Berner Fachhochschule
Mehr Geld, weniger Standorte

Die Berner Fachhochschule (BFH) blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück: Mit dem Beginn von 14 Masterstudiengängen stärkte die BFH ihre Position; weitere sechs sollen bis 2010 folgen. Mittelfristig möchte die BFH ihre 32 Standorte mit einem Campus «irgendwo in der Stadt Bern» konzentrieren und die Forschung und Entwicklung intensivieren.

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Fachhochschule Bern

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Berner Rundschau

Bruno Utz

Um rund 23 Prozent auf insgesamt 4316 stieg letztes Jahr die Zahl der Studierenden in Bachelor und Masterstudiengängen. 39 Prozent waren Frauen, 10 Prozent Ausländer. Neueintritte gab es laut Rektor Rudolf Gerber rund 1800. «Master»-Studierende habe die BFH etwa 60 mehr erwartet. «Aber die meisten Werte haben wir erreicht. Insgesamt verläuft die Entwicklung der BFH planmässig», so Gerber. Im kommenden Herbst werde die BFH vier neue Master-Studiengänge anbieten, zwei weitere auf Beginn des Schuljahres 2010/2011 (Pflege und Physiotherapie). Gerber rechnet damit, dass als Folge der Wirtschaftskrise die Studierendenzahlen ansteigen werden. «Viele werden sich weiterbilden um fit zu sein, wenn die Wirtschaft wieder läuft.»

Rund 97 Prozent der Studienabsolventinnen und -absolventen hätten im vergangenen Jahr einen ihrem Studium entsprechenden Arbeitsplatz gefunden. Die BFH lege grossen Wert auf eine praxisnahe Ausbildung. Die Weiterentwicklung der angewandten Forschung und Entwicklung sowie die Stärkung des Wissens- und Technologietransfers seien dementsprechend auch 2008 Schwerpunkte gewesen. «Wir konnten uns als innovativer Partner für Unternehmen positionieren, die gemeinsam mit der Hochschule neues Wissen für Produkte und Dienstleistungen generieren und erfolgreich im Markt umsetzen wollen», so Gerber.

Angewandte Forschung ausbauen

Die angewandte Forschung und Entwicklung wolle und müsse die BFH weiter ausbauen, betonte auch Georges Bindschedler. Laut dem Präsidenten des Schulrates wird der Wettbewerbsdruck innerhalb der Schweiz und mit dem Ausland zunehmen. Die Zahl der Studierenden werde noch einige wenige Jahre zunehmen, dann aber wegen der Demographie abflachen. Im Werben um Studierende werde die Bedeutung der angewandten Forschung zunehmen, anderseits sei es wichtig, dass die BFH ihre Standorte konzentriert. «Von unseren heute 32 Standorten müssen wir auf eine überschaubare Zahl kommen», so Bindschedler.

Als Vision nannten Bindschedler und Gerber sogar «einen Campus für alle Disziplinen irgendwo in Bern». Darüber werde jedoch die Politik entscheiden. Erste Gespräche mit Verantwortlichen von Erziehungsdirektion und Baudirektion hätten stattgefunden. Die Standortfrage sei auch bezüglich der Attraktivität und der Identität der BFH von Bedeutung. «Es wird immer wichtiger, dass die Schule gut erreichbar ist und den Studierenden ein attraktives Umfeld bietet», so Bindschedler.

Das wüssten auch die anderen Fachhochschulen, die mit der Konzentration der Standorte bereits begonnen hätten. So investiere etwa die Fachhochschule Nordwestschweiz eine halbe Milliarde Franken in Campus-Lösungen in Brugg-Windisch, Olten und Basel.

Mehr Geld vom Kanton

Vom Kanton erwarte die BFH einen höheren Beitrag. Der Staatsbeitrag müsse von gut 93 Millionen Franken im Berichtsjahr auf rund 104 Millionen im Jahr 2011 ansteigen. Für die nächsten ein bis zwei Jahre reichten die Reserven von derzeit 11 Millionen Franken noch aus. Sparen sei relativ schwierig. «Um einen Studiengang einzustellen, braucht es drei bis vier Jahre», so der Schulratspräsident. Müsste die BFH sparen, so wäre auch die Forschung und Entwicklung betroffen.

Laut Patricia Buholzer, Leiterin Finanzen, steuerte der Bund letztes Jahr 31,4 Millionen Franken an die gesamten Erträge von 217,1 Millionen bei. Auf der Kostenseite seien knapp 106 Millionen Franken in die Lehre geflossen, 15 Millionen in die Weiterbildung und rund 47 Millionen in die anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung. Dienstleistungen hätten mit 11 Millionen zu Buche geschlagen. Die BFH beschäftigte im Berichtsjahr verteilt auf 1123 Vollzeitstellen 3518 Personen, 2487 davon im Lehrkörper.