Für Vitelli ist auch wichtig, dass die Sanierung mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer bringt. Mit 49:41 wurde der Rückweisungsantrag abgelehnt, mit 51:38 der Kredit von 1,1 Millionen Franken bewilligt.