Kanton Zürich investiert am Paul-Scherrer-Institut
Mehr Geld für Protonentherapie

In der Krebsmedizin will Zürich derzeit keine eigene Protonentherapieanlage aufbauen. Stattdesssen soll das Paul-Scherrer-Institut, Pionier in diesem Bereich, unterstützt werden.

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Keystone

Oliver Steimann

Zwar will der Regierungsrat Zürich als Standort für Spitzenmedizin gezielt fördern. Das schliesst jedoch nicht aus, dass gewisse Leistungen ausgelagert werden. Bei der Protonentherapie, einer effizienten, aber auch sehr teuren Krebsbehandlungsmethode, ist genau dies vorgesehen. Wie die Regierung gestern mitteilte, soll auf den Aufbau eines eigenen Zentrums in Zürich vorläufig verzichtet werden. Ein solches hätte Investitionen von 200 bis 300Millionen Franken verursacht.

Extrem präzise Eingriffe möglich

Stattdessen möchte die Kantonsregierung mit dem einzigen Schweizer Anbieter auf diesem Gebiet, dem Paul-Scherrer-Institut (PSI) im aargauischen Villigen, zusammenarbeiten. Gemäss Martin Jermann, Vizedirektor und Leiter dieses Forschungsbereichs, hat das PSI bereits 1984, als erste Institution in Europa, die Protonentherapie angewendet. Heute habe man weltweit eine führende Rolle inne.

Im Gegensatz zur herkömmlichen Bestrahlung können Tumore mit der Protonentherapie viel gezielter bekämpft werden. Sie kommt jeweils dann zur Anwendung, wenn extrem präzise Eingriffe gefragt sind – beispielsweise im Gehirn, an den Augen oder in der Wirbelsäule. Ungeeignet ist die Methode hingegen bei Tumoren, die bereits Metastasen gebildet haben. «Das alles ist jedoch nur ein kleiner Bereich möglicher Anwendungen dieser Therapie», so Jermann.

Gewisses Investitionsrisiko

«Es laufen weltweit Studien, auch hier am PSI, um abzuklären, in welchen anderen medizinischen Bereichen die Methode auch noch erfolgversprechend wäre.» Weil die Protonenbestrahlung sehr teuer sei, bestehe bei der Anschaffung der Geräte vorläufig aber ein gewisses Investitionsrisiko.

Am PSI werden heute bis zu 150Patienten pro Jahr behandelt. Ein zweiter, hochmoderner Behandlungsraum befindet sich derzeit im Bau und soll Anfang 2011 den Betrieb aufnehmen. Wie Jermann erklärt, kann mit den Mitteln aus Zürich ein dritter solcher Raum eingerichtet werden. Dieser soll den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechen und sowohl zu Behandlungs- wie zu Forschungszwecken dienen.

20Millionen aus Lotteriefonds

Der Regierungsrat hat die Universität und das Universitätsspital Zürich bereits ermächtigt, eine entsprechende Absichtserklärung mit dem PSI zu unterzeichnen. Laut dem Regierungsrat erachten es Unispital und Uni als sinnvoll, gemeinsam die bestehenden Kapazitäten am PSI um einen Behandlungsplatz zu erweitern, damit Erfahrungen gesammelt und neue medizinische Indikationen geprüft werden könnten.

Zur Finanzierung sollen 20Millionen Franken aus dem Lotteriefonds bereitgestellt werden. Diese Investition muss zunächst allerdings noch vom Zürcher Kantonsrat bewilligt werden.