Russland

Medwedew gibt kremlkritischer Zeitung Interview

Medwedew beantwortet Fragen (Archiv)

Medwedew beantwortet Fragen (Archiv)

Russlands Präsident Dmitri Medwedew setzt in der Medienpolitik und im Umgang mit der Zivilgesellschaft andere Massstäbe als sein Vorgänger. So veröffentlichte eine kremlkritische Zeitung ein Interview mit ihm, zudem traf er sich im Kreml mit Menschenrechtlern.

In seinem ersten Interview mit der "Nowaja Gaseta" bekräftigte er den Willen zur weiteren Demokratisierung des Landes. Auf Dauer sei Wirtschaftswachstum kein Ersatz für das Mitspracherecht der Bürger.

Er sei gegen das Prinzip "Wurst statt Freiheit", betonte Medwedew gegenüber der "Nowaja Gaseta". Für die Zeitung hatte auch die 2006 getötete Journalistin Anna Politkowskaja gearbeitet.

Medwedew distanzierte sich in dem Interview vom Demokratie-Verständnis seines Vorgängers Wladimir Putin. Stabilität und ein Leben in Wohlstand sowie Bügerrechte seien keine Gegensätze, sagte Medwedew. Demokratie sei ein universelles Konzept, an dem nicht herumgebastelt werden müsse.

Putin, der inzwischen Regierungschef ist, hatte immer wieder betont, Demokratie müsse auf russische Verhältnisse zugeschnitten werden.

Der Kremlchef widersprach in dem von Chefredaktor Dmitri Muratow geführten Interview der Ansicht, dass das Urteil im zweiten Prozess gegen den inhaftierten Ex-Ölmagnaten Michail Chodorkowski angeblich bereits feststehe.

In einem ungewöhnlichen Schritt würdigte er die Arbeit von Bürgerrechtlern in Russland. "Es ist klar, dass Ihre Arbeit nicht leicht ist", sagte Medwedew bei einem Empfang von Bürgerrechtlern im Kreml.

Es sei kein Geheimnis, dass der Begriff der Menschenrechte in Russland teilweise verzerrt worden sei, sagte Medwedew laut seinen vom Kreml veröffentlichten Äusserungen.

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