Diplomatie
Mehr als ein «Briefkasten»: Iranischer Botschafter lobt die Rolle der Schweiz

Erstmals im wieder aufgeflammten Konflikt zwischen Washington und Teheran nimmt Irans Botschafter in Bern Stellung. Auch alt Bundesrätin Micheline Calmy-Rey betont die Arbeit der Schweiz in dem Konflikt.

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Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga empfängt Irans Botschafter Haji Karim Jabbari diese Woche beim traditionellen Empfang im Bundeshaus.

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga empfängt Irans Botschafter Haji Karim Jabbari diese Woche beim traditionellen Empfang im Bundeshaus.

Alessandro Della Valle/Keystone

(sat) Viel ist bereits geschrieben worden über die Rolle der Schweiz in der wieder aufgeflammten Krise zwischen den USA und dem Iran. Nun meldet sich der iranische Botschafter in Bern zu Wort und lobt ebenfalls Bundesberns Rolle im Konflikt zwischen Teheran und Washington. «Wir glauben, dass die Schweiz eine aktive und einflussreiche Rolle spielt», sagt Haji Karim Jabbari im Interview mit dem «SonntagsBlick».

Er sei überrascht zu hören, dass manche diese Rolle mit jener eines «Briefkastens» beschrieben. «Die Überbringung von Nachrichten zwischen zwei Ländern, die keine freundschaftlichen Beziehungen pflegen, ist keine einfache Aufgabe.» Das erfordert laut dem 58-Jährigen viel Expertise.

Überdies schlage die Schweiz in dem Konflikt, der zuweilen am Rand eines Krieges steht, eine Reihe von Optionen vor, die laut dem iranischen Botschafter in Bern zu Frieden und Sicherheit in der Region beitragen könnten. «Diese Bemühungen zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten sind tatsächlich hilfreich», sagt der iranische Diplomat im «SonntagsBlick» weiter. Die Schweiz versuche, die Gefahr einer Eskalation zu begrenzen. «Und wir schätzen das», so Haji Karim Jabbari.

Bundesbern pocht auf Vertraulichkeit

Dass die Schweiz im Rahmen ihrer Politik der guten Dienste respektive des US-Schutzmachtmandats im Iran zwischen Teheran und Washington Botschaften überbringt, bestätigt das Aussendepartement (EDA) in Bern regelmässig. Auf inhaltliche Fragen sowie zur Frage, ob sich das EDA auch darüber hinaus in dem Konflikt engagiere, dazu will sich das Departement von Bundesrat Ignazio Cassis aus Gründen der Vertraulichkeit jeweils nicht äussern (siehe auch Kasten unten).

Für irgendwelche direkte Treffen mit den USA wiederholt der iranische Botschafter im «SonntagsBlick»-Interview schliesslich die bekannte Vorbedingung Teherans: «Die Wirtschaftssanktionen müssen komplett aufhören.» Washington könne dem Iran nicht zugleich «die Pistole an den Kopf halten» und verhandeln wollen. Der Iran wolle weder Krieg noch Eskalation, verteidige sich aber gegen jede Aggression.

Micheline Calmy-Rey: «Wenn ein Krieg droht, wird die Rolle der Schweiz sehr bedeutsam»

(sat) Nebst dem iranischen Botschafter in Bern äussert sich im «SonntagsBlick» auch Micheline Calmy-Rey zur Rolle der Schweiz in der USA-Iran-Krise. Man dürfe den «Schweizer Kommunikationskanal» im gegenwärtigen Konflikt nicht unterschätzen, mahnt die alt Bundesrätin: «Anders als auf Twitter konnten die Amerikaner so erklären, dass sie nichts von einer Eskalation wissen wollen», lässt sich die SP-Frau zitieren. Durch diese Vertrauensposition reüssiere Bern, wo andere Staaten scheiterten. So habe Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im Sommer vergeblich versucht, Donald Trump und dessen iranischen Amtskollegen Hassan Rohani zu einem gemeinsamen Treffen zu bewegen. Calmy-Rey: «Macron kündigte seine Absicht in aller Öffentlichkeit ein. Was ist aber gelungen? Die kleine Schweiz organisierte einen Gefangenenaustausch.» Laut der ehemaligen Schweizer Aussenministerin ist dies schlicht als «Erfolg» zu werten. Und Calmy-Rey schiebt nach: «Wenn ein Krieg droht, wird die Rolle der Schweiz sehr bedeutsam.»